InterviewSegelvereine an Oberhavel trainieren Nachwuchs gemeinsam

Nils Theurer

 · 17.08.2026

Gemeinsame Talentförderung:
Der Verein Segel-­Gemeinschaft Masterminds Oberhavel bietet Trainings und Regat­tabegleitung für verschiedene Jugendbootsklassen an.
Foto: Oliver Melzer
​Am Berliner Revier Oberhavel organisieren mehrere Segelvereine ihr Nachwuchstraining gemeinsam. Im Interview erklärt Vereinsvorsitzender Oliver Melzer, warum der Verein Masterminds gegründet wurde, wie die Jugendlichen in ihren Heimatclubs bleiben und weshalb das Modell auch für andere Reviere Vorbild sein könnte.

​Weshalb haben Sie einen Verein für Vereine gegründet?

​Weil wir so die Mädchen und Jungen aus den verschiedenen Segelclubs an der Oberhavel am besten trainieren und fördern können.

Es gab doch bereits eine Revier-Trainingsgemeinschaft aller 26 Segelvereine am Tegeler See.

Das stimmt. Aus dieser Gemeinschaft entstand ja die Idee zum neuen Verein. Der kann jetzt nämlich auch Förderungen beantragen, Trainer einstellen oder Sponsoren finden.

Was ist der Grund für das gemeinsame Training?

Wenige Vereine haben ausreichend Trainer, um Anfänger, Fortgeschrittene und Regattasegler zu betreuen. Und ein Training mit nur zwei oder drei Booten ist langweilig und nicht effizient.

Irgendjemand muss auch bei den Masterminds die Trainer bezahlen, oder?

Ja, stimmt. Bisher gelingt uns das nur durch Spenden. Wir hoffen auf Vereinsunterstützung und Förderung. Langfristig sind Sponsoren herzlich willkommen.

Die Vereinsvorsitzenden haben aber Vorbehalte, wenn ihre wenigen Kinder dann noch zu anderen Vereinen zum Training abzwitschern.

Absolut. Kleine Vereine verlieren häufig ihre jungen Mitglieder an größere. Entsprechend unserer Satzung bleiben alle Masterminds weiterhin Mitglied in ihren Heimatvereinen. Da steht auch drin: Kooperation statt Konkurrenz.

Was gibt es neben klassischem Wassertraining?

Im Winter Kraft, Ausdauer und Theorie. Und wir besuchen die Heimatvereine zu Boots­taufen, Weihnachtsfeiern oder Sommerfesten.

Ganz konkret: Wie groß ist Masterminds?

Dabei sind jetzt 14 Fortgeschrittene im Opti, 6 Regattaeinsteiger, 9 Umsteiger auf ILCA und Pirat, und wir bekommen bald noch weiteren Zuwachs aus den Vereinen.

Hieß so etwas früher nicht Kader?

Das kenne ich noch gut aus meiner Opti- und Europe-Zeit. Bringst du die Leistung, gehörst du zur Gruppe; läuft es nicht gut, dann bist du raus. Wir fördern Segelbegeisterung und erfolgreiche Regattasegler durch Geduld und Vertrauen.

„Mastermind“ bedeutet „Vordenker“. Eine Blau­pause für Wann-, Boden- oder Ammersee?

Davon bin ich überzeugt. Ich bekomme auf Regatten zunehmend interessierte Fragen. Und man darf uns gerne kopieren.

Opti-Eltern gelten als etwas übereifrig bis nervig. Haben Sie da auch schon erste Erfahrungen?

Lustige Frage. Ich bin ja selbst Opti-Papa. Die Opti-Eltern gehören mit zu unserer Gemeinschaft. Wir freuen uns über die Unterstützung. Und meist infizieren sie sich dabei selbst mit dem Segelvirus. Das ist gefährlich ansteckend.

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Nils Theurer

Nils Theurer

Freier Mitarbeiter, Südkorrespondent

Der freie Reporter und Fotograf segelte jahrelang Dreiecksregatten mit Laser, Vaurien, Starboot und 470er, hauptsächlich auf Binnengewässern und dem Bodensee. Später befuhr er diese Reviere mit seiner Familie auf einem 15er-Jollenkreuzer. Als Süd-Korrespondent berichtet Theurer vor allem über kleine Boote und entdeckt dabei immer wieder außergewöhnliche Fahrzeuge genialer oder schrulliger Eigner und Erfinder. Seine Artikel speisen sich aus jahrzehntelanger praktischer Segelerfahrung auf süddeutschen Revieren.

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