Mini-Transat-QualifikationStarkes Mini Fastnet für Lisa Berger und Axel Solbach

Jochen Rieker

 · 18.06.2022

Mini-Transat-Qualifikation: Starkes Mini Fastnet für Lisa Berger und Axel SolbachFoto: Simon Jourdan/Winches Club

Bei ihrer 1.000-Meilen Quali im Mittelmeer segelten sie "gegeneinander", jetzt zusammen. Und wie! Platz sechs nach einem zähen Flautenrennen und fantastischem Finish

Die Österreicherin Lisa Berger und der Deutsche Axel Solbach präsentierten sich beim Mini Fastnet als Dreamteam. Seit ihren Qualifikations-Solos im Mittelmeer haben sie ihre Boote gemeinsam überführt, auch privat viel Zeit zusammen verbracht und jetzt, in einem Rennen, das wegen seines hohen Leicht- und Amwind-Anteils eigentlich gar nicht zu den Stärken von Lisas Maxi 6.50 "Mojo" passte, mit Platz sechs schwer beeindruckt.

Vor allem das Finish war eine Glanzleistung. Gestern pendelten die beiden Ministen, die 2023 das Mini-Transat segeln wollen, noch um Platz 30 – also im Mittelfeld. Mehrere Flautenlöcher galt es, südlich der Insel Ouessant zu passieren, mit drehenden Winden, wenn man bei drei bis fünf Knoten überhaupt von Wind reden kann. Nach fünf Tagen auf See, übermüdet, entkräftet, endgenervt, kann man an so einer Situation zerbrechen.

Das Duo Berger/Solbach aber bot seine ganze Erfahrung, Nervenstärke und Willenskraft auf und machte Meter um Meter auf die Spitze gut. Als wir um sieben Uhr heute Früh Axel erreichen, der gerade erst sein Mobiltelefon von der Wettfahrtleitung zurückbekommen hat (in der Mini-Klasse müssen bis aufs UKW-Seefunkgerät alle Kommunikationsmittel vor dem Start abgegeben werden), hat der Akku noch ein Prozent Ladung. Doch es reicht für ein erstes Gespräch.

  In Feierlaune, jetzt erst recht. Axel und Lisa, die sich erst vor zwei Monaten bei den ersten Regatten im Mittelmeer und bei ihren Solo-Qualis kennengelernt habenFoto: Privat
In Feierlaune, jetzt erst recht. Axel und Lisa, die sich erst vor zwei Monaten bei den ersten Regatten im Mittelmeer und bei ihren Solo-Qualis kennengelernt haben

Während im Hintergrund tausend Stimmen durcheinanderplappern, analysiert der Münchner ruhig und reflektiert die letzten Tage. "Lisa hat die Nacht über fast immer von Hand durchgesteuert", sagt er. "Der Schlussspurt war der Knaller. Lisa kann auch ohne Wind segeln. Du fährst mit fünf, sechs Knoten, und um dich rum stehen die anderen regelrecht." Die an der Westküste trainierenden Franzosen, vermutet Axel, kämen "mit wenig Wind offenbar nicht so gut klar wie wir".

Die Taktik des österreichisch-deutschen Duos lautete: "Tempo". Denn mit den begrenzten Wetterinformationen sei es nicht möglich gewesen, gezielt auf Winddreher und Übergänge zu setzen. Vor allem südlich der Scillys zahlte sich dies aus. Da machten die "Mojo"-Skipper einen Schlenker nach Westen, der sie in einer kniffligen Situation wieder in Schlagdistanz zum Feld brachte.

Während sie jetzt wohl noch einige Stunden mit den anderen Seglern Erfahrungen austauschen und feiern, geht's danach ins Hotel, unter die Dusche und ins Bett. Der Krantermin ist erst am Montag. Bis dahin bleibt mehr als genug Zeit für etwas Regeneration und reichlich Party.

Bei den Protos war es einmal mehr Laure Galley vom deutsch-japanischen Rennstall DMG Mori Global One, die ihre Wertung dominierte. Sie war meist auf Position 1, praktisch nie schlechter als Top 5 und sah bis zum Flauten-Finish wie die Siegerin aus, nachdem sie schon ihr Auftaktrennen vor wenigen Wochen überlegen gewann.

Doch am Ende rutschten ihr noch einige Konkurrenten durch. Die sympathische Französin wurde nur Sechste, behielt aber erneut die Oberhand über ihren teaminternen Konkurrenten Federico Sampei. Von ihr, das lässt sich bereits sagen, wird noch viel zu sehen und zu hören sein.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Beitrags hatten wir Berger/Solbach auf Platz 7 geführt; so zeigte es der Tracker an. Das Klassement wurde aber korrigiert.

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