18. September 1977. Der Zwölfer “Courageous” siegt in der Best-of-Seven-Serie mit 4:0 im Finalrennen des 26. America’s Cup gegen die australische “Australia”. Am Rad der von Olin Stephens konstruierten Aluminiumyacht: Ted Turner aus Georgia, genannt “Captain Outrageous” (Kapitän unverschämt), der sich in den inneramerikanischen Ausscheidungsregatten gegen die etablierten Steuerleute wie Lowell North, Malin Burnham und auch Ted Hood und seinen Neubau “Independence” durchgesetzt hatte und zähneknirschend vom arrivierten New York Yacht Club als Skipper der Verteidigung akzeptiert werden musste. Der Außenseiter gegen das Establishment, das war der Stoff, der in Teilen als Grundlage für “Wind” diente, den sehenswerten Hollywoodstreifen von Francis Ford Coppola.
Der laute, zuweilen lärmende Mann, auch “The mouth of the south” genannt, macht nach dem Zieldurchgang seinem Ruf alle Ehre. Siegerzigarre, Schampus, Schnaps, große unbändige Freude. Dann die legendäre Pressekonferenz. Ein Crewmitglied versteckt Turners Aquavitflasche unter dem Tisch, der sucht sie lallend und fluchend, rutscht unter den Tisch, richtet sich auf, zieht sich eine Beule zu und macht mit der PK weiter. Seine Crew trägt Ted Turner, auch “Captain Outrageous” genannt, aus dem Saal. Später sollte er sich für seinen stunt entschuldigen. Musste er nicht.
Mit dem Coup - und dem Aussetzer - machte sich Turner selbst zur Legende. Gegenüber dem US-Magazin Sailing World blickte der begnadete Segler Turner zurück: “Ich glaube der 77er Cup war der Höhepunkt unserer Leben. Wir waren die underdogs und mussten auf dem allerhöchsten Level segeln.” Die New York Times griff verbal ein Regal höher: “Turner hat sich von einer Berühmtheit zum Superstar katapultiert”.
Nicht nur im Segeln machte der Mann Schlagzeilen. Er gründete 1980 den damals völlig neuartigen Nachrichtensender CNN, war Inhaber des Verbandes World Championship Wrestling, besaß das Baseballteam Atlanta Braves, kaufte und verkaufte das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM), war einst der größter privater Landbesitzer in den Vereinigten Staaten und war mit der Schauspielerin Jane Fonda verheiratet. Er züchtete Bisons (50.000 Tiere), betrieb eine Restaurantkette, wurde vom Time Magazine als Mann des Jahres ausgezeichnet und engagierte sich stark gesellschaftlich.
Und war eben ein begnadeter Segler, vielleicht der Beste seiner Generation. Ted Turner gewann mit seiner “Tenacious” ausgerechnet das Fastnet Race 1979, jenes Rennen in dem 15 Regattasegler starben. Sein Motto, zu lesen auf einem dem Besucher zugewandten Schild auf seinem Schreibtisch: “Führe, folge oder geh aus dem Weg.” Um ein bonmot war er nie verlegen. Im Interview mit der International Business Times, auf die Frage “Wie fühlen sie sich mit 75?”: “Es ist besser als tot zu sein”.

Stellvertretender Chefredakteur YACHT