Nicht einmal seine Mutter weiß, wo sich ”Michi“, der keinen anderen Namen für sich zulässt, gerade aufhält. Der Job als Bootsbauer verschlägt ihn quer durch Europa – und alles, was er besitzt, führt er dabei am Mann, in den Taschen seiner Zunftkleidung oder in seinem Bündel. So tingelt der 29-Jährige von Werft zu Werft, und er bleibt dort, wo etwas zu tun ist.
Selbstredend besitzt einer wie "Michi“ weder Handy noch Computer, und so dauerte es drei Monate, ihn überhaupt mithilfe eines Kontaktmanns zu erreichen, und acht weitere, bis es schließlich zum Treffen kam. Dann hat die YACHT ihn ein kleines Stück seines Weges begleitet.
Die Begegnung gerät zum Eintauchen in eine ganz besondere Welt, die wenig mit dem gemein hat, was sich ansonsten so Tag für Tag nicht nur in der maritimen Berufswelt abspielt. Michis Lebensform kommt ohne Hektik und Besitz aus, er reist umsonst, wie das Tradition ist auf der Walz, er nächtigt irgendwo – und fängt dann bei nächster Gelegenheit wieder einen Job an. Und wenn der erledigt ist, dann zieht er halt weiter. Ein wandernder Anachronismus.
Im Gespräch mit der YACHT schildert "Michi" sein außergewöhnliches Dasein, sein ständiges Tingeln, das ihn vom heißen Süden des Kontinents, wo er Decks vergoss, in den Norden führte, nach Kjerringoy in Norwegen, wo er den Bau von Nordlandbooten lernte. Kaum ein europäisches Land, in das es ihn über die Jahre nicht verschlagen hätte. Das Buch, in dem er seine Reisen dokumentiert, ist voll von Stempeln, die Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bestätigen, von Notizen und Widmungen. Es erzählt sein Leben.
In der neuen YACHT erfahren Sie, was so ein Mensch erlebt, wie er tickt, was ihn treibt – und warum ein Schlitzohr „Schlitzohr“ heißt.