Der vor allem in den USA und unter Seglern beliebte Segler und Musiker war in der Karibik allgegenwärtig. In den Kneipen dudelte nicht nur zur Happy Hour seine Musik aus allen Lautsprechern. Überhaupt war er es, der seit den siebziger Jahren den Seglerbrauch der “Happy Hour” in karibischen Lokalen immer stärker etabliert hat. Durch seine bekannten Songs wie “Margaritaville”, “Changes in Latitudes, Changes in Attitudes” und “It’s Five O’Clock Somewhere”. Vor allem der letzte Titel wird heute noch von vielen Seglern regelmäßig zitiert, wenn es darum geht, die Cocktailzeit an Bord einzuläuten. “Ist es schon fünf Uhr und Zeit für ein Getränk?” – “Irgendwo auf der Welt wird es wohl schon fünf Uhr sein ...”
Doch Buffett besang nicht nur das Trinken an Bord – obwohl es zweifellos immer wieder Inhalt vieler Songs war –, es ging ihm viel eher darum, den Leuten in seinen Liedern zu vermitteln, dass es mal Zeit ist, das Büro zu vergessen und stattdessen das Leben zu genießen. Das rauschende Meer, eine Hängematte, der kühlende Passatwind, ein paar Akkorde auf der Gitarre. Kein Starlink, kein Handy, keine Termine. Ein einfaches, aber glückliches Leben am Wasser. Auch wenn dieser “Way of life” für viele seiner Zuhörer nicht ohne Weiteres zugänglich war, so ließ er sie mit seiner Musik doch in Gedanken am Strand sitzen. Er brachte auch viele seiner Fans dazu, sich selbst ein Boot zu kaufen und die Segel zu setzen.
Seine Lieder sind eine unnachahmliche Mischung aus Folk- und Country-Songs, gemischt mit karibischen Rhythmen. Viele handeln vom Leben unter Segeln, erzählen aber auch Geschichten von Buffetts Reisen um die ganze Welt. Zum Beispiel, wie auf einer Reise die jamaikanische Polizei auf ihn geschossen hat (”Jamaica Mistaica”), wie er sich in der Wüste Sahara verirrte (“Buffett Hotel”) oder von Schmugglern, die er an der Küste Floridas kennengelernt hat (”A Pirate Looks at Forty”).
In seinen mehr als 50 Jahren auf der Bühne produzierte Jimmy Buffett über 30 Alben und tourte auch in den letzten Jahren noch durch die USA und Europa, füllte vielfach ganze Stadien. Als Geschäftsmann baute er sich nebenbei ein großes Imperium von “Margaritaville”-Hotels und -Restaurants auf.
Unter den geschäftlichen Verpflichtungen litt die freie und unbeschwerte Zeit, die er einst besang und verkörperte. Deshalb suchte er seinen Ausgleich auf See, ließ sich vor einigen Jahren noch ein sehr spezielles Boot bauen, eine Surfari namens “Drifter”, die er sich speziell für seine Wünsche etwas verkleinern ließ. Auch wenn der Kommerz und das Marketing in den letzten Jahren immer mehr Teil seiner Persönlichkeit wurden, so versuchte er sich mit dem Schiff doch auf das einfache Leben zu besinnen, dem er selbst trotz allem Erfolg und Reichtums immer noch nachzustreben pflegte. Das Boot ist zwar hervorragend gebaut und immerhin 15 Meter lang, aber trotzdem recht einfach und gradlinig ausgestaltet. Denn – so sang Buffett ja immer – es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Und: Ein einfaches Leben verstärkt das Glück sogar noch.
Nach einem vierjährigen Kampf gegen eine seltene Art von Hautkrebs, vermutlich begünstigt durch ein Leben in der Sonne, verstarb Buffett überraschend in seinem Haus in Sag Harbour auf Long Island/USA. Er wurde 76 Jahre alt. Doch seine Songs werden noch lange aus den Lautsprechern der karibischen Bars zu hören sein.