YACHT
· 09.09.2023
Liebe Leserinnen und Leser,
in den vergangenen Tagen hat sich der Sommer noch einmal angestrengt, auch das Wochenende verspricht schöne Stunden auf dem Wasser. Dennoch neigt sich die Saison unaufhaltsam dem Ende entgegen. Die verbleibenden Segelwochenenden lassen sich fast schon an einer Hand abzählen, der Krantermin steht meistens bereits fest im Kalender. So auch bei mir. Und ich nehme mir vor, wie schon viele Jahre, dass ich es dieses Mal schaffe, einen entscheidenden Teil der Winterarbeit schon im Herbst zu erledigen, nämlich das Antifouling aufzufrischen.
Vieles spricht dafür: Die Temperaturen sind noch hoch, im Frühjahr liegen sie meist nur knapp über 5 Grad Celsius, die Untergrenze bei den meisten Farbherstellern. Und die Arbeit geht bei angenehmen Temperaturen auch schneller von der Hand. Das gewonnene Wochenende kann man im kommenden Jahr dann mit Sicherheit für andere, nicht so temperaturkritische Arbeiten sinnvoll nutzen. Außerdem ist diese etwas antizyklische Herangehensweise für alle ein Gewinn: Wenn ich das Unterwasserschiff etwas anschleife, störe ich im Herbst nicht meine Winterlagernachbarn mit dem Lärm, es ist ja vermutlich sonst noch niemand im Bootslager. Wenn sie dann im Frühjahr Krach machen, bin ich schon durch und erledige bereits Aufgaben unter Deck, wo mich deren Arbeitsgeräusch nicht stört. Zudem bleibt mir dann das erste warme Wochenende im Frühjahr für Polierarbeiten.
Die Vorteile sind also unbestritten, trotzdem habe ich es noch nie geschafft. Ausreden sind schnell gefunden. Andere Verpflichtungen, die während der Segelsaison vernachlässigt wurden. So reicht schon der Gang auf den Dachboden, um Segelsäcke und Polster für den Winter einzulagern, für die Erkenntnis, dass hier eine Aufräumaktion dringend überfällig ist. Schnell sind da die Winterarbeiten vergessen. Dann sind da noch Familie und Freunde, mit denen man die letzten einigermaßen schönen Wochenenden verbringen möchte. Steht das Boot bereits an Land, dann kann man es sich auch rund um den Feuerkorb bequem machen. Wer weiß schon, wann es dafür zu ungemütlich wird. Ungemütlich, also kalt und regnerisch, bedeutet dann aber auch, dass es für die vorgezogenen Bootsarbeiten ebenfalls zu spät ist, steht das Schiff nicht in der Halle.
Dann ist da natürlich noch die Motivation, sie fehlt, wenn nicht die neue Segelsaison unmittelbar vor der Tür steht. Wenn der Krantermin näher rückt, werden die Bootsarbeiten auch bei nicht ganz idealen Bedingungen erledigt. Zum einen drängt die Zeit, zum anderen ist die Vorfreude groß und die Aufgaben gehen leicht von der Hand. Im Herbst dagegen reicht schon eine geringe Wahrscheinlichkeit für Regen, um die Arbeiten mit dem Hinweis auf ungünstige Witterungsverhältnisse zu verschieben.
Um das Vorhaben diesen Herbst endlich einmal umzusetzen, habe ich mir vorgenommen, alles nötige Werkzeug schon bereitzustellen. Sobald die Winterplane hervorgeholt wird, müssen Folien, Schleifer, Staubsauger, Farbwannen und Co. direkt den Weg vom Dachboden ins Auto finden. Die neue Bewuchsschutzfarbe muss rechtzeitig besorgt werden, und dann heißt es, auf ein regenfreies Wochenende nach dem Krantermin hoffen.
Diese Vorbereitungen sind nötig, eventuell ist ein Gang zum Baumarkt für Schleifscheiben und Farbrollen unumgänglich, sonst scheitert das Vorhaben an fehlendem Klebeband. Aber noch in der Segelsaison fühlt sich die Bestandsaufnahme der Winterarbeitsutensilien nicht richtig an. Solange das Boot noch schwimmt, möchte ich ungern an Winterarbeiten denken.
Der Gang zum Baumarkt verdeutlicht auf unschöne Weise, dass die Saison schon fast vorbei ist. Noch im Frühjahr hat sie sich so unendlich lang angefühlt. Dann lenkt das nahende Ende die Gedanken unweigerlich zu einer Rekapitulation der Zeit an Bord. Habe ich die Wochenenden und den Sommerurlaub gut genutzt, alle Ziele angesteuert, die ich in diesem Jahr gern sehen wollte? Wie viele Meilen bin ich gesegelt, wie oft habe ich geankert, wie oft den Spinnaker gesetzt? Kurz, wie zufrieden bin ich mit dieser schon fast vergangenen Segelsaison und wie groß ist folglich meine Vorfreude auf die kommende?
Meine Saison war super, und ich werde jetzt versuchen, dieses Momentum zu nutzen und nach dem Kranen direkt diese eine Aufgabe erledigen. Für das Auftragen des Antifoulings braucht man wenige Stunden; ist noch Anschleifen vorher ratsam, wird daraus ein Tag Arbeit. Das sollte machbar sein. Obwohl, im Herbst wird es erst spät hell und schon früh dunkel. Ausreden gibt es also genug. Und bis es so weit ist, genieße ich noch die restlichen Segeltage, gerade fühlt es sich ja an, als wäre noch Sommer. Wer denkt da schon an Winterarbeiten?
YACHT-Redakteur
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