Lars Jessen: Nein, der Hauptdarsteller konnte segeln. Charly Hübner hatte mit dem Produktionsleiter bei Käpt’n Prüsse auf der Alster geübt. Und mit mir auf der Havel. Er ist ein Naturtalent mit sehr, sehr viel Gefühl für Wind und Material und hat im Film bei fünf Windstärken dann auch einen extrem guten Aufschießer gefahren.
Niemand, das war das Gute, weil ja auch Müller nicht segeln konnte und das nur für seinen Grenzdurchbruch gelernt hatte. Aber auch das Blöde, weil ich allen beim Segeln ja verwertbare Anweisungen geben musste.
Die größte war, dass der Kameramann mit auf die Jolle musste, während für mich an Bord kein Platz mehr war.
Das Bild wurde auf mein Begleitboot übertragen. Ich konnte über Funk zwar Kommandos geben, aber tatsächlich war der Schauspieler mit dem Kameramann alleine an Bord.
Ja, aber die beiden kennen sich auch sehr gut. Kükenthal ist talentiert und gelenkig und konnte antizipieren, wenn das Boot krängt. Und Hübner weiß, was eine Kamera sieht.
Ja, wir haben neben der super Requisite ein tolles Kostümbild gehabt, die haben extrem akribisch gearbeitet.
Vielleicht. Man kann das DDR-System ablehnen und dort ebenso Liebe, Heimat und Zugehörigkeit finden. Für mich als Wessi ging es darum, diese Ambivalenz zu verstehen. Ein solche Anerkennung hätte uns vielleicht ein wenig weitergebracht in unserem blöden Ost-West-Bashing.
Ja. Sonst könnten wir auch keine historischen Mittelalterfilme machen. Ich habe mich seit Jahren detailliert mit der DDR-Alltagskultur beschäftigt und bin nun froh, dass der Film auch im Osten gut ankommt.
Die zum Üben in Hamburg schon, aber wir fanden schnell Helmar Becker, der die in Bitterfeld noch baut, ein toller Typ.
Die ging zurück zu Helmar. Aber keiner weiß, wo die schwarzen Fluchtsegel landeten.
Lars Jessen (57)
Die Verfilmung des Romans von Friedrich Christian Delius ist der neunte Kinofilm des aus Kiel stammenden Regisseurs. Handlung ist eine Flucht aus der DDR 1988 mit einer Ixylonjolle.

Freier Mitarbeiter, Südkorrespondent
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