YACHT
· 22.05.2026
Vor einem Jahrhundert startete die Segelgemeinschaft am Greifswalder Bodden mit dem Ziel, den Segelsport allen Menschen zugänglich zu machen. Heute gehören zum Verein engagierte Fahrtensegelende, motivierte Regattafans und eine gut organisierte Kinder- und Jugendabteilung – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Der DSV gratuliert zu diesem besonderen Jubiläum und wünscht für die Zukunft alles Gute.
Studierende segelten schon seit Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Fluss Ryck und dem Greifswalder Bodden – auf alten, kleinen Fischerbooten oder dem sogenannten Lustkutter des Unternehmers Paul Degner. Eines seiner Fangschiffe war yachtmäßig ausgebaut worden; während der Heringssaison im Frühjahr und Herbst diente es als Fangschiff, im Sommer als Segelboot.
Doch der Wassersport unter Segeln sollte allen Greifswalder Bürgerinnen und Bürgern zugänglich sein. Dieser Meinung waren zumindest vier segelbegeisterte Herren – sie gründeten am 28. April 1926 den „Greifswalder Jacht Klub“ mit dem Ziel, insbesondere Kinder und Jugendliche für den Segelsport zu begeistern und auszubilden. Die Mitgliederzahlen entwickelten sich gut, schon früh gab es vereinseigene Boote wie die Küstenjolle „VINETA U 26“ und drei 12-Fuß-Dinghis. Der Segelbetrieb am Bodden florierte.
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde der erste Vorsitzende durch einen Vereinsführer ersetzt, auch „politische Schulungen waren vorgesehen, aber nur am Bierglas geführt“, schreibt Vereinschronist und langjähriges Mitglied Hans-Joachim Subklew auf der Website des GYC zur Clubgeschichte.
Nach dem Kriegsende kam das Segeln im Greifswalder Jacht Klub komplett zum Erliegen. Die Boote waren als Reparation nach Russland verfrachtet worden, einige Kielschwerter – für ein russisches Erholungsheim beschlagnahmt – verrotteten am Außenstrand von Usedom.
Für die Seglerinnen und Segler im Osten Deutschlands hatte auch das selbstbestimmte Vereinsleben ein Ende. Der GJK löste sich unfreiwillig auf, die Wassersportlerinnen und -sportler trafen sich in der Betriebsgemeinschaft „Einheit Greifswald“, Sektion Segeln, wieder. „Dort lebten die Begeisterung und das Engagement für den Segelsport ungebrochen weiter“, sagt der heutige 1. Vorsitzende Christian Subklew. Auch wenn das manchmal herausfordernd war, wie zum Beispiel bei der Beantragung der Sondergenehmigungen PM 18 und PM 19 für das Befahren der inneren Seegewässer bei Törns Rund Rügen oder Hiddensee. Zu groß war die Angst der damaligen DDR-Behörden, „die Bürgerinnen und Bürger könnten beim Verlassen der Drei-Meilen-Zone einen Fluchtversuch gen Westen starten“, erzählt Christian Subklew. Obwohl dadurch der Segelsport stark reglementiert wurde, entwickelte sich eine lebendige Szene.
Im November 1989 fiel die Mauer und damit auch die Begrenzung für die Segelgemeinschaft an der Ostsee. Die ersten Aktiven segelten bereits zur Saison 1990 kurzentschlossen nach Rönne auf Bornholm – Wind und Temperaturen spielten keine Rolle. Hauptsache los!
Schwieriger gestaltete sich der Neubeginn des Vereins. Per Gerichtsbeschluss war dem Greifswalder Jacht Club 1950 die Rechtsfähigkeit entzogen worden. „Wir mussten also alles auf neue rechtliche Grundlagen stellen, Eigentumsverhältnisse klären, Pachtverträge ausarbeiten und… und… und“, sagt Christian Subklew.
Am 6. April 1990 erfolgte zwar die Neugründung des Vereins, nun endgültig mit der Schreibweise „Greifswalder Yacht-Club“. Doch es sollte sechs weitere Jahre dauern, bis die Verträge für ein Vereinsgelände finalisiert werden konnten. Heute gibt es den GYC an zwei Standorten: Das kleinere Gelände liegt an der Mündung des Flusses Ryck im Dorf Wieck, direkt am Greifswalder Bodden. Dort steht auch das Clubhaus, das mit viel finanziellem und tatkräftigem Engagement der Mitglieder aus einer alten Bootshalle zum Vereinstreffpunkt umgebaut wurde. Zwei Seemeilen flussaufwärts verfügt der GYC am sogenannten Eisenhammer – hier befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein Stahlwerk mit einem großen Eisenhammer zur Verhüttung von Raseneisenstein – über einen größeren Standort mit 60 Liege- und zehn Gastliegeplätze.
„Bei uns finden Segelnde viele Facetten, die zu unserem Sport gehören“, erklärt Christian Subklew: Fahrtensegeln, Regattasegeln, eine eigenständige Nachwuchsabteilung und jede Menge Gemeinschaftssinn. Törns planen, Wettfahrten stemmen, Feste organisieren, das Grundstück aufräumen, Stege sanieren – „das alles geht nur, weil wir zusammenhalten.“
Und das tun sie im Greifswalder Yacht-Club. Bei Geschwaderfahrten zum Beispiel nach Peenemünde Nord sind dann schon mal 20 bis 30 Boote unterwegs. Beim Slippen oder Basteln an den Booten unterstützen sich alle, die regelmäßigen Vortragsreihen im Winter sind gut besucht. „Und unser Stander weht während der Saison in vielen Ecken Europas“, erklärt der 1. Vorsitzende.
Lebhaft geht‘s auch in der Regattaszene beim GYC und am Bodden zu. Mittwochsregatta, Boddenpokal, BoddenSolo, Boddenetappe – der Wettfahrtkalender ist voll. Organisiert sind die Regattaseglerinnen und -segler des Greifswalder Yacht-Club mit dem Akademischen Seglerverein zu Greifswald und dem Yachtclub Wieck in der Community der BoddenRacer. Frei nach dem Motto: Gemeinsam ist vieles möglich.
Das erfolgreiche Kooperationsmodell mit den beiden Nachbarvereinen findet sich auch in der Kinder- und Jugendarbeit des GYC wieder. In einer Gemeinsamen Jugendabteilung (GJA) trainieren rund 65 Kinder und Jugendliche von Montag bis Donnerstag in mehreren Gruppen in Optis, 420ern, ILCAs und 29ern zusammen; im Winter gibt’s Theorie, Schwimmen und Athletiktraining. Fester Bestandteil der Jugendarbeit ist auch die gemeinsame Teilnahme an Wettfahrten, in der Region und auf internationalen Gewässern: Jugendliche vom Greifswalder Bodden starteten zum Beispiel beim 29er EuroCup in Südfrankreich und bei der International Youth Easter Meeting Regatta am Gardasee (ILCA 4), für die Optis ging es in die Niederlande.
„Diese Kooperation macht es uns möglich, solch ein Programm für den Nachwuchs zu bieten“, erzählt Christian Subklew. Alleine könne das kaum ein Verein noch leisten.
Am Greifswalder Bodden sind sich alle einig: Die Gemeinsame Jugendabteilung sichert den Segelnachwuchs und zugleich das Fortbestehen der Vereine. Und deshalb wird es ab 2027 auch erstmals einen hauptamtlichen Trainer für die Gemeinsame Jugendabteilung geben. Das Honorar wird geteilt – ganz einfach.
„Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft“, schwärmt Christian Subklew über den Verein, „aber wir sind zugleich offen für alles Neue – neue Entwicklungen, neue Sichtweisen und vor allem auch neue Menschen. Jeder ist willkommen.“
Unschlagbar sei auch das Revier vor der Haustür – „eigentlich das schönste überhaupt in Deutschland“. Da ist die offene Ostsee mit ihrer langen Küstenlinie, da sind der geschütztere Greifswalder Bodden und der Peenestrom mit seiner unverwechselbaren Natur, da sind die vielen kleinen und charmanten Häfen zum Festmachen. Eigentlich, sagt Christian Subklew, „müssen wir gar nicht woanders hin“.
Der GYC liegt am Greifswalder Bodden in Mecklenburg-Vorpommern und hat zwei Standorte: Direkt in Wiek am Bodden gibt es auf dem Vereinsgelände ein Clubhaus mit Restauration, Bootshallen, 30 Liege- und 3 Gastliegeplätze, rund 2,5 Meilen Richtung Greifswald bietet der Verein am Eisenhammer weitere Liegeplätze (60/10). Zum Verein gehören 226 Mitglieder mit rund 80 Booten, davon sind 25 Kinder und Jugendliche. Der Greifswalder Yacht-Club, der Akademische Seglerverein zu Greifswald und der Yachtclub Wieck bilden in einer gemeinsamen und eigenständigen Jugendabteilung den Nachwuchs in verschiedenen Bootsklassen aus. Adresse: Greifswalder Yacht-Club, Yachtweg 4, 17493 Greifswald; Mail greifswalder_yachtclub@t-online.de; Website www.greifswalder-yachtclub.de;