InterviewKirchenschiff-Chef ohne Führerschein?

David Ingelfinger

 · 01.05.2026

Mark Möller, Pastor der Flussschifferkirche im Hamburger Hafen. | YACHT/D. Ingelfinger
Mark Möller: Ja, ich traue mich ehrlich gesagt gar nicht ans Steuer, ich bin technisch nicht so begabt. Ich fahre zwar hier und da ein bisschen mit dem ehrenamtlichen Team raus, um zu wissen, was dort passiert und wie es passiert, aber meine eigentliche Aufgabe ist es, Dinge zu verbinden: Tourismus, Gottesdienst, Seelsorge und Kulturarbeit. Das alles zusammenzubringen, ist mein Job – dafür brauche ich kein Patent.

​Diakon Mark Möller ist bei der Hamburger Kirche St. Katharinen tätig und Pastor der schwimmenden Flussschifferkirche. Das schwimmende Kirchenschiff ist seit 1952 ein Ort kirchlichen Lebens im Hamburger Hafen. Im Interview erzählt der Theologe über seinen beruflichen Alltag.

YACHT: Sagen Sie mal, Herr Möller, Sie leiten ein Kirchenschiff ohne Bootsführerschein?

​Ihre Kirche selbst hat weder Motor noch Steuer und liegt die meiste Zeit fest am Kai. Dafür besuchen Sie die Binnenschiffer mit einer Barkasse ...

​Ja, wir fahren damit wöchentlich in den Hafen und gehen bei den Binnenschiffen längsseits. Wenn sie Lust haben, kommen die Besatzungen an die Reling, und es gibt ein Gespräch. Das dauert meist sechs bis zwanzig Minuten. Wir suchen die Leute dort auf, wo sie sind, denn im Hamburger Hafen ist es für die Besatzungen oft schwierig, überhaupt von Bord zu kommen.

​Gibt es Themen, denen Sie öfter begegnen?

Häufig kommt das Thema Familie zur Sprache. Die Besatzungen sind oft zwei bis vier Wochen am Stück an Bord und arbeiten dort wirklich hart. Ein weiteres Thema sind die Bedingungen hier im Tidehafen, mit denen viele nicht glücklich sind. Das liegt auch daran, dass der Hamburger Hafen nicht viel in die Infrastruktur für die Binnenschifffahrt investiert, obwohl das für sie wesentlich ist. Zudem wird bundesweit eher sparsam in den Erhalt der Wasserstraßen investiert, was ebenfalls häufig für Frust sorgt.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit auf dem Wasser von der an Land?

Eigentlich gar nicht so sehr. Mich fasziniert das Eintauchen in einen Mikrokosmos wie eben die Binnenschifffahrt. Anders ist aber mein Blickwinkel: Ich sitze hier in meinem Büro auf einem Ponton. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich das ablaufende Wasser und die Kaimauer. Für mich ist das ein Perspektivwechsel mit Symbolcharakter.

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Wie setzt sich Ihre Gemeinde zusammen?

Wir sind ein Verein und keine Kirchengemeinde mehr im klassischen Sinne. Wir haben etwa 100 Besucher im Monat bei unseren Gottesdiensten. Davon sind 30 bis 40 Prozent Stammgäste, der Rest Touristen oder Menschen hier aus der Stadt. Eine Besonderheit bei uns ist, dass fast jeder Gottesdienst von einem anderen ehrenamtlichen Prediger gestaltet wird.

Was leisten Sie und Ihre Kollegen konkret für die Besatzungen im Hafen?

Wir sind Ansprechpartner. Der Hamburger Hafen ist groß, anonym und teuer. Wir leisten kleine Dinge, die den Unterschied machen. Ein „Moin, wie geht es dir?“ oder ein Apfel, den wir mitbringen. Das klingt banal, aber wir sind da.


Über Mark Möller

Diakon der Hamburger Kirche St. Katharinen und Pastor der Flussschifferkirche Mark Möller.Foto: YACHT/D. IngelfingerDiakon der Hamburger Kirche St. Katharinen und Pastor der Flussschifferkirche Mark Möller.

​Seit sechs Jahren ist der bei der Hamburger Kirche St. Katharinen tätige Theologe Pastor der schwimmenden Flussschifferkirche. Zuvor war er Seemannsdiakon auf der Themse.

Weit entfernt von den Küsten im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, fand David Ingelfinger erst im Alter von elf Jahren auf den niederländischen Gewässern zum Segelsport. Was als Familienurlaub ohne großartige Vorkenntnisse begann, mündete in einer steilen Lernkurve, aus der die dauerhafte Leidenschaft fürs Segeln entsprang. Seine praktischen Erfahrungen festigte er über die Jahre mit dem Erwerb des SKS und zahlreichen Meilen als Skipper auf Charteryachten im Ijsselmeer, der Nordsee sowie im Mittelmeer. Nach seinem Studium der Publizistik schlägt er nun die Brücke zwischen dem journalistischen Handwerk und der Praxis auf dem Wasser und bringt seine Begeisterung für den Sport als Volontär in die Redaktion der YACHT ein.

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