Vegvisir Race„Wunderschönes Rennen“ mit Dämpfer im Finale

Tatjana Pokorny

 · 04.09.2022

Vegvisir Race: „Wunderschönes Rennen“ mit Dämpfer im FinaleFoto: Team Lightworks

Drei unterschiedlich lange und attraktive Ostseekurse, 25 Wertungsgruppen, 96 Boote im Ziel: Das Vegvisir Race 2022 hat seine Teilnehmer an diesem langen Bilderbuchwochenende im Spätsommer erneut begeistert

„Es war ein wunderschönes Rennen“, sagt „Lightworks“-Co-Skipper Max Gurgel, obwohl für sein Team durch Kommunikationsprobleme der Rennleitung die hart erarbeitete Großchance auf die „Line Honors“ platzte. Immerhin gab es nach Protest und Juryverhandlung Wiedergutmachung in Form des Gruppensieges.

Eine Regatta-Impression von Bord der „Lightworks“ im Vegvisir RaceFoto: Team Lightworks
Eine Regatta-Impression von Bord der „Lightworks“ im Vegvisir Race

Hartes Brot für zwei Klassesegler: Michael Höfgen und Max Gurgel haben das Vegvisir Race 2022 auf dem längsten der drei Kurse über 238 Seemeilen nicht nur in ihrer Medium-Gruppe dominiert. Das Duo war drauf und dran, die „Line Honors“ über alles zu holen, als sie mit ihrer schnellen JPK 10.30 mit großem Vorsprung auch vor größeren Booten wie einer X 4.6 oder einer XP-44 dem Ziel entgegenrasten. Dann aber erreichte sie die Nachricht zu einer weiteren Bahnverkürzung nicht. Zu der hatte sich die Rennleitung aufgrund von zwei bis drei Knoten Strom im Storebælt am frühen Morgen des Finaltags kurzfristig entschlossen. Erst als fünf Verfolger nach der roten Pflichttonne E25A direkt auf Kurs Ziellinie nach Nyborg gingen und die „Lightworks“-Crew endlich ein Funkspruch von der JPK 10.80 „Kaha“ erreichte, wurde auch den Spitzenreitern die Bahnverkürzung klar.

Stimmungsvolle Momentaufnahme vom Finaltag im Vegvisir RaceFoto: Vegvisir Race
Stimmungsvolle Momentaufnahme vom Finaltag im Vegvisir Race

Max Gurgel: „Die ,Line Honors‘ wären eine Sensation gewesen“

Die Bahnverkürzung hatte die Rennleitung den segelnden Teilnehmern am frühen Samstagmorgen um 6:15 Uhr auf verschiedenen Medienkanälen und per Mobilfunknachrichten bekannt gegeben. Weil die „Lightworks“-Crew aber im Intensiveinsatz und im Kampf um die „Line Honors“ in den letzten nur noch eineinhalb Stunden bis zur entscheidenden roten Tonne nicht auf ihre Handys geschaut hatte, ging der Ruf an ihr vorbei.

Max Gurgel erzählt: „Wir haben superhart gepusht. Die ,Line Honors‘ wären eine Sensation gewesen. Wir hatten unsere Gegner gut im Griff. Dafür haben wir uns am Ende dieses wunderschönen Rennens noch einmal tierisch angestrengt. Da schaut man nicht auf Handys.“ Warum die von der Wettfahrtleitung erbetenen Funkrufe anderer Yachten in Richtung „Lightworks“ zu lange ausblieben, bleibt ungeklärt. „Wir waren auf Funkkanal 16, wie man das so macht“, sagt Gurgel, „vielleicht haben die anderen auf Kanal 72 gefunkt? Man hätte aber zu der Tonne auch ein Motorboot schicken können. Oder jemanden auf die Brücke, der die Bahnverkürzung von dort per Funk bekannt gibt.“ Tatsächlich hatte die Wettfahrtleitung die Teilnehmer aufgefordert, die Information auf Kanal 72 weiterzugeben. Die „Lightworks“-Crew wunderte sich im Ziel: „Dann ist ja klar, warum das so gelaufen ist.“

Die Seascape 27 „Nordri“ mit Jan Markus Peters und Marlene Brudeck segelte in der Division 2Star-Small über 158 Seemeilen auf Platz sechsFoto: Vegvisir Race
Die Seascape 27 „Nordri“ mit Jan Markus Peters und Marlene Brudeck segelte in der Division 2Star-Small über 158 Seemeilen auf Platz sechs

„Das Vegvisir Race ist ein tolles, navigatorisch und strategisch anspruchsvolles Rennen“

Als der Funkruf der größeren JPK-Schwester „Kaha“ Höfgen und Gurgel schließlich via Kanal 16 erreichte, war es bereits zu spät, die „Line Honors“ nach einem gehörigen Extraschlag auf dem ursprünglich vorgesehenen Kurs verloren. Die spätere Juryverhandlung ergab immerhin eine Wiedergutmachung für „Lightworks“, die damit doch noch verdient zur Gruppensiegerin in der 2Star-Division Medium auf dem mit 238 Seemeilen längsten Kurs gekürt wurde. So beendeten Michael Höfgen und Max Gurgel ihren herausragenden Einsatz mit einem weinenden und einem lachenden Auge. „Das Rennen selbst hat Riesenspaß gemacht“, erzählt Co-Skipper Gurgel, „der Startschuss war für uns am Donnerstagnachmittag gefallen. Im Ziel waren wir am Samstagmorgen. Es war alles dabei. Wir hatten am Start sechs Knoten Wind – ein schöner Auftakt. Auf dem Weg nach Svendborg schlief der Wind ganz ein. Im Svendborgsund wurde teilweise geankert. Michi hat dann einen sehr geduldigen und coolen Job am Steuer gemacht. Wir haben uns im Svendbordsund im Slalom um die Boote durchgerettet.“

Später genossen einige Teams im Fehmarnsund 20 Knoten Wind, der nach der Fehmarnsundbrücke für die führenden Boote noch weiter auffrischte. „Auf dem Downwind von Fehmarn nach Marstal an der Südspitze der dänischen Insel Æro hatten wir auch mal 16 Knoten Speed bei 25 Knoten Wind“, erinnert sich Gurgel gerne. Sein Fazit trotz der verlorenen „Line Honors“: „Das Vegvisir Race ist ein tolles, navigatorisch und strategisch anspruchsvolles Rennen.“

Hier ist das Segelmotto weithin sichtbar: Lasse Storm und Jan Christian Rößler segelten mit ihrer First 300 Spirit „First Smile“ über 158 Seemeilen in der Small-Gruppe auf Platz fünfFoto: Vegvisir Race
Hier ist das Segelmotto weithin sichtbar: Lasse Storm und Jan Christian Rößler segelten mit ihrer First 300 Spirit „First Smile“ über 158 Seemeilen in der Small-Gruppe auf Platz fünf

Ein Rennen für alle: Ein Dutzend Siege holten die deutschen Boote in 25 Divisionen

Deutsche Segler konnten sich über ein Dutzend Siege in den insgesamt 25 Divisionen freuen, in denen manche Boote konkurrenzlos unterwegs waren, andere größere Flotten hinter sich lassen konnten. So beispielsweise Markus Schöner und Niklas Ganssauge mit ihrem 30er Jollenkreuzer „Kleine Brise“ in der 2Star-Small-Gruppe über die 158-Seemeilen-Mittelstrecke. Oder auch Timo Maske und Frank Gerald, die mit ihrem Mini „Herr Nilsson“ über die kurze 70-Seemeilen-Distanz zum Sieg segelten. Dirk Frischmuth und Paul Greiner setzten sich mit der J/88 „Jojo“ in der 2Star-Small-Gruppe durch. Seriensieger Patrik Heinrichs räumte den Pokal auf seiner T 24 by Wiberg „Jynx“ über 70 Seemeilen in der Einhand-Division Mini ab. Uwe Barthel und Sverre Reinke waren in der 2Star-Small-Gruppe über 238 Seemeilen die Schnellsten. Hier geht es zu den Ergebnissen in allen 25 (!) Divisionen.

Vater und Sohn im Vegvisir Race: Axel Pachmann und sein erst 15 Jahre alter Sohn Reuben (jüngster Teilnehmer) waren nach 70 Seemeilen doppelt glücklich über ihre Ankunft in Nyborg: Ihre Luffe 44 „Miss Flink“ gehörte zuvor einer Familie im Heimathafen des Vegvisir RaceFoto: Vegvisir Race
Vater und Sohn im Vegvisir Race: Axel Pachmann und sein erst 15 Jahre alter Sohn Reuben (jüngster Teilnehmer) waren nach 70 Seemeilen doppelt glücklich über ihre Ankunft in Nyborg: Ihre Luffe 44 „Miss Flink“ gehörte zuvor einer Familie im Heimathafen des Vegvisir Race

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