Liebe Leserinnen und Leser,
vor zwei Wochen wurden auf der boot Düsseldorf bei der Flagship Night die Segel-Oscars für die besten Yachten 2024 vergeben. Ich war dabei, für mich war es eine Premiere. Neben den Bootsbaupreisen wurde eine weitere Person gewürdigt; Kirsten Neuschäfer, die Gewinnerin des herausfordernden Golden Globe Race 2022, nonstop einhand um die Welt, wurde eigens für die Verleihung des „Seamaster-Awards“ aus Südafrika eingeflogen. Ich war von ihr begeistert. Noch nie – wirklich noch nie – habe ich eine Person erlebt, die eine derartige Ruhe ausstrahlt.
Die Laudatio auf Kirsten Neuschäfer hielt kein Geringerer als Boris Herrmann, er hatte den Titel 2020 gewonnen und sagte unter anderem, dass Neuschäfer ihn „zutiefst inspiriert“ und mit ihrem “Mut begeistert” habe.
Nachdem Boris ihren Namen verkündet hat, schreitet Neuschäfer in aller Seelenruhe die Treppe hinunter und nimmt ihren Preis entgegen. Auch während des Interviews, das sie unserem Chefredakteur Martin Hager auf Deutsch auf der Bühne gibt, merkt man ihr keinerlei Aufregung an. Trotz der ganzen Aufmerksamkeit um ihre Person sitzt sie auch danach einfach nur da und nimmt mit aller Gelassenheit die Glückwünsche entgegen.
Ist es diese Gelassenheit, die nur erlernen kann, wer länger als 200 Tage mit sich allein ist, bestenfalls auf See? Und zwar im Wortsinn allein, denn bei diesem Retro-Marathon um die Welt sind unter anderem ein GPS-Plotter ebenso wie moderne Kommunikationsgeräte verboten.
Offenbar nicht. Denn auch Kirsten Neuschäfer musste sich mitunter zwingen, aus dem Race-Modus herauszukommen und das, was sie da gerade tat, zu genießen. Den Augenblick, die Natur, das Privileg einer solchen Weltumsegelung.
Wer das in ihren eigenen Worten hören möchte, kann sich in unseren gestern veröffentlichten Podcast mit ihr reinklicken.
Damit ist die Preisträgerin für mich ein ideales Beispiel, dass diese Gelassenheit, diese Entschleunigung nicht von allein kommt, auch nicht auf hoher See, sondern dass ich sie mir selbst erarbeiten muss. So werde ich versuchen, mich wieder mehr auf die Ursprünglichkeit des Segelns zu besinnen.
Wahrscheinlich spielt bei einem Törn, egal ob auf dem Mittelmeer oder der Ostsee, gar nicht die Ausrüstung die entscheidende Rolle, sondern das, was man daraus macht. Trotzdem werde ich den GPS-Plotter auch in Zukunft nicht von Bord schmeißen. Aber vielleicht reicht es ja auch, das Handy öfter mal auszuschalten.
Oder sich einfach mal so vom Boot ziehen zu lassen, an einer langen Schwimmleine und ohne SUP oder Ähnliches. Genauso wie Neuschäfer brauche ich es aber auch nicht. Sie ließ sich mitten auf See nur an der Badeleiter und ohne jegliche Sicherungsleine von ihrem Boot ziehen, obwohl niemand auch nur annähernd in Rufweite gewesen wäre.
Ich habe mir fest vorgenommen, den Ansatz von „weniger ist mehr“ auf meinem Boot in Zukunft etwas mehr zu berücksichtigen. Es ist also gewiss nicht nur Boris Herrmann, den Kirsten Neuschäfer inspiriert hat.
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