InterviewWarum außer Orcas auch Schwertfische Yachten gefährlich werden können

Ursula Meer

 · 23.02.2026

Ein Schwertfisch, so die Annahme, hat ein großes Leck in den Kat geschlagen. Auf San Cristóbal durfte das Eignerpaar den Kat zwischen Seelöwen am Strand reparieren.
Foto: Andrea und Michael Stephani
Andrea und Michael Stephani sind seit drei Jahren mit ihrem Wharram-Katamaran auf der Barfußroute unterwegs – bislang ohne nennenswerte Schäden. Doch dann hat offenbar ein Schwertfisch den Katamaran gerammt und dabei ein großes Leck verursacht.

Herr Stephani, wie kam das Loch in Ihr Boot?​

Das wussten wir zunächst auch nicht! Aber die lokalen Fischer hier haben gleich gesagt, dass es ein Schwertfisch gewesen sein muss. Wir hatten nicht nur ein circa 30 Zentimeter großes, sauber ausgestanztes ovales Loch ohne Kratzer in einem der Rümpfe. An der Gegenwand war auch noch ein Abdruck, typisch für die abgeflachte Lanze eines Schwertfisches. So ein Fisch kann 100 km/h schnell werden und hat dann einen Wumms wie ein Kleinwagen bei 30 km/h!

Wie haben Sie denn das Leck entdeckt?

Wir waren unterwegs zu den Galapagosinseln, die Sonne ging gerade unter, als es im Boot gescheppert hat. Ich schaute überall nach, fand aber nichts. Bis ich die Luke zur Pantry aufmachte: Dort stand 1,50 Meter Wasser, alles schwamm. Mein erster Gedanke war: Das gibt’s doch gar nicht, wie soll ich denn in der Sauerei Kaffee kochen?! Ich habe den Deckel wieder zugemacht und gehofft, dass alles gut ist, wenn ich noch mal reinschaue. Aber das half nicht, das Wasser blieb.

Was für ein Schreck! Wie haben Sie reagiert?

Ich habe Andrea geweckt, und dann sind wir mit beiden Außenbordern zwei Stunden Vollgas in Richtung der Insel Española gefahren. Die Schotten im Rumpf hielten dicht, aber wir lagen backbords ordentlich tief im Wasser. Wir setzten über Funk ein Pan-Pan und ein Mayday ab, bekamen aber keine Antwort – niemand war nah genug bei uns. Andrea hat dann über Starlink Freunde in Panama kontaktiert, die einen Agenten auf Galapagos hatten. Fünf Minuten später waren wir vernetzt.

Wie ging es dann weiter?

Wir haben im Stockfinsteren vor der Insel den Anker geworfen. Nach einer Weile kam die Küstenwache und hat sechs Leute mit Pumpe, Material und guter Laune bei uns abgesetzt. Einer sang die ganze Zeit. Nach drei Stunden Zimmern ging’s dann sechs Stunden bis San Cristóbal. Nie haben wir so freundliche Menschen getroffen! Am nächsten Tag kamen an die 20 Leute an Bord: Navy, Polizei, Gesundheitsamt, Immigration, ein Arzt. Wir füllten Formulare aus, während unser Blutdruck gemessen wurde. ­Keine 24 Stunden später stand unsere „Gleda“ dann inmitten einer Seelöwenkolonie im Sand.

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Und wie repariert man ein Boot auf Galapagos?

Hier gibt es keine Werft und kein Material, aber wir haben immer alles dabei: Werkzeug, Epoxy und Matten. Zum Glück lagerte das alles an Steuerbord und ist trocken geblieben!

Können Sie jetzt beruhigt weitersegeln?

Vielleicht wird es anfangs etwas mulmig, aber das legt sich bestimmt nach ein paar Tagen. Immerhin ist so eine Kollision in etwa so selten wie ein Lottogewinn! Also freuen wir uns, dass wir es geschafft haben, und segeln nun weiter auf die Marquesas.

Ursula Meer

Ursula Meer

Redakteurin Panorama und Reise

Ursula Meer ist Redakteurin für Reisen, News und Panorama. Sie schreibt Segler-Porträts, Reportagen von Booten, Küsten & Meer und berichtet über Seenot und Sicherheit an Bord. Die Schönheit der Ostsee und ihrer Landschaften, erfahren auf langen Sommertörns, beschrieb sie im Bildband „Mare Balticum“. Ihr Fokus liegt jedoch auf Gezeitenrevieren, besonders der Nordsee und dem Wattenmeer, ihrem Heimatrevier.

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