Es ist fast schon ein symbolträchtiger Augenblick. Auf Instagram vermeldet die Crew: „Wir haben es geschafft! Die “Tally Ho” ist gestern Abend am Fastnet Rock vorbeigesegelt – zum ersten Mal seit 1927, nach mehr als 4.000 Seemeilen und 26 Tagen auf See.“ Kurz darauf erreichte die Yacht am Freitag, den 31.7., Baltimore im Südwesten Irlands, den ersten europäischen Hafen der Reise.
Ursprünglich sollte die Passage direkt nach Falmouth im Südwesten Großbritanniens führen, sagt Goolden in einem YouTube-Video. Die Crew entschied sich dann aber, zunächst den Fastnet Rock anzusteuern. Für dieses Boot war das keine bloße Routenkorrektur, sondern eine Rückkehr mit historischem Gewicht.
Denn die „Tally Ho“ ist nicht irgendein restaurierter Klassiker. Die Yacht gewann 1927 das Fastnet Race nach berechneter Zeit. Damals beendeten in schwerem Wetter nur zwei Yachten die Regatta: der Alden-Schoner „La Goleta“ und die „Tally Ho“.
Dass das Schiff nun fast 100 Jahre später wieder am Fastnet Rock vorbeisegelt, macht die aktuelle Reise zu weit mehr als einem Törn über den Atlantik. Und es soll zeitnah auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Das langfristige Ziel bleibt weiterhin: 2027 soll die „Tally Ho“ zum Jubiläum erneut beim Fastnet Race starten.
Und auch die letzten Meilen nach Baltimore wurden selbst zum Ereignis. Irischen Medien zufolge begleiteten mehr als 30 Boote die „Tally Ho“ in den Hafen. Rund 100 Menschen warteten am Pier auf die vierköpfige Crew.
Auf Instagram schrieb diese nach der Ankunft: „Das war eine wirklich wunderbare Überfahrt – wir hatten Glück mit dem Wetter und sind zügig vorangekommen. Es gab viele Höhepunkte und neue Eindrücke, aber im Moment genießen wir erst einmal ein paar Pints irischer Gastfreundschaft!“ Auch in dem YouTube-Video sprach Goolden von überwiegend guten Wochen auf See und nur kleineren technischen Herausforderungen.
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Baltimore lag als erster Stopp nahe, weil der Hafen unweit des Fastnet Rock liegt. Von dort aus soll die Reise Anfang der Woche weiter nach Falmouth gehen.
Dass die Ankunft in Irland so viele Menschen verfolgt haben, hat auch mit der Geschichte hinter dem Schiff zu tun. Goolden kaufte die „Tally Ho“ 2017 für einen symbolischen Preis und machte aus einem schwer heruntergekommenen Rumpf eines der bekanntesten Restaurierungsprojekte der Szene.
Gebaut wurde die Yacht 1910 bei Stow & Son im südenglischen Shoreham-by-Sea, ursprünglich unter dem Namen „Betty“. Entworfen wurde sie von Albert Strange. Nach Jahren als Fahrten- und Arbeitsboot, einem Unfall im Südpazifik und späterem Verfall schien das Ende des Schiffes längst besiegelt. Gerade deshalb ist die Rückkehr nach Europa umso bedeutsamer.
Hinzu kommt die enorme Reichweite in den sozialen Medien. Hunderttausende verfolgen seit Jahren, wie das Projekt auf YouTube zum Welterfolg wurde. Inzwischen geht es dort nicht mehr nur um den Wiederaufbau, sondern um die Reise eines Bootes, das seine eigene Geschichte noch einmal neu schreibt.
Mit der Ankunft in Irland ist die Geschichte nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Wenn alles nach Plan läuft, soll die „Tally Ho“ 2027 erneut die Fastnet-Strecke segeln, fast genau ein Jahrhundert nach dem historischen Sieg.
„Es fühlt sich verrückt an, Irland auf diesem Boot zu erreichen. Es ist ein wirklich großer Meilenstein für mich und das Boot“, sagt Goolden. Seit den 1960ern sei das Boot nicht mehr so weit östlich gewesen.

Redakteur News & Panorama
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