Olympiastars sammeln Spenden für ukrainische Optisegler"Unglücklicherweise können sie nicht nach Hause"

Tatjana Pokorny

 · 12.03.2022

Olympiastars sammeln Spenden für ukrainische Optisegler: "Unglücklicherweise können sie nicht nach Hause"Foto: Opti Team/Pavlo Dontsov

Ihre Geschichte bewegt: Eine ukrainische Opti-Gruppe trainierte in Spanien, als ihre Heimat angegriffen wurde. Gintarė und Robert Scheidt engagieren sich

Pavlo Dontsov trainierte mit einer Gruppe junger ukrainischer Optisegler in Spanien, als die Heimat der Kinder und Jugendlichen angegriffen wurde und Krieg ausbrach. In dieser kaum vorstellbaren Situation hielt der Coach die kleine Gruppe beisammen. Eine Welle der Hilfsbereitschaft hat den Nachwuchs inzwischen nach Italien an den Gardasee getragen. Dort engagieren sich nun der fünfmalige olympische Medaillengewinner Robert Scheidt aus Brasilien, seine litauische Ehefrau Gintare Volungeviciute Scheidt, der Gardasee-Verein Circolo Vela Torbole und viele weitere Mitstreiter für das junge Team, dem der Weg nach Hause zu Familien und Freunden versperrt ist und dem die finanziellen Reserven längst ausgegangen sind.

  Inzwischen in Italien angekommen: die jungen Segler der ukrainischen Trainingsgruppe von Pavlo DontsovFoto: Opti-Team Pablo Dontsov
Inzwischen in Italien angekommen: die jungen Segler der ukrainischen Trainingsgruppe von Pavlo Dontsov

Gintare Volungeviciute Scheidt, 2008 olympische Silbermedaillengewinnerin im Laser Radial, hat eine Spendensammlung ins Leben gerufen. Erster Spender war ihr Mann Robert Scheidt, der selbst als Neunjähriger im Opti in eine Weltkarriere durchstartete, in deren Verlauf er zum besten Lasersegler der Welt aufstieg, zweimal Olympiasieger wurde und insgesamt fünf olympische Medaillen gewann. Die Scheidts leben am Gardasee, haben selbst zwei Söhne im Opti-Alter und engagieren sich gemeinsam mit Seglern und Freunden in Italien und im Ausland für die entwurzelte ukrainische Segelgruppe.

  Der erst 14-jährige ukrainische Optsegler Oskar Madonich kann aktuell nicht in seine Heimat zu Familie und Freunden zurückkehrenFoto: Opti-Team Pavlo Dontsov
Der erst 14-jährige ukrainische Optsegler Oskar Madonich kann aktuell nicht in seine Heimat zu Familie und Freunden zurückkehren

Gintare Volungeviciute Scheidt schreibt in ihrem Spendenaufruf (bitte anklicken!) unter anderem: „Der Circolo Vela Torbole hilft ihnen mit der Beherbergung und der Club-Gastwirtschaft während der Regatta (Red.: Centenary Regatta). Unglücklicherweise können sie danach nicht nach Hause, und ihre finanziellen Reserven sind erschöpft. Zurzeit gibt es hier niemanden aus der Ukraine, der ihnen helfen könnte. Ich richte meine freundliche Bitte an Segler, Freunde und Menschen, die den Sport mögen und wissen, wie wichtig es für die Kinder ist, dass ihre Träume und Ziele lebendig bleiben: Lasst uns ihnen heute helfen. Eine kleine Hilfe von Euch kann ihre Zukunft zum Besseren wenden. Mein Ziel ist es, diesen Kindern zu helfen, sodass sie für den Rest der Saison segeln können. Sämtliche Unterstützung wird für Verpflegung, Sprit und Unterkünfte des Teams in den kommenden Monaten eingesetzt. Das Team hat aktuell acht Segler. Weitere Kinder versuchen, die ukrainische Grenze zu überqueren und werden zur Gruppe um Coach Pavlo Dontov stoßen, weil sie nirgendwo anders hinkönnen. Pavlo möchte möglichst mehr Kindern helfen und sie vom Desaster in ihrer Heimat ablenken. Momentan haben sie einen Bus mit einem Trailer und ihre Boote. Die meisten Kinder sind aus der Region um Odessa, einige auch aus Kiew. Alle Spenden gehen an den Coach Pavlo Dontsov, der sich rund um die Uhr um die Kinder kümmert. NO WAR! Danke!“

Unter den acht Teammitgliedern der ukrainischen Opti-Gruppe sind sieben ukrainische Kinder im Alter zwischen neun und 15 Jahren sowie der 18-jährige Ilca-7-Segler Oskar Madonich. Dabei ist auch der 14-jährige Sviatoslav Madonich, der bei der Palamos Optimist Trophy im Februar unter 532 Teilnehmern Fünfter wurde. Dazu gab es erst vor wenigen Wochen, als die Welt in Spanien noch in Ordnung schien, persönliche Glückwünsche von Robert Scheidt. Dessen Sohn Erik hatte ebenfalls am Opti-Gipfel teilgenommen und war auf Platz 13 gesegelt. Jetzt treffen sich auch die jungen Segler – unter ganz anderen Voraussetzungen – am Gardasee wieder. Sie werden gegeneinander und miteinander segeln, vor allem aber füreinander da sein.

  Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt und der talentierte Nachwuchs bei der Palamos Optimist Trophy im Februar in Spanien: Sohn Erik (l.) und Oskar MadonichFoto: Opti-Team/Pavlo Dontsov
Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt und der talentierte Nachwuchs bei der Palamos Optimist Trophy im Februar in Spanien: Sohn Erik (l.) und Oskar Madonich

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