Fabian Boerger
· 13.02.2026
Anfang Februar erreichte Christian Sauer das brasilianische Recife – zum zweiten Mal hat er damit den Atlantik überquert. In der Region wird derzeit Karneval gefeiert, zweieinhalb Wochen bleiben ihm, um durchzuatmen und die Feiern mitzuerleben. Am 19. Februar geht es dann wieder los: Es steht die letzte Etappe zurück nach Antigua an, dem Ausgangspunkt des Mini Globe Race.
„Die Stimmung ist echt gut", sagt Sauer im Gespräch mit der YACHT. „Ich freue mich, den Südatlantik hinter mich gebracht zu haben." Das letzte Stück führte den Deutschen von der Insel St. Helena an die brasilianische Küste. Recife markiert den zweiten und letzten Zwischenstopp auf der 6.100 Seemeilen langen Route von Kapstadt nach Antigua.
Seit gut einem Jahr segeln die elf verbliebenen Teilnehmer mit ihren 5,80 Meter langen Sperrholz-Yachten solo um die Welt, viele davon haben sie selbst gebaut. Bis Antigua bleiben 2.400 Seemeilen – und die haben es in sich: Die Doldrums erwarten die Segler, dazu Strömungen gegenan und möglicher Gegenwind.
Die „Argo" hat sich auf dem zurückliegenden Teilabschnitt bewährt. In Recife gebe es ein paar Kleinigkeiten zu reparieren, erzählt Sauer, aber längst nicht so viel wie zu Beginn der Reise. Gerade so hatte er es damals an die Startlinie geschafft, unterwegs musste er immer wieder Anpassungen vornehmen, bei jedem Zwischenstopp wurde geschraubt und justiert. Das habe glücklicherweise nachgelassen, sodass er nun mehr Zeit hat, die Aufenthalte auch zu genießen, sagt Sauer.
Gesundheitlich allerdings wird es schwieriger. Die Schultern machen ihm zunehmend zu schaffen, vor allem die rechte Seite. Ohne Schmerzmittel geht es nicht mehr. Deshalb steht in Recife der Gang ins Krankenhaus an. Er setzt auf die Ruhe an Land, hofft auf etwas Linderung.
Ruhig war es auf See nämlich nicht. Die Wellen seien sehr schwierig gewesen, sagt Sauer. „Es waren zum Teil permanent über Kreuz laufende Wellen." Dann versagte der Pinnenpilot, anschließend gab die Windsteueranlage auf – er musste per Hand steuern. „Die Bewegungen des kleinen Bootes sind so schnell und unkontrolliert. Da ist es super schwer, sich im Inneren zu bewegen, geschweige denn zu schlafen."
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Den Iren Jakub Ziemkiewicz hat er nicht einholen können, so wie es sein Plan gewesen sei. Im Gesamtfeld ist er einen Platz zurückgerutscht. Nicht so schlimm, sagt er. Ihm sei es von Anfang an darum gegangen, mit einem selbstgebauten Boot um die Welt zu segeln - nicht der Platzierung wegen. „Und damit bin ich auf einem sehr guten Weg."
Mittlerweile hat er den Längengrad gekreuzt, auf dem Lagos in Portugal liegt – sein Startpunkt Ende Dezember 2024. Alle 360 Längengrade hat er nun überschritten. Was zur offiziellen Weltumsegelung noch fehlt, ist die zweite Äquatorüberquerung, die steht auf der nächsten Etappe an.
Langsam aber kommen Gedanken auf, dass das Abenteuer sich seinem Ende nähert. Was danach kommt, weiß er noch nicht. Er will es angehen wie bisher – und auf sich zukommen lassen.
Das Mini Globe Race ist das erste seiner Art: das erste Rennen um die Welt für die weltweit kleinste Einheitsklasse.

Redakteur News & Panorama
Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.