Spektakuläre Segelbilder„Johnny FPV“ ist der Star der Drohnen-Piloten

Tatjana Pokorny

 · 04.10.2022

Spektakuläre Segelbilder: „Johnny FPV“ ist der Star der Drohnen-PilotenFoto: Joerg Mitter / Red Bull Content Pool
Der amerikanische Drohnen-Pilot Johnny Schaer alias Johnny FPV im Einsatz beim Red Bull DR.ONE im österreichischen Spielberg

Seine Aufnahmen sind atemberaubend, sein Talent längst reif für Hollywood: Drohnen-Pilot Johnny Schaer alias Johnny FPV zeigte im SailGP, was fliegende Kameras im Segelsport können. Mit aktuellen Kommentaren und Einschätzungen von Deutschlands führendem Regatta-Drohnen-Pilot Eike Schurr

„Johnny FPV ist vermutlich der teuerste und beste Drohnen-Pilot der Welt. Er ist der Star der Szene“, sagt Eike Schurr. Neidlos erkennt Deutschlands führender Piloten-Kollege im internationalen Regattasport die außergewöhnlichen Werke des US-Künstlers aus Chicago an. „Johnny FPV“ hat sein Können aktiv in der Sportart Drohnen-Racing entwickelt, wurde mit Aufnahmen für die Rennserie Nascar, die Formel 1 und im vergangenen Jahr auch mit einem international gefeierten Porsche-Clip berühmt. Inzwischen berät er große Kinoproduktionen und Weltunternehmen.

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Einsatz einer herkömmlichen Drohne im SailGP. Racing-Drohnen werden dem enormen Geschwindigkeitspotenzial der F50-Katamarane in Zukunft häufiger gerecht werdenFoto: David Gray for SailGP
Einsatz einer herkömmlichen Drohne im SailGP. Racing-Drohnen werden dem enormen Geschwindigkeitspotenzial der F50-Katamarane in Zukunft häufiger gerecht werden

Ein Himmelstürmer mit höllisch guten Flugfähigkeiten

Dieser Himmelstürmer fiel auch den SailGP-Vordenkern auf, die Johnny FPV in diesem Sommer für einen spektakulären SailGP-Clip verpflichteten. Unter anderem flog Johnny FPV mit seiner Racing-Drohne unter den foilenden F50-Katamaranen hindurch. Damit schuf der Amerikaner nie da gewesene Segelsportperspektiven. Inspiriert wurde Johnny FPV für seine Arbeit von Drohnen-Künstlern wie Charpu, Skitzo oder Mr. Steele.

„Johnny FPV war einer der Ersten, der sich getraut hat, mit Racing-Drohnen über eine Regattaflotte drüberzubrettern“, erzählt Eike Schurr, selbst seit 2016 als Drohnen-Pilot für internationale Regattaserien wie die 52 Super Series, den SSL Gold Cup, die Kieler Woche oder auch den Superyacht Rolex Maxi Cup im Einsatz. Bei der Scarlino-Regatta der 52 Super Series hat auch Eike Schurr alias blondsign in der vergangenen Woche erstmals mit einer schnellen Racing-Drohne operiert.

So sieht Drohnen-Pilot Eike Schurr bei der Arbeit aus. Die Brille lässt ihn die Piloten-Position einnehmen. Ein Assistent informiert zeitgleich über die Entwicklungen auf dem KursFoto: Lenny Bindzus/Chimbovision
So sieht Drohnen-Pilot Eike Schurr bei der Arbeit aus. Die Brille lässt ihn die Piloten-Position einnehmen. Ein Assistent informiert zeitgleich über die Entwicklungen auf dem Kurs

Racing-Drohnen revolutionieren die Regatta-Bildwelten

Ein Nachteil der im Filmbereich noch nicht sehr häufig eingesetzten Racing-Drohnen ist ihre Laufzeit. Die meisten können nur zehn Minuten, andere Modelle bis zu 20 Minuten in der Luft bleiben, bevor die Batterien ausgetauscht werden müssen. Längeren Laufzeiten stehen die Gewichte der Akkus im Weg. Die Lösung dieses Problems dürfte eine Frage der Zeit sein. Die Vorteile der Racing-Drohnen liegen klar auf der Hand, wie Schurr erklärt: „Racing-Drohnen ermöglichen über andere Bildwinkel neue Perspektiven und sind sehr schnell. Wenn Johnny FPV in der Formel 1 arbeitet, muss er ja 300 Stundenkilometern hinterherkommen …“

Schurr selbst, der bereits in 17 Ländern als Drohnen-Pilot bei Regatten im Einsatz und als erster FPV (Redaktion: FPV als Kürzel für „First Person View“) für die 52 Super Series aktiv war, hat in der vergangenen Woche in Scarlino mit der Racing-Drohne zunächst Testläufe an Land durchgeführt. „Was wir dort hatten, ist eine DJI FPV, ein fertiges Gerät, das in zwei Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer beschleunigen kann. Der Top-Speed liegt bei 140 Stundenkilometern. Es operieren bislang nur sehr wenige Leute damit vom und auf dem Wasser. Johnny FPV würde darüber vermutlich trotzdem lächeln.“

Als Drohnen-Pilot bei Events klar zu erkennen: Eike Schurr prüft die BilderFoto: blondsign
Als Drohnen-Pilot bei Events klar zu erkennen: Eike Schurr prüft die Bilder

Wie ein Adler über der Flotte: kreiseln, lauern, los!

Der Umgang mit den rasanten Renngeschossen will auch von erfahrenen Drohnen-Piloten erst gelernt werden: „Eine der Gefahren ist: Wie fängst du das Ding? Alles ist eine Frage des perfekten Timings. Das haben wir gut hinbekommen“, berichtet der 33-jährige Bremer nach der Premiere in Italien. Mit einer normalen Drohne, erklärt er einen weiteren Unterschied, könne man in der Luft stehen bleiben, abwarten. „Mit der Racing-Drohne kreiselst du im Hoovering-Modus mit 60, 70 Stundenkilometer Speed wie ein Adler über der Flotte, wartest auf entscheidende Szenen und gehst dann rein.“

Zu den großen Herausforderungen von Drohnen-Piloten auf dem Wasser zählen der bewegte Untergrund und die oftmals schnellen Zielobjekte, mit denen die Fahrer der Kameraboote mithalten müssen. In der 52 Super Series ist das schon anspruchsvoll, im SailGP extremFoto: Nico Martinez/52 Super Series
Zu den großen Herausforderungen von Drohnen-Piloten auf dem Wasser zählen der bewegte Untergrund und die oftmals schnellen Zielobjekte, mit denen die Fahrer der Kameraboote mithalten müssen. In der 52 Super Series ist das schon anspruchsvoll, im SailGP extrem

Die Arbeitsperspektive kreiert die Brille, die der Pilot trägt. Schurr erklärt: „Dadurch nimmst du die Pilotenposition mit der entsprechenden Sicht ein. Wichtige Daten wie die Geschwindigkeit oder der Batterieladezustand werden im Display anzeigt. Du brauchst außerdem einen Assistenten, der dir zusätzlich Auskunft darüber gibt, was auf dem Kurs passiert, denn ich kann als Pilot nicht sehen, was hinter mir passiert. Vom Assistenten bekommst du wie von einem Strategen die Einschätzung fürs Drumherum.“

Racing-Drohnen-Clip von Eike Schurr für die 52 Super Series

Aus dem Kreiseln heraus erfolgt der Anflug, wenn sich filmwerte Szenen auf dem Kurs entwickeln. „Wenn du meinst, da ist ein wichtiger Moment, beginnst du den Anflug. Viel Zeit hast du mit der Racing-Drohne dafür nicht. Bei unserem aktuellen Modell insgesamt zehn Minuten.“ Für das kommende Jahr erwägt nicht nur die 52 Super Series den Umstieg auf neuere Racing-Drohnen mit längerer Laufzeit.

Den Luxus eines Johnny FPV, der bei jedem Shooting ein Dutzend oder mehr Drohnen im Gepäck hat und mit großen Budgets operieren kann, haben die wenigsten. Filmen mit Drohnen ist teuer: Die einfache Racing-Drohne ist ab rund 2.000 Euro zu haben, Top-Modelle kosten 15.000 Euro oder deutlich mehr – je nach Setup und individueller Ausrüstung.

In Zukunft werden Racing-Drohnen diese Arbeit übernehmen. Hier eine konventionelle Drohne im SailGPFoto: Eloi Stichelbaut for SailGP
In Zukunft werden Racing-Drohnen diese Arbeit übernehmen. Hier eine konventionelle Drohne im SailGP

Johnny FPV: „Das ist es, wofür ich lebe“

Drohnen-Filmarbeit bleibt auch für die Besten eine Herausforderung, wie Johnny FPV nach seinem SailGP-Einsatz im Sommer berichtete: „Das Fliegen entlang der SailGP-Boote, die selbst mit 100 Stundenkilometern übers Wasser rasen, war eine Riesenherausforderung. Es kann so viel schiefgehen, wenn du auf See in starken Winden operierst und dein verdammtes Dingi suchst, nachdem du eine Meile in irgendeine Richtung rausgeflogen bist. Ich bin begeistert, wie gut alles am Ende zusammenpasste. Das ist es, wofür ich lebe.“ Auch für Fans bedeutet die Arbeit der Drohnen-Piloten immer Genuss und Gewinn.

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