SolosegelnErschöpfter Meister: François Gabart nimmt eine Auszeit

Tatjana Pokorny

 · 25.02.2020

Solosegeln: Erschöpfter Meister: François Gabart nimmt eine AuszeitFoto: Hocus-focus.bzh-Macif

Einer der erfolgreichsten Segler der Welt zieht sich vorerst zurück: François Gabart gibt das "Macif"-Steuer ab und pausiert. Boris Herrmann versteht ihn

François Gabart zählt zu den bekanntesten Soloseglern Frankreichs und genießt Weltruhm für sein virtuoses Können auf hoher See. Mit seinem Rekordsieg in der Vendée Globe 2012/13 hatte sich der Mann, der am 23. März seinen 37. Geburtstag feiert, einst an die Spitze der führenden Gruppe von Frankreichs Offshore-Helden katapultiert. Als damals jüngster Sieger in der Geschichte der härtesten Prüfung für Solosegler wurde Gabart als Jahrhundert-Talent gefeiert. Dann ließ der Mann aus Saint-Michel weitere Großtaten folgen. Der bis dato erfolgreichste Gipfelsturm gelang ihm am 17. Dezember 2017, als er auf "Macif" einen neuen Soloweltrekord für die schnellste Weltumsegelung aufstellte, den Kurs um die Erde von und nach Brest in gerade einmal 42 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 35 Sekunden absolvierte. Gabart segelte von Erfolg zu Erfolg, von Meisterleistung zu Meisterleistung, zuletzt in der Ultime-Klasse mit der inzwischen längst foilenden und fliegenden "Macif". Mit ihr bestritt er im vergangenen Herbst das neue Brest Atlantiques, hatte im Zweihand-Rennen mit Gwenolé Gahinet aber eine Kollision mit einem "Ufo" und Materialbruch zu beklagen und quälte sich ins Ziel.

  François Gabart dominierte die Solo-Segelwelt über Jahre, zieht sich aber jetzt zurück, weil er neue Kraft schöpfen willFoto: Curutchet/DPPI
François Gabart dominierte die Solo-Segelwelt über Jahre, zieht sich aber jetzt zurück, weil er neue Kraft schöpfen will

Für das bevorstehende Transat CIC zog Gabart nun die Reißleine, überlässt seinem Kollegen Pascal Bidégorry das "Macif"-Steuer und sagte: "Es ist ein außergewöhnliches Privileg, ein absolutes Vergnügen, in der Ultime-Klasse zu segeln. Aber das erfordert ein hohes Maß an Wachheit, Konzentration und Engagement. Bei uns folgt Saison auf Saison, die Müdigkeit wächst. Ich habe großen Respekt vor diesem Rennen und meinen Konkurrenten, empfinde viel Liebe zu diesem Boot und viel Verantwortung gegenüber meinen Partnern und meinem Team. Mein Körper und mein Geist sind nicht in der Lage, mit dem uneingeschränkten, unbegrenzten Engagement in diese Regatta zu starten, das ich sonst stets aufbringe. Ich denke, es ist klug und vernünftig, für den Moment aufzugeben und in ein paar Monaten wiederzukommen." Zur Wahl von Bidégorry als Ersatzmann sagte Gabart: "Die Geschichte begann mit einem Sieg im Transat Jacques Vabre mit Pascal Bidégorry. Ich bin froh, dass Pascal hier ist, um den Kreis zu schließen. Ich weiß, dass er diesem großartigen Boot gewachsen sein wird. Und ich werde da sein, um ihn in den nächsten Wochen während des Trainings zu unterstützen."

  Er hatte in seiner bisherigen Karriere viele Bestleistungen zu feiern: Offshore-Darling François Gabart mit Champagner-DuscheFoto: Courcoux/Route du Rhum
Er hatte in seiner bisherigen Karriere viele Bestleistungen zu feiern: Offshore-Darling François Gabart mit Champagner-Dusche
  Dieser Schnappschuss von François Gabart entstand im neuen Brest Atlantiques kurz vor dem notwendigen PitstopFoto: Gitana/Yann Riou
Dieser Schnappschuss von François Gabart entstand im neuen Brest Atlantiques kurz vor dem notwendigen Pitstop
  "Malizia"-Skipper Boris Herrmann reagierte mit viel Verständnis auf den Rückzug von François GabartFoto: Team Malizia
"Malizia"-Skipper Boris Herrmann reagierte mit viel Verständnis auf den Rückzug von François Gabart
  So erinnert sich die Segelwelt am liebsten an ihre einstige Heldin Ellen MacArthurFoto: J. Vapillon
So erinnert sich die Segelwelt am liebsten an ihre einstige Heldin Ellen MacArthur

Das Transat CIC, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1960 und zum ersten Sieg von Francis Chichester auf "Gipsy Moth II" zurückreichen, führt die Teilnehmer ab 10. Mai in den Divisionen Class 40, Imoca, Multi50 und Ultime von Brest über den Atlantik nach Charleston in den USA. Die schnellsten Boote werden nach gut einer Woche im Zielhafen erwartet. Im Juni geht es mit dem Rennen New York–Vendée zurück nach Les Sables d'Olonne. Die Vendée-Globe-Aspiranten nutzen es als letzte große und gute Vorbereitungsregatta.

So auch Boris Herrmann. Er ist mit der dann mit neuen Foils und überarbeiteter Bugsektion ausgestatteten "Malizia" am Start. Der 38-jährige Solist sagte zum Rückzug von François Gabart: "Ich denke, er hat es selbst gut erklärt. Im letzten Rennen ist bei ihm viel kaputtgegangen, und ich glaube, das war wirklich hart. Es geht uns allen so: Wir brennen. Man muss nur aufpassen, dass man nicht vor 65 ausgebrannt ist." Gabarts Rückzug lässt auch Erinnerungen an den radikalen Ausstieg von Ellen MacArthur wachwerden. Großbritanniens Seesegel-Ikone hielt einst drei Jahre lang den Weltrekord für die schnellste Solo-Weltumsegelung und feierte 2001 mit Platz zwei in der Vendée Globe einen ihrer größten Erfolge. Sie beendete ihre Segelkarriere 2009 im Alter von erst 33 Jahren abrupt und setzt sich seitdem mit ihrer Stiftung international für die energiesparende Kreislaufwirtschaft ein.

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