The Ocean RaceSusann Beucke vor Premiere unter Schweizer Flagge

Tatjana Pokorny

 · 27.12.2022

The Ocean Race: Susann Beucke vor Premiere unter Schweizer FlaggeFoto: Eloi Stichelbaut/PolaRYSE
Susann Beucke im neuen Schweizer Team-Outfit von Holcim – PRB

Die verspätete Crew-Vorstellung von Team Holcim – PRB für The Ocean Race ist da. Und mit ihr eine schöne Überraschung: Neben der sehr erfahrenen dreimaligen Weltumseglerin Abby Ehler aus Großbritannien hat Skipper Kevin Escoffier Neueinsteigerin Susann Beucke aus Strande bei Kiel in sein Team geholt

Lange mussten Veranstalter, Konkurrenz und Fans auf die Bekanntgabe von Kevin Escoffiers Crew für The Ocean Race warten. Das wichtigste Mannschaftsrennen um die Welt startet bereits am 15. Januar. Jetzt hat der Franzose, der bei der letzten Vendée Globe sein Boot verloren hatte und spektakulär von Jean Le Cam gerettet worden war, seine Segel-Crew für die bekannteste Mannschaftsregatta um die Welt vorgestellt.

Zwei der Teammitglieder sind Frauen, die ebenso wie ihre Rivalinnen in den anderen Teams über die insgesamt sieben Etappen rotieren werden. Die Britin Abby Ehler, die The Ocean Race mit “Amer Sports Two” sowie als Boat Captain mit dem Frauen-Team SCA und Bouwe Bekkings Team Brunel bereits dreimal bestritten hat, verstärkt Team Holcim – PRB auf höchstem Niveau.

Verlagssonderveröffentlichung

Coup aus deutscher Sicht: Susann Beucke segelt das Ocean Race mit Team Holcim – PRB

Dazu serviert Escoffier in seinem Team unter Schweizer Flagge einen schwarz-rot-goldenen Coup: Mit Susann Beucke verpflichtete der Franzose eine deutsche Seesegel-Neueinsteigerin für The Ocean Race. Die Olympia-Zweite von 2021 war zu Beginn des Jahres auf eine Figaro umgestiegen, um für ihre neue Solokarriere zu trainieren. Mit ihrer eigenen Kampagne „This Race is Female“ und einer Rennyacht der Figaro-Klasse startete Beucke erfolgreich in die für sie neue Welt des Offshore-Segelns. Jetzt feiert die Silbermedaillengewinnerin von Japan ihre Premiere im Ocean Race.

Das Symbolbild für Susann Beuckes Umstieg vom olympischen in den Seesegelsport: die 31-Jährige mit ihrer FigaroFoto: Felix Diemer Photography
Das Symbolbild für Susann Beuckes Umstieg vom olympischen in den Seesegelsport: die 31-Jährige mit ihrer Figaro

„Für mich geht gerade ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagt Beucke. Weiter erzählt sie: “Als 2002 die ,illbruck’ ausgerechnet in Kiel das damalige Volvo Ocean Race als erstes und einziges deutsches Team jemals gewinnen konnte, war ich mit meiner Familie auf dem Wasser, um sie die letzten Meilen zum Sieg zu begleiten. 300.000 Menschen waren damals dabei. Es war unglaublich. Ich war neun Jahre alt. Seitdem habe ich den Traum, einmal selbst beim Ocean Race mitzusegeln. Nun geht es bald los. Das fühlt sich fantastisch an.“

Susann Beucke: “Das Thema Ocean Race hat alle angezündet”

Kevin Escoffier hatte schon das Volvo Ocean Race 2017/2018 gewinnen können. Er zählt mit seinem Team Holcim – PRB auch 2023 zu den Favoriten. „Ich bin stolz, dass mich Kevin gefragt hat, in sein Team zu kommen”, sagt die 31-jährige Sanni Beucke. Wir haben uns in diesem Sommer in Frankreich kennengelernt, und er lud mich ein, mit ihm und seiner Crew einen Test zu segeln. Danach habe ich an der Solitaire du Figaro teilgenommen. Das ist eine unheimlich anspruchsvolle Regattaserie, die einem alles abverlangt.“

Im Spätherbst hatte Escoffier die deutsche Profiseglerin gefragt, ob sie sich vorstellen könne, 2023 nicht nur in der Figaro-Klasse anzutreten, sondern auch beim The Ocean Race. „Ich wollte das mit meinen Partnern gemeinsam entscheiden. Daher habe ich um etwas Bedenkzeit gebeten“, erklärt Sanni Beucke die Entscheidungsfindung, „doch die haben sofort begeistert zugestimmt – obwohl meine Vorbereitung für die Figaro-Rennen 2023 sicher etwas leiden wird. Aber das Thema Ocean Race hat alle angezündet.“ Auf das bevorstehende Ocean Race freut sich Beucke riesig: “Alles kann passieren, vor allem im Antarktischen Ozean. Nur eines steht fest: Ich komme reifer zurück.“

Kevin Escoffier: “Susann Beucke besticht durch Talent und Motivation”

Kevin Escoffier sagt: „Die Wahl der Segelcrew für The Ocean Race ist ein sehr wichtiger Moment. Drei Kriterien haben mich bei meiner Wahl geleitet: Erfahrung, Menschlichkeit und Entschlossenheit eines jeden Einzelnen. Je nach den Etappen wird die Segelcrew variieren. Ich werde einige Rotationen vornehmen, da meine Rolle als Skipper auch darin besteht, jedem eine Entwicklungskurve während dieses Rennens zu ermöglichen. Für diese Welttournee habe ich auch Susann Beucke ausgewählt, die neu im Offshore-Segeln ist und durch Talent und Motivation besticht. Sie ist vor allem mit dem Segeln mit reduzierter Crew oder als Einhandseglerin vertraut. Was auch für unsere Crew von Vorteil sein wird, da wir beim Segeln oft allein an Deck sind.”

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.

Externer Inhalt
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogenen Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzbestimmungen.

Die einzige dieses Mal, aber nicht die erste deutsche Seglerin im Rennen um die Welt

Susann Beucke ist seit Langem die erste deutsche Seglerin im The Ocean Race, aber nicht die erste in der 50-jährigen Historie des legendären Rennens um die Welt. Im Whitbread Round the World Race 1981/1982 waren Gisela Bunck und Anke Schulz Teil der Crew auf “Walross 3”. Die beiden Seeseglerinnen vom Akademischen Segler-Verein Berlin absolvierten damals die vierte Etappe von Mar del Plata in Argentinien über den Atlantik ins britische Portsmouth.

Die sich abwechselnde Kern-Crew von Holcim – PRB bilden um Skipper Kevin Escoffier Abby Ehler, Susann Beucke, der Transat-Jacques-Vabre-Dritte Sam Goodchild (Großbritannien), Figaro-Dominator Tom Laperche (Frankreich) und der Franzose Fabien Delahaye. Hinzu kommen im The Ocean Race wechselnde An-Bord-Reporter. Ihre Gegner sind in der kleinen, aber feinen Flotte für das 14. The Ocean Race Boris Herrmanns Team Malizia auf “Malizia – Seaexplorer”, Charlie Enrights Team 11th Hour Racing, die Co-Skipper Benjamin Dutreux und Robert Stanjek (Berlin) mit ihrem Guyot Environnement – Team Europe und Paul Meilhats Team Biotherm.

Kevin Escoffiers Imoca “Holcim – PRB” zählt zu den topfavorisierten Booten im 14. The Ocean RaceFoto: Julien Champolion/PolaRYSE/PRB
Kevin Escoffiers Imoca “Holcim – PRB” zählt zu den topfavorisierten Booten im 14. The Ocean Race

In der neuen YACHT 2/2023 findet Ihr ein Spezial zum 14. The Ocean Race mit allen Infos rund ums Rennen, Gewinnspiel sowie Interviews mit Boris Herrmann, Robert Stanjek und Kevin Escoffier.

Meistgelesene Artikel