Segeln mit HandicapMit dem Rollstuhl an Bord

Ricarda Richter

 · 26.04.2016

Segeln mit Handicap: Mit dem Rollstuhl an BordFoto: Evangelische Jugend Dortmund / Sail Together e.V.
Die "A.Noah" auf dem Phönixsee in Dortmund

Die Evangelische Jugend Westfalen lädt ab sofort Rollstuhlfahrer zum Segeln auf dem Harkortsee ein. Dort steht ein spezielles Boot bereit

Das Projekt Grenzenlos Segeln geht in die zweite Runde. Dessen Initiatoren wollen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam aufs Wasser holen. Dazu haben sie ein barrierefreies Boot, die "A.Noah", auf den Harkortsee gelegt, einen Stausee der Ruhr bei Hagen. Dieses Angebot, das noch bis zum 30. Juni besteht, hatten bereits im letzten Jahr über 300 Interessierte auf dem Aasee in Münster genutzt.

Gemeinsam segeln zu gehen sei eine einmalige Erfahrung, die Inklusion aktiv erlebbar mache, sagt Dirk Loose von der Evangelischen Jugend Dortmund, die das Projekt im vergangenen Jahr ins Leben gerufen hat. "Auf dem Boot wird die Behinderung ganz schnell vergessen. Da geht es eher um das gemeinsame Ziel, darum, seinen angestrebten Kurs zu halten." Unter Anleitung ausgebildeter Segellehrer sollen Menschen mit und ohne Behinderung vor allem eine schöne gemeinsame Zeit verbringen. Das kostenlose Angebot richtet sich in erster Linie an Gemeindegruppen, Schulen und Einrichtungen der Behindertenhilfe.

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  Auf der "A.Noah" finden maximal acht Mitsegler inklusive drei Rollstuhlfahrern PlatzFoto: Evangelische Jugend Dortmund / Sail Together e.V.
Auf der "A.Noah" finden maximal acht Mitsegler inklusive drei Rollstuhlfahrern Platz

Beheimatet ist die "A.Noah" auf dem Phönixsee in Dortmund. Das über sieben Meter lange und zweieinhalb Meter breite Boot ist eine Spezialanfertigung des Schiffskonstrukteurs Matthias Müller. Der Rumpf besteht aus Aluminium, wiegt zwei Tonnen und segelt somit besonders aufrecht. Alle Leinen und Winschen sowie das Steuerrad können von einem Rollstuhl aus bedient werden. Über eine mobile Rampe am Heck gelangen die Mitsegler sicher an Bord.

  Die "A.Noah" im GegenlichtFoto: Evangelische Jugend Dortmund / Sail Together e.V.
Die "A.Noah" im Gegenlicht

Der Neubau der "A.Noah" wurde unter anderem mit Geldern des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert. Sie ist das zweite barrierefreie Boot des Vereins Sail Together, in dem sich Segelbegeisterte aus der Evangelischen Jugend zusammengeschlossen haben. Junge Menschen aus der Region sollen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder einer körperlichen Beeinträchtigung die Chance haben, einen Segeltag zu erleben. Maximal acht Personen, inklusive drei Rollstuhlfahrern, finden auf der "A.Noah" Platz.

Um möglichst viele Menschen zu erreichen, bringen die Verantwortlichen des Projekts Grenzenlos Segeln das Boot auf verschiedene Seen Nordrhein-Westfalens. Am Harkortsee in Hagen ist dafür eigens ein barrierefreier Steg gezimmert worden.

Wie stark die Rollstuhlfahrer tatsächlich mit in die Bordabläufe eingebunden werden, hänge stark von ihrer Behinderung ab, sagt Dirk Loose. "Für Leute, die sich aktiv einbringen können, bietet das Boot alle Möglichkeiten, mit anzupacken." Die Schoten zu bedienen oder zu steuern sei dann kein Problem. Um auch Menschen mit einer Spastik die Bootsführung zu ermöglichen, werde derzeit über einen Joystick nachgedacht, der das Steuerrad im Zweifelsfall ersetzen könne.

Informationen über weitere Segelprojekte für Menschen mit Behinderungen gibt es im YACHT-Forum.

Die Evangelische Jugend Westfalen bietet Rollstuhlfahrern auf einem barrierefreien Segelboot die Möglichkeit, ins Segeln reinzuschnuppern

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