RechtSegler wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt

Pascal Schürmann

 · 08.12.2022

Recht: Segler wegen sexuellen Missbrauchs verurteiltFoto: M. Strauch
Kinder sind besonders schutzbedürftig; Vereine müssen Präventionsarbeit leisten (Symbolbild)

Das Jugendschöffengericht am Amtsgericht Starnberg hat vergangene Woche einen heute 24 Jahre alten ehemaligen Deutschen Meister im Segeln und ehemaliges Mitglied im Bayerischen Yacht-Club (BYC) wegen sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen für schuldig befunden. Er wurde zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung verurteilt sowie zu einem vierwöchigen Dauerarrest. Außerdem muss er eine Therapie für Sexualstraftäter machen sowie zweien seiner Opfer jeweils 8.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das haben „Süddeutsche Zeitung“ und „Merkur.de“ berichtet

Vorgeworfen worden war dem Angeklagten, in den zurückliegenden Jahren vier minderjährige Mädchen, die teils ebenfalls im BYC aktiv waren, sexuell missbraucht zu haben. Zwei der Opfer habe er im Schlaf bedrängt. Da er zum Zeitpunkt der ersten beiden Taten selbst Heranwachsender gewesen ist, sei das Jugendstrafrecht zur Anwendung gekommen, habe der Vorsitzende Richter das Urteil begründet, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Weiter zitiert die Zeitung aus der Urteilsbegründung, alle Opfer hätten dem 24-Jährigen „blind vertraut“, er habe auch seine Position als erfolgreicher Segler im BYC ausgenutzt.

Verlagssonderveröffentlichung

In einer Stellungnahme des Vorstands des Bayerischen Yacht-Clubs heißt es: „Die genannten Vorfälle im Umfeld internationaler Segelmeisterschaften fanden nicht in der Zeit statt, in der er (der 24-jährige ehemalige Segler des BYC; die Red.) für den BYC Regatten segelte. Der BYC hat und hatte keinerlei Kenntnis von solchen Vorfällen. Uns sind die Schwere und Tragweite der Situation für die Betroffenen und die Familien bewusst. Wir legen größten Wert auf die Sicherheit und Schutz unserer Jugend. Unsere seit über 50 Jahren erfolgreiche Jugendarbeit basiert auf Sportlichkeit, Zusammenhalt, Integrität und Spaß am Segeln.“

Es ist nicht der erste Missbrauchsfall, der im Segelsport bekannt geworden ist. Anfang vergangenen Jahres hatten wir über den Jugendleiter eines fränkischen Segelvereins berichtet, der sich zweieinhalb Jahrzehnte lang an mindestens 57 Jungen und Jugendlichen vergangen hatte (Bericht in YACHT 10/2021).

Damals hatten wir dies zum Anlass genommen, generell über die Präventionsarbeit in Segelvereinen zu recherchieren. Nachfolgend Auszüge aus einem Interview mit Mona Küppers, die seit 2017 Präsidentin des Deutschen Segler-Verbands und dort auch die Ansprechpartnerin für das Thema sexualisierte Gewalt ist. Mit ihr sprachen wir über die Präventionskampagne des Verbands – und die Verantwortung der Vereine.

„Schweigen schützt die Falschen“

YACHT: Frau Küppers, war der DSV bisher nicht sensibel genug für sexualisierte Gewalt im Segelsport?

Küppers: Der DSV war im Gegenteil einer der allerersten Spitzenverbände, der ein ausführliches Präventions- und Interventionskonzept verabschiedet und umgesetzt hat. Und wir haben bereits vor vielen Jahren auf dem Seglertag beschlossen, dass rechtskräftig verurteilten Tätern die Trainerlizenz entzogen wird. Das hat damals für viel Wirbel gesorgt.

Nun wird es gleichwohl ein überarbeitetes Präventionskonzept geben. Was ist neu?

Wir machen jedem Verein und jedem Vorstand ein niedrigschwelliges Angebot mit vielen Informationen. Wir wollen von uns aus mit Druck und Schwung alle Segelvereine mit der Nase auf das Thema stoßen. Wir thematisieren das in der Übungsleiter- und Segellehrer-Ausbildung und bieten Schulungen dazu an. Es haben sich noch lange nicht alle Vereine und Vorstände mit dem Thema beschäftigt.

Sie wollen in diesem Zusammenhang nun alle 1300 Segelvereine in Deutschland anschreiben. Reicht das?

Wir werden nicht nur allen Vereinen regelmäßig unser Angebot an Schulungen und individueller Beratung anbieten und sie aktiv für dieses Thema sensibilisieren. Sondern wir werden auch verbandsintern Workshops anbieten – für alle Mitarbeitenden, das Präsidium, den Seglerrat und den Jugendsegelausschuss. Allen Beteiligten muss klar werden, dass das Nichtbefassen mit dem Thema der eigentliche Fehler ist.

Kann man die Vereine denn nicht verpflichten, einen Jugendschutzbeauftragten zu berufen?

Nein. Aber wenn sich herumspricht, dass es Vereine gibt, die hin- und nicht wegschauen, dann werden die anderen Vereine in Zukunft Probleme haben, neue Mitglieder und Übungsleiter zu finden. Denn es ist die Pflicht und ein Qualitätsmerkmal für jeden Verein, sich um den Schutz der uns anvertrauten Kinder, Jugendlichen und auch Erwachsenen zu kümmern.

Sollte der Gesetzgeber klarere Vorgaben machen?

Ich würde mir das wünschen. Es gibt vorsichtige Entwicklungen dahingehend, dass Sportvereine entsprechende Konzepte vorhalten müssen, sobald sie öffentliche Mittel erhalten.

Wie ist die Resonanz der Vereine auf die Präventionsangebote des DSV?

Die werden gut angenommen.

Sie befassen sich selbst seit über 20 Jahren mit dem Thema sexualisierte Gewalt. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Als ich anfing, mich mit der Problematik auseinanderzusetzen, und anderen klar war, wie ich zu dem Thema stehe, wurde ich teilweise von Vereinen, die ich besuchen wollte, wieder ausgeladen. Das hat sich inzwischen deutlich geändert, und das stimmt mich positiv. Denn: Schweigen schützt die Falschen!

Das Interview führte Jan Zier

Hilfsangebote

Der Deutsche Segler-Verband hat für Fragen und Probleme zum Thema die Mailadresse schutzvorgewalt@dsv.org eingerichtet. Alle dort eingehenden E-Mails werden vertraulich behandelt und an Mona Küppers, die Beauftragte des DSV für den Schutz vor Gewalt im Sport, weitergeleitet. Hilfe gibt es darüber hinaus beim Deutschen Kinderschutzbund (Tel. 030/214 80 90) oder auch bei der Aktion „Nummer gegen Kummer – Kinder- & Jugendtelefon“ (Tel. 116 111).

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