Bunt statt tristSo wird aus einem Segel ein Kunstwerk

Nils Theurer

 · 09.09.2026

Victoria Macias, 29
Im Digital-Culture- Studium am King’s College in London ­erforschte die ehemalige Marketingfachfrau, wie Kunst und Kultur im Digitalzeitalter weiter bestehen können.
Foto: Victoria Macias/La Tresor Kreativhandel GmbH
Mit ihrem Start-up Vela.Art bedruckt und bemalt die Künstlerin Victoria Macias die Segel ihrer Kunden. Die entscheiden vorher den Stil. Die größten Segel hatten 20 Meter Lieklänge.

​Warum bemalen Sie Segel?

Weil Segel immer weiß oder schwarz sind und ich persönlich das etwas trist finde. Warum können Segel nicht einfach bunt sein?

Wie läuft denn das Bemalen ab?

Die meisten Segel bestehen aus Polyestergewebe mit sehr glatten Fasern. Deshalb braucht es sorgfältige Vorbereitung des Materials, hochpigmentierte Acrylfarben und einen UV-Schutz.

Wer will denn so einen van Gogh im Groß?

Kunden, die Wert auf Ästhetik legen, auf Individualität, auf gutes Design. Das Boot soll ihren Charakter spiegeln.

Welche Künstler wünschen die Kunden?

Die meisten kommen mit einer Stilrichtung, gar nicht konkret mit einem Künstler, und wir entwickeln daraus eine Interpretation. Aber es eignet sich auch nicht jedes Motiv.

Welche Motive gehen nicht?

Je kleinteiliger, desto schwieriger kommt es auf dem Segeltuch rüber.

Würde ein Otto Dix auf einem Großsegel gehen?

Geschmackssache. Wenn man die Farbwahl gut findet, wenn man die Motive gut findet, kümmern wir uns um die Lizenzen.

Welcher Wunsch würde Ihnen imponieren?

Das spiegelt jetzt meinen persönlichen Kunstgeschmack …

Nur zu!

Ich fände einen Tom Sachs passend, plakativ und verspielt. Auch Shantell Martin mit einem One-Line-Design. Das könnte den Sweet Spot treffen zwischen Kunst und zeitloser Eleganz.

Hundertwasser?

Habe ich ausprobiert. Ist sehr unruhig.

Der hat ja mal für eine Bootsmesse Segel bemalt.

Haben viele Künstler interessanterweise. Wir waren auf Mallorca im Miró-Museum, und da hängen zwei große von ihm bemalte Segel.

Sie fertigen keine Werbesegel. Auch dann nicht, wenn das Honorar stimmt?

Nein, nein. Jedes Projekt wird bei uns individuell entwickelt. Wir nehmen uns die Zeit, um mit den Kunden eine Vision zu entwickeln und zu produzieren. Es geht nicht um Massenware, sondern um ein Kunstwerk.

Ein 100-Quadratmeter-Segel kostet etwa 10.000 Euro. Und die Kunst?

Rund 100 Prozent Aufpreis. Aber es gibt keine festen Preise.

Was ist Ihnen lieber: ein großes oder 20 Optisegel?

Haben Sie die neueste Jacquemus Fashion Show vor Korsika gesehen? Auf jedem Optimist ein Buchstabe. Ich würde immer die Optimisten nehmen. Aber mit Matisse.


Buchtipps

Yachtdesign widmet sich den großen Konstrukteuren klassischer Segelyachten und ihren Entwürfen. Der Bildband verbindet Porträts von Designern wie William Fife III., Charles Nicholson oder Henry Rasmussen mit historischen Yachtaufnahmen. Zum Blick auf die bemalten Segel liefert er den gestalterischen Hintergrund: Wie Linien, Proportionen, Material und Detailarbeit das Erscheinungsbild eines Bootes prägen – und weshalb Gestaltung auf dem Wasser stets auch Ausdruck einer eigenen Haltung ist.

Traumyachten stellt 18 klassische Segelyachten mit mehr als 350 Fotografien und ihren Geschichten vor. Im Mittelpunkt stehen berühmte Schiffe wie „Manitou“ und „Germania Nova“, ihre Eigner, ihre Regatten und ihre besondere Präsenz auf dem Wasser. Anders als der konstruktionsgeschichtliche Ansatz von „Yachtdesign“ zeigt dieser Bildband die Yacht als visuelles Gesamtkunstwerk – eine passende Ergänzung für Leser, die Segel und Rigg als Teil einer unverwechselbaren Bootsidentität betrachten.


Segel bemalen statt weiß oder schwarz: Finden Sie das eine sinnvolle Individualisierung oder eher Geschmackssache?

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Nils Theurer

Nils Theurer

Freier Mitarbeiter, Südkorrespondent

Der freie Reporter und Fotograf segelte jahrelang Dreiecksregatten mit Laser, Vaurien, Starboot und 470er, hauptsächlich auf Binnengewässern und dem Bodensee. Später befuhr er diese Reviere mit seiner Familie auf einem 15er-Jollenkreuzer. Als Süd-Korrespondent berichtet Theurer vor allem über kleine Boote und entdeckt dabei immer wieder außergewöhnliche Fahrzeuge genialer oder schrulliger Eigner und Erfinder. Seine Artikel speisen sich aus jahrzehntelanger praktischer Segelerfahrung auf süddeutschen Revieren.

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