Diakon Mark Möller ist bei der Hamburger Kirche St. Katharinen tätig und Pastor der schwimmenden Flussschifferkirche. Das schwimmende Kirchenschiff ist seit 1952 ein Ort kirchlichen Lebens im Hamburger Hafen. Im Interview erzählt der Theologe über seinen beruflichen Alltag.
Ja, wir fahren damit wöchentlich in den Hafen und gehen bei den Binnenschiffen längsseits. Wenn sie Lust haben, kommen die Besatzungen an die Reling, und es gibt ein Gespräch. Das dauert meist sechs bis zwanzig Minuten. Wir suchen die Leute dort auf, wo sie sind, denn im Hamburger Hafen ist es für die Besatzungen oft schwierig, überhaupt von Bord zu kommen.
Häufig kommt das Thema Familie zur Sprache. Die Besatzungen sind oft zwei bis vier Wochen am Stück an Bord und arbeiten dort wirklich hart. Ein weiteres Thema sind die Bedingungen hier im Tidehafen, mit denen viele nicht glücklich sind. Das liegt auch daran, dass der Hamburger Hafen nicht viel in die Infrastruktur für die Binnenschifffahrt investiert, obwohl das für sie wesentlich ist. Zudem wird bundesweit eher sparsam in den Erhalt der Wasserstraßen investiert, was ebenfalls häufig für Frust sorgt.
Eigentlich gar nicht so sehr. Mich fasziniert das Eintauchen in einen Mikrokosmos wie eben die Binnenschifffahrt. Anders ist aber mein Blickwinkel: Ich sitze hier in meinem Büro auf einem Ponton. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich das ablaufende Wasser und die Kaimauer. Für mich ist das ein Perspektivwechsel mit Symbolcharakter.
Wir sind ein Verein und keine Kirchengemeinde mehr im klassischen Sinne. Wir haben etwa 100 Besucher im Monat bei unseren Gottesdiensten. Davon sind 30 bis 40 Prozent Stammgäste, der Rest Touristen oder Menschen hier aus der Stadt. Eine Besonderheit bei uns ist, dass fast jeder Gottesdienst von einem anderen ehrenamtlichen Prediger gestaltet wird.
Wir sind Ansprechpartner. Der Hamburger Hafen ist groß, anonym und teuer. Wir leisten kleine Dinge, die den Unterschied machen. Ein „Moin, wie geht es dir?“ oder ein Apfel, den wir mitbringen. Das klingt banal, aber wir sind da.
Seit sechs Jahren ist der bei der Hamburger Kirche St. Katharinen tätige Theologe Pastor der schwimmenden Flussschifferkirche. Zuvor war er Seemannsdiakon auf der Themse.

Volontär