InterviewWarum Charly Hübner kein Segel-Double braucht.

Nils Theurer

 · 15.10.2026

Interview: Warum Charly Hübner kein Segel-Double braucht.Foto: Lars Jessen
Dreharbeiten mit Charly Hübner: Die Segelszenen im Film „Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ entstanden in Wieck am Darßer Bodden mit dem Schauspieler selbst an der Pinne.
Der Film “Spaziergang von Rostock nach Syrakus” handelt von der Flucht eines DDR-Bürgers mit einer mit einer Ixylonjolle. Im Interview berichtet Regisseur Lars Jessen von den herausfordernden Dreharbeiten auf engstem Raum.

​Yacht: Sagen Sie mal, Herr Jessen … brauchten Sie kein Double?

Lars Jessen: Nein, der Hauptdarsteller konnte segeln. Charly Hübner hatte mit dem Produktionsleiter bei Käpt’n Prüsse auf der Alster geübt. Und mit mir auf der Havel. Er ist ein Naturtalent mit sehr, sehr viel Gefühl für Wind und Material und hat im Film bei fünf Windstärken dann auch einen extrem guten Aufschießer gefahren.

Wer von der Filmcrew konnte außer Ihnen und Charly Hübner noch segeln?

Niemand, das war das Gute, weil ja auch Müller nicht segeln konnte und das nur für seinen Grenzdurchbruch gelernt hatte. Aber auch das Blöde, weil ich allen beim Segeln ja verwertbare Anweisungen geben musste.

Welche Herausforderung gab es am Jollen-Set?

Die größte war, dass der Kameramann mit auf die Jolle musste, während für mich an Bord kein Platz mehr war.

Wie hat die Zusammenarbeit dann funktioniert?

Das Bild wurde auf mein Begleitboot übertragen. Ich konnte über Funk zwar Kommandos geben, aber tatsächlich war der Schauspieler mit dem Kameramann alleine an Bord.

Dann mussten sich Hübner und Kameramann Rodja Kükenthal ja gut verstehen …

Ja, aber die beiden kennen sich auch sehr gut. Kükenthal ist talentiert und gelenkig und konnte antizipieren, wenn das Boot krängt. Und Hübner weiß, was eine Kamera sieht.

Ist das dunkle Fischer-Ölzeug im Film original?

Ja, wir haben neben der super Requisite ein tolles Kostümbild gehabt, die haben extrem akribisch gearbeitet.

Der Segler Paul Gompitz ist ja ein Kauz, der nach Flucht und Reise in die DDR zurückmöchte, aber auch ein Held. Ist’s also eine nasse „Sonnenallee“?

Vielleicht. Man kann das DDR-System ablehnen und dort ebenso Liebe, Heimat und Zugehörigkeit finden. Für mich als Wessi ging es darum, diese Ambivalenz zu verstehen. Ein solche Anerkennung hätte uns vielleicht ein wenig weitergebracht in unserem blöden Ost-West-Bashing.

Darf ein Wessi überhaupt so ein ostdeutsches Roadmovie drehen?

Ja. Sonst könnten wir auch keine historischen Mittelalterfilme machen. Ich habe mich seit Jahren detailliert mit der DDR-Alltagskultur beschäftigt und bin nun froh, dass der Film auch im Osten gut ankommt.

Sie haben mit einer DDR-Ixylonjolle gedreht. War es schwierig, so eine zu bekommen?

Die zum Üben in Hamburg schon, aber wir fanden schnell Helmar Becker, der die in Bitterfeld noch baut, ein toller Typ.

Und was passierte nun mit der Jolle?

Die ging zurück zu Helmar. Aber keiner weiß, wo die schwarzen Fluchtsegel landeten.

yacht/100245307_60995b83b29fe215a4adbab9b4bfac40Foto: Nils Theurer

Lars Jessen (57)
Die Verfilmung des Romans von Friedrich Christian Delius ist der neunte Kinofilm des aus Kiel stammenden Regisseurs. Handlung ist eine Flucht aus der DDR 1988 mit einer Ixylonjolle.

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Nils Theurer

Nils Theurer

Freier Mitarbeiter, Südkorrespondent

Der freie Reporter und Fotograf segelte jahrelang Dreiecksregatten mit Laser, Vaurien, Starboot und 470er, hauptsächlich auf Binnengewässern und dem Bodensee. Später befuhr er diese Reviere mit seiner Familie auf einem 15er-Jollenkreuzer. Als Süd-Korrespondent berichtet Theurer vor allem über kleine Boote und entdeckt dabei immer wieder außergewöhnliche Fahrzeuge genialer oder schrulliger Eigner und Erfinder. Seine Artikel speisen sich aus jahrzehntelanger praktischer Segelerfahrung auf süddeutschen Revieren.

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