InterviewWie wird man über 3.000 Segelbücher los?

Lasse Johannsen

 · 25.03.2024

Interview: Wie wird man über 3.000 Segelbücher los?Foto: Christian Irrgang
Mit 10.000 Büchern zum Thema Yachtsport entstand in Wiesbaden die größte Sammlung ihrer Art. Deren Ursprung waren einst 200 vom Vater geerbte Segel-Bücher, die vervollständigt werden sollten

Der Kaufmann Volker Christmann begann seine Sammlung von Segelbüchern mit Eintritt in den Ruhestand 1990 und veräußerte 25 Jahre später einen Großteil davon an das Yachting Heritage Centre in Flensburg. Nun soll der Rest unter den Hammer kommen

Herr Christmann, warum die Haushaltsauflösung?

Weil ich jetzt ein Haus auf den Azoren habe und dort Steine sammle (lacht). Ich hab früher immer gesagt: „Wenn ich alt werde, sind mir die Bücher zu schwer, dann höre ich damit auf und sammle Briefmarken.“ Und nun widme ich mich Steinen (lacht wieder).

Steinen ...

Ja, die sind über 200 Jahre alt und von Hand aus Fels gehauen. Total verrückt, aber es macht mir Riesenspaß. Ich habe jetzt einen Traktor mit Vorderlader und baue im Garten Grillplätze, Bänke und Tische.

Und da sitzen Sie jetzt ohne etwas zum Lesen?

Na ja, noch ist ja nichts verkauft.

Aber Sie haben Ihre Sammlung doch schon einmal verkauft, an Oliver Berking in Flensburg.

Ja, aber das stand groß in der „FAZ“, und daraufhin rief gleich einer an, der mir seine Sammlung anbot, und dann ging es weiter. Nach ein paar Jahren hatte ich schon wieder das ganze Haus voll. Die größte Yachtsportliteratur-Sammlung ist es zwar nicht mehr, aber rund 3.000 Segelbücher sind es wieder, wer hat die schon zu Hause stehen? Oder die YACHT von Ausgabe eins bis heute?

Wo soll die Sammlung Ihrem Wunsch nach hin?

Es geht jedenfalls nicht darum, sie jetzt zu möglichst viel Geld zu machen. Oder einzelne Bücher zu verkaufen. Am liebsten wäre mir, wenn jemand die Sammlung komplett übernimmt. Wer sich dafür interessiert oder dafür, größere Mengen zu erwerben, kann über die YACHT Kontakt zu mir aufnehmen. Das können auch Museen sein oder gemeinnützige Organisationen, die Spenden annehmen können.

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Was sind Ihre ganz persönlichen Lieblinge unter den Büchern?

Mein liebstes heißt „Able Yachtsman Interviews Himself on Why Lipton Failed to Lift the Cup“ – geschrieben von niemand Geringerem als Mark Twain. Auf nur 31 Seiten befragt er sich selbst darüber, warum Sir Thomas Lipton trotz seiner immensen Bemühungen nie den America’s Cup gewann. Es gibt nur 109 Exemplare, die sind selten unter 1.200 Euro zu haben. Und was mir immer sehr viel Spaß gemacht hat, sind die alten Zeitschriften. Ich habe beispielsweise die kompletten Ausgaben vom amerikanischen Yachtmagazin „The Rudder“. Aber meine Sammlung umfasst nicht nur Bücher ...

Was denn noch?

Nautiquitäten aller Art. Unmengen von Schlepploggen, Sextanten, Bildern bis hin zu 600 Yachtclub-Knöpfen. Aber vor allem die Bücher haben mir viele Türen geöffnet, und das hat mir sehr, sehr viel Spaß in meinem Leben gemacht. Ich wäre ja sonst etwa nie in den New York Yacht Club gekommen, wenn ich die Sammlung nicht gehabt hätte. Als Volker Christmann hätten die mich nicht eingeladen.

Der Verkauf eines solchen Lebenswerks wäre manchem Sammler emotional gar nicht möglich ...

Es fällt mir nicht schwer, mich davon zu trennen. Schon aus Altersgründen wäre es schön, wenn das in gute Hände kommt. Das macht mir mehr Spaß, als wenn ich mich bis zuletzt daran festkralle und dann geht es in die Mülltonne. Man muss auch loslassen können – ich bin jetzt 77, wenn es der Teufel will, trifft mich im nächsten Jahr der Schlag!

Der Nautiquitäten-Sammler Volker Christmann zu Hause in seinem MuseumFoto: YACHT/Christian IrrgangDer Nautiquitäten-Sammler Volker Christmann zu Hause in seinem Museum

Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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