Für GEOMAR und Team Malizia ist es der nächste Schritt einer gewachsenen Zusammenarbeit: Während auf der Regattayacht des Teams schon seit Jahren Ozeandaten gesammelt werden, übernimmt die “Malizia Explorer” jetzt eine eigene Rolle als Forschungsplattform. Nach mehreren Monaten im Südpolarmeer soll das Schiff nun erstmals wissenschaftliche Missionen in der Ostsee fahren. Vorgestellt wurde das Projekt in Kiel gemeinsam von GEOMAR-Direktorin Katja Matthes, Wissenschaftlerinnen des Instituts und Skipper Boris Herrmann.
GEOMAR plant die Expeditionen vom 9. bis 24. Juli 2026. Auf dem ersten und dritten Fahrtabschnitt wollen die Forscher Seegraswiesen in der Kieler Bucht, der Mecklenburger Bucht und vor der Küste Süddänemarks untersuchen. Dabei geht es um Zustand und Ausdehnung der Unterwasserpflanzen sowie um Sedimentkerne, mit deren Hilfe sich das Potenzial dieser Lebensräume als natürlicher Kohlenstoffspeicher bestimmen lässt.
Der zweite Fahrtabschnitt konzentriert sich auf Mikroalgen beziehungsweise Phytoplankton. Diese Organismen bilden die Grundlage mariner Nahrungsnetze und spielen eine wichtige Rolle im Kohlenstoffkreislauf. Nach Angaben von GEOMAR soll untersucht werden, wie sich Artenzusammensetzung und Aktivität der Mikroalgen als Indikatoren für den Zustand der Ostsee nutzen lassen und welchen Beitrag sie zur Aufnahme von Kohlendioxid leisten.
Die “Malizia Explorer” ist eine speziell für Forschung umgebaute Segelyacht. Sie hat Platz für eine dreiköpfige Segelcrew und bis zu acht Wissenschaftler. An Bord gibt es Labor- und Lagermöglichkeiten für Proben, ein Beiboot für Einsätze in Küstennähe sowie einen Kran, mit dem wissenschaftliche Geräte ausgebracht werden können.
Die 25,99 Meter lange Garcia 85 wurde 2005 wurde aus mehr als 60 Tonnen Aluminium gebaut und ist ausgelegt auf lange Reisen in entlegene Regionen. Sie wurde 2025 vom Team Malizia übernommen und überholt.
Für die Ostsee-Missionen setzt GEOMAR auf mehrere Messverfahren. Spezielle Kamerasysteme und automatische Analysegeräte sollen Mikroalgen direkt im Wasser erfassen. Hinzu kommen Wasserproben, Messungen organischer Kohlenstoffverbindungen und die Sammlung von Umwelt-DNA (eDNA), um Rückschlüsse auf die biologische Vielfalt zu ziehen. Die Daten fließen nach Institutsangaben in die Projekte RECOVER und KIMMCO ein; bei KIMMCO geht es um KI-gestütztes Monitoring mariner Mikroalgen als CO2-Senke.
Darüber hinaus ist die “Malizia Explorer” mit einem OceanPack-Labor zur Erfassung ozeanografischer Daten wie Salzgehalt, Temperatur und CO2-Gehalt ausgestattet. Hinzu kommen weitere wissenschaftliche Instrumente, darunter Systeme zur Wasserprobenahme.
GEOMAR und Team Malizia arbeiten nach eigenen Angaben bereits seit Jahren zusammen. Sensoren an Bord der Regattayacht des Teams sammeln während internationaler Rennen Daten über den Zustand des Ozeans. Seit der Inbetriebnahme der “Malizia Explorer” im Jahr 2025 ist GEOMAR auch wissenschaftlicher Partner des Forschungsschiffs.
Boris Herrmann beschreibt die Entstehung der Kooperation als schrittweisen Prozess: Ein GEOMAR-Forscher habe zunächst bei einem Segelrennen Daten gesammelt, daraus sei über die Jahre ein gemeinsames Verständnis für den Nutzen solcher Messungen entstanden. GEOMAR-Direktorin Katja Matthes spricht von einer Verbindung aus Forschung und einer starken Botschaft für den Schutz des Ozeans.
Die Ostsee-Fahrten sind nicht der erste Einsatz des Schiffs. Vorangegangen sind bereits wissenschaftlichen Expeditionen in der Antarktis und im Südpolarmeer. Das neue Projekt läutet ein neues Kapitel in Boris Herrmanns Klima- und Forschungsengagement ein. Demnach soll das Schiff Daten in abgelegenen und relevanten Meeresregionen sammeln, wissenschaftliche Forschung unterstützen und zugleich die Öffentlichkeit für die Rolle des Ozeans im Klimasystem sensibilisieren.
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