Paul Cayard, einer der erfolgreichsten und angesehensten Segler seiner Generation, erhält den Magnus Olsson Preis 2026. Die Auszeichnung würdigt Persönlichkeiten, die den Segelsport auf höchstem Niveau geprägt und ihm über sportliche Erfolge hinaus etwas Bleibendes gegeben haben. Bei Cayard fällt diese Bilanz außergewöhnlich breit aus: Olympische Kampagnen, Weltmeistertitel, America’s Cup, Whitbread und Volvo Ocean Race, dazu Führungsrollen in Teams, Klassen und Verbänden.
Der Amerikaner steht wie kaum ein anderer für eine Karriere, die sich nicht auf eine Bootsklasse, eine Ära oder ein Revier reduzieren lässt. Über mehr als vier Jahrzehnte segelte Cayard auf höchstem Niveau. Er war zweimal Olympiateilnehmer, 1984 und 2004, wurde achtmal Weltmeister und gewann Titel in einigen der anspruchsvollsten Bereichen des Sports.
Besonders bemerkenswert ist Cayards Bilanz in der Starboot-Klasse. Dort holte er zwei Weltmeistertitel, zwischen denen 37 Jahre lagen. Eine solche Spanne ist im Spitzensport ungewöhnlich und zeigt, weshalb Cayard nicht nur als erfolgreicher Regattasegler, sondern als Ausnahmeerscheinung des internationalen Segelns gilt. Für diesen späten Triumph wurde er 2025 auch als Rolex Yachtsman of the Year vom Welt-Seglerverband ausgezeichnet.
Cayards jüngster Starboot-Erfolg hatte auch aus deutscher Sicht Gewicht: 2025 gewann er gemeinsam mit Frithjof Kleen die Starboot-Weltmeisterschaft in Split. Die YACHT berichtete damals über den Titelgewinn des Duos und Cayards lange Suche nach dem erneuten WM-Gold in der traditionsreichen Klasse.
Eine besondere Bedeutung bekommt die Auszeichnung wegen Cayards Verbindung zu Magnus "Mange" Olsson. Beide kannten sich aus der Welt der großen Hochseerennen. 1997/98 gewann Cayard als Skipper der "EF Language" das Whitbread Round the World Race. Er wurde damit der erste amerikanische Skipper, der das Rennen um die Welt gewinnen konnte. An Bord war damals auch Magnus Olsson.
Für Olsson zählte dieser Triumph später zu den größten sportlichen Erfolgen seiner Laufbahn. Der Schwede nahm sechsmal am Whitbread beziehungsweise Volvo Ocean Race teil. Seine letzte Teilnahme war 2008/09 als Skipper von "Ericsson 3"; später engagierte er sich als Coach und Mentor des Frauenteams SCA.
Cayard erinnerte nun sehr persönlich an seinen früheren Weggefährten. Er habe Magnus in den Whitbread- und Volvo-Jahren der 1990er- und 2000er-Jahre kennengelernt, mit ihm und gegen ihn gesegelt. Olsson sei für ihn wie eine große Flasche "Positive Attitude" gewesen, mit der man alles zum Leuchten bringen konnte. Seine Persönlichkeit und sein Enthusiasmus seien magnetisch gewesen, sagte Cayard. Ob an Bord, in Meetings, bei Staatsoberhäuptern oder mit Kindern im Optimisten: Magnus sei der Mittelpunkt gewesen.
Cayards Karriere reicht weit über den Whitbread-Sieg hinaus. In der Ausgabe 2005/06 des Volvo Ocean Race belegte er Rang zwei. Dazu kommen zahlreiche Erfolge in der Maxi-Klasse, bei Superyachten und in Offshore-Klassikern.
Auch im America’s Cup hinterließ Cayard deutliche Spuren. Besonders bekannt wurde seine Rolle als Skipper des italienischen Herausforderers "Il Moro di Venezia", mit dem er 1992 den Louis Vuitton Cup gewann. Damit führte er das Team in das America’s-Cup-Match und prägte eine der markantesten Kampagnen jener Ära.
Der Magnus Olsson Preis würdigt nicht allein sportliche Ergebnisse. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die den Geist, die Energie und die Begeisterung verkörpern, für die Magnus Olsson stand. Bei Cayard geht es daher auch um seinen Beitrag abseits des Cockpits.
Er übernahm Führungsrollen in Teams, Veranstaltungen und internationalen Klassenvereinigungen. Zudem leitete er das U.S. Olympic Sailing Team. Damit war Cayard nicht nur Athlet, sondern auch Mentor, Organisator und Entwickler des Sports. Seine Karriere auf und neben dem Wasser passt damit zu den Werten, die der Preis hervorheben will: Exzellenz, Führungsstärke und Sportsmanship.
Der Magnus Olsson Preis gehört zu den persönlichsten Auszeichnungen im internationalen Segelsport. Die offizielle Preisträgerliste beginnt 2014 mit Torben Grael. Seitdem finden sich dort Olympiasieger, Ocean-Race-Gewinner, America’s-Cup-Prägungen, Navigatoren und Offshore-Größen. Cayard ist der Preisträger des Jahres 2026.
Der Preis trägt den Namen von Magnus "Mange" Olsson, einem der prägenden schwedischen Hochseesegler. Olsson wurde 1949 geboren, lernte als Kind auf dem Mälaren segeln und entwickelte sich vom Jollen- und 505er-Segler zu einer zentralen Figur des internationalen Offshore-Sports. Pelle Petterson holte ihn Mitte der 1970er-Jahre in die America’s-Cup-Kampagne "Sverige". Damit begann Olssons Weg in den Profisegelsport.
Olsson starb am 20. April 2013 auf Lanzarote. Noch im Mai 2013 wurde der Gedenkfonds gegründet. Er soll junge schwedische Seglerinnen und Segler sowie Segelaktivitäten unterstützen, unter anderem durch Stipendien für Personen und Organisationen.
Die Stiftung beschreibt ihren Zweck als Förderung junger schwedischer Segler, die wie Magnus Olsson optimistisch an Erfolgen im Segelsport arbeiten. Mehr als 20 Nachwuchsseglerinnen und -segler haben nach Angaben der Stiftung bereits Stipendien erhalten.
Die Preisverleihung für Paul Cayard findet am 9. Juni 2026 um 17.30 Uhr im Nya Djurgårdsvarvet in Stockholm statt. Dort wird Cayard in eine Reihe von Preisträgern aufgenommen, die den internationalen Segelsport über Jahre und teils Jahrzehnte geprägt haben.

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