InterviewWeltumsegelung mit gesunkener Yacht

Nils Leiterholt

 · 25.04.2024

Interview: Weltumsegelung mit gesunkener YachtFoto: dpa/picture alliance
Auf Tiefe gegangen: Im Januar sank im Oldenburger Stadthafen eine 35-Fuß-Stahlyacht. Nach der Bergung wollten die Eigner mit dem Schiff abschließen und sich davon trennen. Für einen symbolischen Euro gaben sie es ab
Der 35-Jährige Nico Lohner aus Buchholz in der Nordheide ist gelernter Kfz-Mecha­troniker. Er will die gesunkene „Raido“ wieder fit machen und dann auf Weltumsegelung gehen. Segel­erfahrung hat er allerdings keine

Herr Lohner, was wollen Sie mit einem Wrack?

Ich gucke schon seit ein paar Jahren nach einem geeigneten Schiff und hatte auch selbst eine Kleinanzeige aufgegeben, in der ich nach einem Stahlboot gesucht habe, das zu verschenken ist. Ich möchte in vier Jahren zu einer Weltumsegelung starten. Bis dahin will ich mein handwerkliches Geschick als Kfz-Mechatroniker nutzen, um das Schiff dafür tauglich zu machen. Als ich dann auf die Anzeige der ehemaligen Eignergemeinschaft der „Raido“ stieß, habe ich Kontakt aufgenommen und mir das Boot angeschaut.

Wie hat das Schiff von innen ausgesehen, als sie es das erste Mal besichtigt haben?

Es war alles verschlammt, in der Bilge stand noch viel Wasser, und der Motor lief nicht.

Und das hat Sie nicht abgeschreckt? 

Nein. Ich habe mir gedacht, dass sowieso alles rauskommt. Ich will das Schiff von Grund auf nach meinen Vorstellungen umbauen. Auch die große Pfütze im Deckssalon hat mich nicht gestört. Meine einzige Bedingung war, dass der Motor läuft. Am Tag nach der Besichtigung wurde ich dann angerufen, und mir wurde gesagt, dass die Maschine konserviert wurde und intakt ist. Daraufhin habe ich die „Raido“ für einen symbolischen Euro gekauft.

Wie ist Ihre Strategie beim Refit?

Ich suche viel auf Online-Plattformen nach gebrauchtem Material. Das mache ich zum einen, weil ich mein Projekt ziemlich Low-Budget-mäßig und auch nachhaltig angehen möchte. Zum anderen sind alte Teile qualitativ oft besser als neuere. Letzte Woche erst ist mir wieder Holz für die Verkleidung des Innenraums in die Hände gefallen: Ich war auf dem Recyclinghof, und das Holz lag da gestapelt. Es war vorher nur einmal verwendet worden. Ich werde es lackieren und verbauen.

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Wie sieht denn Ihr Zeitplan aus?

2028 möchte ich für zwei Jahre im Mittelmeerraum segeln, danach soll es fünf Jahre lang auf Weltumsegelung gehen. Unterwegs will ich schauen, wo es mir am besten gefällt und ich künftig leben möchte.

Wie viel Geld haben Sie für das Refit eingeplant?

Ich glaube, dass es für 20.000 bis 30.000 Euro möglich sein sollte, die „Raido“ seetauglich zu machen, sodass alles Hand und Fuß hat. Beim Grundaufbau bestreite ich ja alles relativ günstig – bis jetzt. Klar, die Instrumente und die Technik werden teuer, dennoch glaube ich, dass ich infolge meiner sparsamen Herangehensweise das Ganze gut werde umsetzen können. Während der Reise möchte ich außerdem aktiv einen Youtube-Kanal betreiben. Auf diese Weise bekomme ich nicht nur eine schöne Dokumentation für mich und meinen Sohn. Ich möchte darüber auch die Möglichkeit nutzen, während meiner Reise Geld zu verdienen.

Sie haben bislang keine Segelerfahrung. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Wenn das Boot fertig ist, möchte ich die ersten Schläge auf Nord- und Ostsee mit erfahrenen Seglern als Hand-gegen-Koje-Gästen bestreiten. Wenn das gut klappt, traue ich mir auch längere Schläge allein zu. Grundsätzlich habe ich aber vor, immer wieder Menschen mitzunehmen, die mich begleiten möchten.

Nico Lohner neben seiner gehobenen Yacht “Raido”Foto: Nico LohnerNico Lohner neben seiner gehobenen Yacht “Raido”

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