PorträtDer alte Mann und das Wattenmeer

Uwe Janßen

 · 24.09.2012

Porträt: Der alte Mann und das WattenmeerFoto: YACHT / H. Peterson

Els Sanders hat sein Leben nach dem Segeln ausgerichtet, nicht umgekehrt. An der Nordsee genießt der 81-Jährige Kultstatus – völlig zu Recht

Nicht einmal der Krieg konnte ihn aufhalten. Er wollte segeln, unbedingt. Und ein französischer Kriegsgefangener namens Albert baute ihm tatsächlich sein erstes Boot. So begann 1942 Els Sanders Segelkarriere.

  Sanders und ein Segelfreund machen die Nordsee unsicherFoto: YACHT / H. Peterson
Sanders und ein Segelfreund machen die Nordsee unsicher

Nach Kriegsende holte er sich aus dem Schlick ein von Maschinengewehrsalven zerfetztes Wrack. Und besaß nun mit der „Nordwind“ einen Untersatz, mit dem er bis 1989 die deutsche Nordseeküste unsicher machte. Er kennt jede Sandbank zwischen Holland und Hamburg, und einer wie er braucht dazu keine Seekarte. Seine jüngste stammt von 1981. Sie wurde nie korrigiert.

  Nachkriegsrelikte: Wasserkessel und Teekanne stammen noch von der „Nordwind“Foto: YACHT / H. Peterson
Nachkriegsrelikte: Wasserkessel und Teekanne stammen noch von der „Nordwind“

Sanders war zeitlebens ein Segelverrückter. Als der Arbeitsmarkt noch als solcher bezeichnet werden durfte, kündigte er jedes Frühjahr seinen Job, um die ganze Saison ungestört auf seinem Schiff sein zu können. Und als er nach Stationen in Hamburg, Stade und Amsterdam auf Langeoog sesshaft wurde, da gehörte das Segeln ganz elementar zum Leben dazu. „Für uns Insulaner waren Sportboote früher zugleich Beförderungsmittel für alles Mögliche und Unmögliche.“ Sie waren sogar unentbehrlich. Vor den Wintern schipperten die Inselbewohner damit Lebensmittel und Tiere übers Watt. Und Sanders mittenmang.

So einer weiß vom Segeln, was es davon zu wissen gibt. So einer hat Segeln im Blut.

  Vom Seewasser ist der Führerschein verblichen. Sanders mag sich auf dem FotoFoto: YACHT / H. Peterson
Vom Seewasser ist der Führerschein verblichen. Sanders mag sich auf dem Foto

Und er hat eine ausgeprägte Ader für die Show. Nicht nur, dass er für jeden Klamauk zu haben ist, er überzeugte auch durch öffentliche Auftritte im Fernsehen und im Theater und verfasste plattdeutsche Bücher. Falls das überhaupt noch möglich war, beförderte schließlich ein knapper Fernsehfilm seine Popularität, in der Els Sanders erklärte, weshalb sein Tannenbaum der älteste Deutschlands sei. Zu dem Zeitpunkt hegte Sanders die Fragmente des Nadelgewächses schon seit vier Jahren. Dieses filmische Dokument zum Niederknien führt der NDR immer noch in seiner Mediathek, klicken Sie diesen Direktlink! Es lohnt sich.

Und was der Tausendsassa seglersich so alles erlebte, das lesen Sie in der neuen YACHT.

  Sanders hat seinen berüchtigten „Todestee“ gebrautFoto: YACHT / H. Peterson
Sanders hat seinen berüchtigten „Todestee“ gebraut

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