Ursula Meer
· 23.02.2026
Das wussten wir zunächst auch nicht! Aber die lokalen Fischer hier haben gleich gesagt, dass es ein Schwertfisch gewesen sein muss. Wir hatten nicht nur ein circa 30 Zentimeter großes, sauber ausgestanztes ovales Loch ohne Kratzer in einem der Rümpfe. An der Gegenwand war auch noch ein Abdruck, typisch für die abgeflachte Lanze eines Schwertfisches. So ein Fisch kann 100 km/h schnell werden und hat dann einen Wumms wie ein Kleinwagen bei 30 km/h!
Wir waren unterwegs zu den Galapagosinseln, die Sonne ging gerade unter, als es im Boot gescheppert hat. Ich schaute überall nach, fand aber nichts. Bis ich die Luke zur Pantry aufmachte: Dort stand 1,50 Meter Wasser, alles schwamm. Mein erster Gedanke war: Das gibt’s doch gar nicht, wie soll ich denn in der Sauerei Kaffee kochen?! Ich habe den Deckel wieder zugemacht und gehofft, dass alles gut ist, wenn ich noch mal reinschaue. Aber das half nicht, das Wasser blieb.
Ich habe Andrea geweckt, und dann sind wir mit beiden Außenbordern zwei Stunden Vollgas in Richtung der Insel Española gefahren. Die Schotten im Rumpf hielten dicht, aber wir lagen backbords ordentlich tief im Wasser. Wir setzten über Funk ein Pan-Pan und ein Mayday ab, bekamen aber keine Antwort – niemand war nah genug bei uns. Andrea hat dann über Starlink Freunde in Panama kontaktiert, die einen Agenten auf Galapagos hatten. Fünf Minuten später waren wir vernetzt.
Wir haben im Stockfinsteren vor der Insel den Anker geworfen. Nach einer Weile kam die Küstenwache und hat sechs Leute mit Pumpe, Material und guter Laune bei uns abgesetzt. Einer sang die ganze Zeit. Nach drei Stunden Zimmern ging’s dann sechs Stunden bis San Cristóbal. Nie haben wir so freundliche Menschen getroffen! Am nächsten Tag kamen an die 20 Leute an Bord: Navy, Polizei, Gesundheitsamt, Immigration, ein Arzt. Wir füllten Formulare aus, während unser Blutdruck gemessen wurde. Keine 24 Stunden später stand unsere „Gleda“ dann inmitten einer Seelöwenkolonie im Sand.
Hier gibt es keine Werft und kein Material, aber wir haben immer alles dabei: Werkzeug, Epoxy und Matten. Zum Glück lagerte das alles an Steuerbord und ist trocken geblieben!
Vielleicht wird es anfangs etwas mulmig, aber das legt sich bestimmt nach ein paar Tagen. Immerhin ist so eine Kollision in etwa so selten wie ein Lottogewinn! Also freuen wir uns, dass wir es geschafft haben, und segeln nun weiter auf die Marquesas.

Redakteurin Panorama und Reise