Der Kaufmann Volker Christmann begann seine Sammlung von Segelbüchern mit Eintritt in den Ruhestand 1990 und veräußerte 25 Jahre später einen Großteil davon an das Yachting Heritage Centre in Flensburg. Nun soll der Rest unter den Hammer kommen
Weil ich jetzt ein Haus auf den Azoren habe und dort Steine sammle (lacht). Ich hab früher immer gesagt: „Wenn ich alt werde, sind mir die Bücher zu schwer, dann höre ich damit auf und sammle Briefmarken.“ Und nun widme ich mich Steinen (lacht wieder).
Ja, die sind über 200 Jahre alt und von Hand aus Fels gehauen. Total verrückt, aber es macht mir Riesenspaß. Ich habe jetzt einen Traktor mit Vorderlader und baue im Garten Grillplätze, Bänke und Tische.
Na ja, noch ist ja nichts verkauft.
Ja, aber das stand groß in der „FAZ“, und daraufhin rief gleich einer an, der mir seine Sammlung anbot, und dann ging es weiter. Nach ein paar Jahren hatte ich schon wieder das ganze Haus voll. Die größte Yachtsportliteratur-Sammlung ist es zwar nicht mehr, aber rund 3.000 Segelbücher sind es wieder, wer hat die schon zu Hause stehen? Oder die YACHT von Ausgabe eins bis heute?
Es geht jedenfalls nicht darum, sie jetzt zu möglichst viel Geld zu machen. Oder einzelne Bücher zu verkaufen. Am liebsten wäre mir, wenn jemand die Sammlung komplett übernimmt. Wer sich dafür interessiert oder dafür, größere Mengen zu erwerben, kann über die YACHT Kontakt zu mir aufnehmen. Das können auch Museen sein oder gemeinnützige Organisationen, die Spenden annehmen können.
Mein liebstes heißt „Able Yachtsman Interviews Himself on Why Lipton Failed to Lift the Cup“ – geschrieben von niemand Geringerem als Mark Twain. Auf nur 31 Seiten befragt er sich selbst darüber, warum Sir Thomas Lipton trotz seiner immensen Bemühungen nie den America’s Cup gewann. Es gibt nur 109 Exemplare, die sind selten unter 1.200 Euro zu haben. Und was mir immer sehr viel Spaß gemacht hat, sind die alten Zeitschriften. Ich habe beispielsweise die kompletten Ausgaben vom amerikanischen Yachtmagazin „The Rudder“. Aber meine Sammlung umfasst nicht nur Bücher ...
Nautiquitäten aller Art. Unmengen von Schlepploggen, Sextanten, Bildern bis hin zu 600 Yachtclub-Knöpfen. Aber vor allem die Bücher haben mir viele Türen geöffnet, und das hat mir sehr, sehr viel Spaß in meinem Leben gemacht. Ich wäre ja sonst etwa nie in den New York Yacht Club gekommen, wenn ich die Sammlung nicht gehabt hätte. Als Volker Christmann hätten die mich nicht eingeladen.
Es fällt mir nicht schwer, mich davon zu trennen. Schon aus Altersgründen wäre es schön, wenn das in gute Hände kommt. Das macht mir mehr Spaß, als wenn ich mich bis zuletzt daran festkralle und dann geht es in die Mülltonne. Man muss auch loslassen können – ich bin jetzt 77, wenn es der Teufel will, trifft mich im nächsten Jahr der Schlag!

Stellvertretender Chefredakteur YACHT