„Angehende Bordfrau sucht Akademiker mit eigenem Schiff nicht unter zwölf Metern“: Über Jahrzehnte war der Kleinanzeigenteil der YACHT die erste Wahl für die Suche nach segelnden Lebenspartnern. Mit der Digitalisierung und dem Erfolg spezialisierter Portale wie Tinder, Elitepartner oder Parship hat sich die Partnersuche ins Internet verlagert. Längst gibt es auch Singlebörsen, die sich auf Wassersportler konzentrieren, wie etwa segler-sucht-seglerin.de oder lovesail.com.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Das Bordleben kann so einige Herausforderungen an Paare stellen. Beim ersten Hafenmanöver mit starkem Seitenwind offenbaren Menschen mehr über sich selbst als beim dritten Restaurantbesuch. Partnervermittlungen, die von Anfang an eine gewisse Seefestigkeit als Filter anlegen, versprechen also vor allem ein gezielteres „Matching“ als die großen Anbieter.
Segler Christian Nelling (Name geändert), der seinen Lebensmittelpunkt nach der Scheidung aufs Boot verlegt hat, hat das Angebot ausprobiert: „Der Unterschied der Segler-Dating-Apps gegenüber Tinder oder Bumble ist, dass man für die gemeinsame Liebe zum Segeln schon mal einen Haken auf der Liste machen kann. Ansonsten bleibt alles gleich“, berichtet Nelling. Er habe aber auch schnell die Nachteile der reinen Seglervermittlungen kennengelernt: „Die Mitgliederzahl ist viel, viel geringer.“ Der Preis für das konkretere Matching ist also die deutlich eingeschränkte Reichweite. „Wenn du aber unbedingt auf dem Boot leben willst und dafür eine Partnerin suchst, sind diese Portale trotzdem hilfreich“, glaubt er.
Der Markt der Vermittlungen für Wassersportler gliedert sich grob in drei Kategorien: Ganz oben stehen echte Partnerbörsen wie Segler-sucht-Seglerin oder Lovesail sowie Kleinanzeigenseiten wie die Partnerbörse des Portals esys.org. Danach folgen Facebook-Gruppen wie „Singles under Sails“ oder „Sailing Singles Europe“. Ferner Crew- und Mitsegelbörsen wie „Hand gegen Koje“, „Crewbay“, „Sailwithus“ und wiederum Mitsegelbörsen auf Facebook.
Zwischen diesen drei Kategorien zeigen sich elementare Unterschiede: Weder Facebook-Gruppen noch Mitsegelbörsen sind echte Partnervermittlungen. Die Gruppen im größten sozialen Netzwerk funktionieren über den Community-Aspekt. Hier findet kein Matching statt, wie es bei Partnerbörsen üblich ist. Die Mitglieder müssen im Zuge von Diskussionen und Chatbeiträgen geschickt auf sich aufmerksam machen. Das ist oft unübersichtlich, schwer moderierbar und offen, dafür sehr niedrigschwellig und direkt. Die Ergebnisse sind häufig nicht weniger zufriedenstellend als bei den reinen Vermittlungen. „Ich habe eine Seglerin bei Facebook kennengelernt, bei der wirklich vieles prima gepasst hat“, berichtet User Tim Groß (Name geändert).
Mitsegelbörsen hingegen vereinen vielleicht das Beste aus zwei Welten, sind sie doch einerseits zunächst als Online-Plattformen konzipiert, übertragen aber das Dating-Erlebnis automatisch direkt aufs Boot. Hier zeigt sich die Beziehungs-Kompatibilität in der Bordpraxis. Die oftmals verkrampfte Kontaktaufnahme via Chat, ohnehin nicht jedermanns Sache, wird durch das Gespräch am Cockpittisch ersetzt.
Bei genauerem Hinsehen lässt sich das tatsächliche Potenzial für die Partnersuche schnell abschätzen. Die deutsche Plattform Segler-sucht-Seglerin weist im Juni 372 Inserate aus, davon 132-mal „Skipperin sucht Kapitän“ und 231-mal „Kapitän sucht Meerjungfrau“.
Partnersuchenden sollte klar sein: Wer hier online ist, ist sichtbar, und zwar für jeden. Denn die Anzeigen sind öffentlich einsehbar, so wie früher bei der Kleinanzeige in der Zeitung. Als Filterkriterien können lediglich das bevorzugte Geschlecht sowie eine Altersspanne ausgewählt werden. Bei genauen Vorstellungen wird die Auswahl dann schnell dünn. Erst recht für gleichgeschlechtlich Interessierte. Hilfreich hingegen: Der seglerische Hintergrund wird in den Profilen sehr konkret abgefragt. Segelkenntnisse, eigenes Boot, Reviervorlieben, seefest oder nicht, da wird schnell klar, ob jemand passt.
Das britische Pendant Lovesail veröffentlich keine Mitgliederzahlen, ist aber nach eigenen Angaben seit 2004 am Markt. Nutzer kritisieren einerseits, dass viele Profile alt seien, andererseits wird die übergeordnete „Qualität“ der Mitglieder lobend erwähnt.
Die deutsche Facebook-Gruppe Singles under Sails hingegen zählt über 1.000 Mitglieder und funktioniert wie eine große Community: Fotos vom letzten Törn, ein Video vom Skipper, Vater und Sohn, die die künftige Mitseglerin suchen. Und dazwischen ganz viel Klönschnack. Die Kontaktaufnahme erfolgt über den Chat. Offene Diskussionen unter den Beiträgen hingegen können wie üblich von allen anderen Mitgliedern mitgelesen werden. Hier entscheidet der persönliche Geschmack: Wer Facebook mag, könnte an der Gruppe Gefallen finden.
Die ebenfalls private und somit nicht frei zugängliche Gruppe Sailing Singles Europe kommt hingegen auf über 11.000 Mitglieder, das überregionale Pendant Sailing Singles sogar auf knapp 32.000. Diese ist jedoch öffentlich. Mehr noch als bei reinen Kleinanzeigen-Seiten hängt bei den Facebook-Gruppen alles von der eigenen Aktivität und Initiative ab.
Ein Schattendasein im Markt der Partnerbörsen führen die Angebote für Single-Segelreisen und Mitsegeltörns. Anbieter wie Windbeutel Reisen oder Singlereisen.de besetzen Yachten mit Alleinstehenden. „Unsere Singletörns sind keine Flirtwochen, kein Speed-Dating auf dem Wasser und keine Kuppelveranstaltungen“, erklärt zwar Anbieter Windbeutel, lässt aber andererseits bewusst auch Hoffnung auf neue Zweisamkeit aufkommen.
Singlereisen.de bietet unter vielen anderen Urlaubsarten auch Segeltörns an. Beide Anbieter belegen Kabinen gleichgeschlechtlich und bedienen die typischen Charterreviere primär im Mittelmeer zwischen Kroatien und Griechenland, Balearen und Italien. Was auf der Website ein wenig klingt wie „Alles kann, nichts muss“, hat in der Praxis Vor- und Nachteile gleichermaßen. So kann sich einerseits jeder an sieben Fingern abzählen, dass das persönliche Erfolgspotenzial beim Törn auf einer Yacht mit vier Kabinen sehr übersichtlich sein wird. Gleichzeitig besteht Anlass zur Hoffnung, dass ein frisch gefundener Partner nach sieben Tagen Zusammenleben auf engstem Raum schon viel über sich und die individuellen Macken preisgegeben haben wird. So wird ein Törn direkt zur Probe aufs Exempel.
Die Nachteile der rein auf Seglerinnen und Segler fokussierten Angebote sind die Vorteile der globalen Partnerbörsen wie Tinder, Bumble, Parship. Mit der viel größeren Mitgliederzahl ist die Wahrscheinlichkeit, ein Match zu finden, viel größer. Die Such- und Filter-Optionen sind professioneller, vielseitiger und ergonomischer. Potenzielle „Treffer“ werden vom Algorithmus der Seite automatisch vorgeschlagen. Dennoch sind Elitepartner oder Bumble nicht automatisch Singleseglers Schlaraffenland. Denn der entscheidende Filter, der diesen Angeboten durch die Bank fehlt, ist die Möglichkeit der gezielten Suche nach wassersport-affinen Menschen.
Segler auf der Suche nach Seglerinnen und umgekehrt sollten diese Bedingung also in der Selbstbeschreibung formulieren. Wer direkt ernst machen will, nennt auch in diesem Punkt am besten Ross und Reiter. „Am Wochenende meist auf dem Boot“ oder „Plane drei Jahre Weltumseglung“ hilft potenziellen Interessierten, die Beziehungs-Realität an der Seite eines Seglers von Anfang an besser einzuschätzen. Denn Außenstehende wissen in den meisten Fällen nicht, wie viel Zeit ein Boot einfordert oder wie wenig ein Hafen-WC mit einem Wellness-Tempel gemein hat.
Dazu kommt: Segeln kann im Datingprofil zwar attraktiv wirken, aber auch abschreckend: Der einen ist es zu elitär, dem anderen zu rustikal, der dritte geht mit Vorbehalten wegen Seekrankheit oder einem enormen Wissens-Gefälle ins erste Date. Die Devise sollte daher lauten: Die ehrliche und realistische Darstellung der eigenen Lebenswelt erspart beiden Beteiligten Dates ohne Erfolgsaussichten und Enttäuschungen im späteren Alltag.
Enttäuschte Dauer-Dater wünschen sich früher oder später vermutlich, ihren Traumpartner oder die ideale Mitseglerin einfach selbst kreieren zu können. Zumindest virtuell macht der Datingmarkt dies inzwischen sogar möglich: Auf Webseiten wie candy.ai kann sich jeder und jede das vermeintlich perfekte Gegenüber konfigurieren. Für einen monatlichen Abopreis sprechen dann Pamela, Priscilla, Jayden oder Tom mit ihrem menschlichen Partner, senden Botschaften, teilen Fotos oder Videos, züchtig oder freizügig, maritim oder abenteuerlustig.
Diese Modelle zielen vor allem auf die Dopaminsucht und den Geldbeutel der Nutzer und sollen hier auch nur der Vollständigkeit halber, allerdings keinesfalls als ernst zu nehmende Option erwähnt sein. Unterm Strich bleibt die Erkenntnis: Es gibt sie durchaus, die speziellen Singlebörsen für Segler. Allerdings wirken viele davon eher wie aus der Frühzeit des Internets statt wie moderne Dating-Plattformen. Technisch sind sie oft eindimensional, mit einem an Kleinanzeigen angelehnten Look und letztlich dann doch überschaubarer Trefferwahrscheinlichkeit.
Ein großer Pluspunkt der spezialisierten Portale soll nicht ungenannt bleiben: Die Gefahr, Betrügern oder in irgendeiner Form unseriösen Dating-Angeboten aufzusitzen, dürfte deutlich geringer sein als bei den weltweit agierenden und den Massenmarkt bedienenden Portalen. Kostenlose Angebote, ob von großen oder spezialisierten Portalen, stoßen oft zügig an ihre Grenzen. Komfortable Such- und sinnvolle Filterfunktionen haben ihren Preis. Facebook-Gruppen sind eine Alternative, wenn man denn mit den Eigenheiten dieser Plattform leben kann. Kurz: Auf Tinder und Co. finden Segler sicherlich rascher ein Date. Auf Lovesail hingegen kennen potenzielle Partner den Unterschied zwischen Schot und Fall.
Tim Groß war eine Zeit lang in Facebook-Gruppen und auf der Seite Segler-sucht-Seglerin aktiv. Er sieht Licht und Schatten: „Positiv ist, dass hier wirklich nur Segler und Seglerinnen unterwegs sind.“ Der wichtigste Filter funktioniere also. Aber: „Das Angebot ist sehr männerlastig, die Mitglieder sind insgesamt eher alt, und die Plattform wirkt technisch sehr old fashioned.“ Ein weiterer Minuspunkt sei die mangelnde regionale Dichte der User. „Es gibt nur eine Handvoll in Nordrhein-Westfalen.“
Christian Nelling aus Köln hat beides ausprobiert: „Ich fahre jetzt konsequent zweigleisig“, lacht er, „ich bin auch auf den klassischen Seiten wie Tinder, eben wegen der geringen Grundgesamtheit bei den reinen Segler-Portalen“, erklärt er. Und weiter: „Bei Lovesail bin ich nur etwa einmal pro Woche“, sagt er, öfter gebe es mangels Fluktuation ohnehin keine neuen Kontakte zu entdecken.
Die automatischen Matching- und Vorschlagsfunktionen vermisst Nelling bei den Angeboten, die sich explizit an Segler richten, hingegen nicht. „Bei der geringen Mitgliederanzahl hat man eh in wenigen Tagen alle gesehen“, sagt er. Der passionierte Katamaransegler plant eine Weltumseglung. „Wenn man so extreme Lebenspläne hat, ist das noch mal schwieriger“, ordnet er ein. „Auf Lovesail findet man zwar passende Kandidatinnen, aber die Auswahl stimmt nicht. Über 80 Prozent kommen aus den USA.“ Man treffe sich eben nicht mal kurz auf einen Kaffee, und die Sprachunterschiede würden zusätzliche Hürden schaffen.
Das führende deutsche, speziell auf Segler und Seglerinnen ausgerichtete Partnervermittlungsportal mit über 370 Inseraten, aber ohne intelligente Suchfunktion oder -automatik. Dafür mit vielen segelbezogenen Detailangaben. Kostenlos.
Internationale Plattform mit freiem und erweitertem Bezahl-Angebot. Von Sydney bis Miami ist alles vertreten, Besucher werden angezeigt. Ab 25 Britischen Pfund auch mit Messaging-Funktion.
Kontaktanzeigen im traditionellen Segelportal. Kostenlos, aber keinerlei Such- oder Filterfunktionen.
Modernere Kombination aus Matching, Gemeinschaft, Events. Nur in dänischer Sprache. Offen auch für Fans anderer Wassersportarten. Es gibt einen kostenlosen Bereich sowie einige kostenpflichtige Premium-Dienste.
Das größte soziale Netzwerk der Welt hat viele Communitys. Beispiele:
Nicht primär als Datingplattform gedacht, aber gut für erste Kontaktaufnahme: handgegenkoje.de, findacrew.com, crewbay.com
Die Segler.Community ist ein Hybridangebot, das sowohl Mitsegler als auch Partner vermitteln will. Eingebettet in ein größeres Spektrum von Interessen- Portalen. Viele Such- und Filterfunktionen, aber nicht zwingend auf Dating ausgelegt. Basisangebot kostenlos mit täglichem Kontakt-Limit.
Segel-Reiseveranstalter mit Angeboten für Singles- und Alleinreisende auf Charteryachten. Gleichgeschlechtliche Kabinenzuteilung.
Spezialanbieter für Alleinstehende. Segelreisen sind nur ein Angebot von vielen, darunter aber auch so spezielle Angebote wie Törns für Singles mit Kind.
Zu zweit auf See erzählt von einer Atlantiküberquerung, die Johannes und Cati Erdmann als Paar bewältigen – mit unterschiedlicher Segelerfahrung und dem Alltag auf engem Raum. Der Bericht passt zum Thema, weil er nicht das erste Kennenlernen, sondern die Belastungsprobe danach beschreibt: gemeinsame Entscheidungen, begrenzter Rückzugsraum und die Frage, wie aus einem Törn ein gemeinsames Projekt wird.
Aktiv mitsegeln richtet sich an Menschen, die erstmals als Crew an Bord gehen. Das Buch erklärt Ausrüstung, Aufgaben, Seemannssprache, Knoten sowie Grundlagen zu Manövern, Navigation und Verkehrsregeln. Für Singles, die über einen Mitsegeltörn andere Segler kennenlernen möchten, liefert es einen praktischen Einstieg – und hilft dabei, an Bord sicherer aufzutreten, statt bei den ersten Handgriffen überfordert zu sein.
Ist gemeinsame Segelerfahrung wichtiger als eine große Auswahl potenzieller Partner oder schränkt eine reine Singlebörse für Segler die Suche zu stark ein? Diskutieren Sie mit und berichten Sie in den Kommentaren von Ihren Erfahrungen.

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