Kunst statt KurshaltenErwin Wurm verbiegt Boote

Nils Theurer

 · 12.02.2026

Kunst statt Kurshalten: Erwin Wurm verbiegt BooteFoto: Pierre Tanguy / Thaddaeus Ropac.
Kann nur im Kreis segeln: Das "Star" ist noch bis zum 11. April 2026 in Erwin Wurms Pariser Galerie "Thaddaeus Ropac" zu sehen.
​Erwin Wurm, 71, Künstler aus Limberg in Niederösterreich, ist bekannt für seine humorvolle, ironische Hinterfragung des Skulpturenbegriffs. Er überzieht echte Autos mit Kunststoff und Polyester, wodurch sie Proportionen, Funktionalität und Härte verlieren und zu aufgeblähten, surrealen Objekt werden, die wie groteske, aber liebenswerte Monster erscheinen. Auch vor Häusern macht er mit seiner ungewöhnlichen Kunsttechnik nicht Halt. Die aufgeblasenen wirkenden Objekte sollen Konsum und Gesellschaft parodieren.

​„Star" (2025) ist in der Mitte gebogen und für das „Um-die-Ecke-Segeln" konzipiert, um endlos im Kreis auf einem See zu fahren. Daneben schuf der Künstler weitere Bootsskulpturen, deren Bug sich scheinbar aufgeweicht nach unten biegt. Eine solche ist auf dem Dach des Hotel Daniel in Wien montiert, zwei weitere stehen dauerhaft in Frankreich. Im Interview erzählt er, warum er Boote verbiegt.

​Sagen Sie mal, Herr Wurm, warum haben Sie ein Starboot gebogen?

Das hat sich ergeben. Ich hatte eine Ausstellung in der Nähe von Bad Ischl. Das liegt am Traunsee, dort haben sie Starboote. So kam die Idee zu diesem Kunstwerk.

Zunächst war ja ein Holzboot geplant.

Ja, aber Holz so zu biegen, ist unmöglich. Und mir gefällt es so auch besser.

Was ist schwieriger zu biegen: Lkw oder Boote?

Boote! Bei Lkw kann man mit Metall arbeiten, das kann man schweißen. Bei Booten muss man mit Polyester oder Epoxy arbeiten, das ist viel komplizierter und unangenehmer, weil es staubt und riecht und man Atemschutz braucht.

Bei Ihren vorigen drei Boots-Kunstwerken trieft der Bug jeweils Richtung Grund. Und nun seitwärts?

Auch meine Autos sind ja von unten nach oben gebogen oder eben umgekehrt. Da geht es primär um das Prinzip des Zwei- und Dreidimensionalen. Beim Werk "Star" geht es um das Hamsterrad unseres Lebens, das ewige Im-Kreis-Laufen und Im-Kreis-Denken. Wir lernen aus der Geschichte wenig bis gar nichts. Das Prinzip des Im-Kreis-Fahrens hat mich interessiert.

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Wie transportieren Sie das Boot überhaupt?

Auch bei unseren Fat Cars und Fat Houses müssen wir auf die Größe achten, damit wir Transporte mit Blaulicht vermeiden. Das Starboot haben wir gekippt und in eine gebogene Kiste gepackt. Es braucht aber einen Tieflader, sonst wäre es zu hoch.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Hätten Sie im Nachhinein für den Transport lieber etwas weniger?

Nein, darum kümmere ich mich nicht, das erledigen meine Studis, die setzen sich mit diesen Herausforderungen auseinander.

Ist der eingekürzte Mast dann doch ein Zugeständnis?

Ja, wegen der Raumhöhe in Galerien. Ich würde damit im Sommer gerne ein Video auf einem See machen, dann wieder mit einem Kiel mit Blei. Und es im Kreis fahren lassen.

Wie eben beim Regattasegeln?

Jaja, (lacht), das Fußballspielen ja auch, zweiundzwanzig Leute rennen einem Ball nach. Das ist halt der Spieltrieb. Und mein Boot bedient ja auch den Spieltrieb. Es ist absurd und thematisiert verschiedene Elemente, aus der Psychologie und der Philosophie.

Den vorhigen Bootsnamen "Goggolori", etwa ein gutmütiger Hanswurst, den wollten sie nicht behalten?

Ich wollte es einfach Star nennen, "Goggolori" hätte woanders hingeführt, das konnte ich nicht gebrauchen.

Humor ist eine Waffe sagten Sie mal. Gab's Austausch mit der Segelszene?

Nein, den hatte ich nicht. Aber wir haben ein Haus in Griechenland und da haben wir viel mit Bootsleuten und Speedbooten zu tun.

Würden Sie's denn auf einer Bootsmesse ausstellen?

Ich stelle ausschließlich im Kunstkontext aus. Eine Ausnahme ist Kunst im öffentlichen Raum. Grundsätzlich möglich, wenn das richtige Prozedere stattfindetund eine Betreuung gewährleistet ist, warum nicht.

Bei Ihren sonstigen Kunstwerken fragen viele Firmen, ob sie sie als Hintergrund für Werbung verwenden dürfen. Beim Boot auch?

Ich möchte es nicht für Werbung zur Verfügung stellen, ich möchte mich von Werbung distanzieren. Ich arbeite mit Produkten unseres alltäglichen Lebens. Aber bei Werbung geht es um etwas anderes, ich möchte, dass es im Kunstkontext bleibt.

Das Boot für das Dach des Hotels Daniel in Wien, da fehlt doch der Kiel?

Stabilität muss man schon mit einberechnen, da mussten wir den Kiel weglassen, dafür war auch kein Platz. Trotzdem wird ein Bild suggeriert, Wien war ja früher im Urmeer, das war alles Wasser.

Kommunizieren Sie die Kosten?

Nein. Aber es war nicht billig.

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