InterviewDSV-Vize für Fahrten- und Freizeitsegeln Claus Funk über aktuelle Pläne

Lasse Johannsen

 · 06.06.2024

Interview: DSV-Vize für Fahrten- und Freizeitsegeln Claus Funk über aktuelle PläneFoto: Claus Funk/Privat
Claus Funk aus Hagnau am Bodensee wurde auf dem Seglertag zum DSV-Vize für Fahrten- und Freizeitsegeln gewählt. Im Gespräch mit der YACHT erzählt er von seinen Plänen für die anstehende Arbeit

Auf dem Seglertag 2023 in Bremen wählten die Delegierten Claus Funk von der Wassersportgemeinschaft Hagnau am Bodensee zum DSV-Vizepräsidenten mit dem Geschäftsbereich Fahrten- und Freizeitsegeln. Er folgt auf Clemens Fackeldey vom Berliner Verein Seglerhaus am Wannsee, der im Vorfeld des Seglertages zurückgetreten war. Funk war der einzige Kandidat für das Ehrenamt, vorgeschlagen hatte ihn das Präsidium des DSV. Bis zur Auflösung der DSV-Kreuzer-Abteilung (KA) durch den Seglerrat im November 2023 beinhaltete diese Aufgabe auch und vor allem die Rolle des Obmanns dieser 1911 gegründeten Interessenvertretung mit zuletzt rund 14.000 Mitgliedern. An ihre Stelle tritt künftig der personell noch zu besetzende „Ausschuss Fahr­ten­segeln“, der neben den Ausschüssen Eis-, Land- und Strand­segeln, dem Ausschuss RC-Segeln und dem Ausschuss Freizeitsegeln zu Funks Geschäftsbereich gehört.

Während die KA eine eigenständige Körperschaft mit zahlenden Mitgliedern und gewähltem Vorstand war, soll der „Ausschuss Fahrtensegeln“ das Angebot der KA kostenlos aufrecht­erhalten. Um es nutzen zu können, müssen Mitglieder von DSV-Vereinen künftig nicht der KA beitreten, sondern sich stattdessen als „Fahrtensegler im DSV“ registrieren lassen. Was sie dafür erwarten dürfen und warum das ohne die gewohnte Struktur besser gehen soll, beantwortet der neue DSV-Vizepräsident Claus Funk im Interview.

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Wie sind Sie zu Ihrem neuen Amt gekommen?

Claus Funk: Durch die herausragende Überredungskunst des Generalsekretärs. Ich habe nach meiner Pensionierung alle Jobangebote abgelehnt, ich wollte nur noch frei sein. Germar Brockmeyer hat es aber tatsächlich geschafft, dass ich mich für dieses spannende Amt aufstellen ließ. Wir kennen und mögen uns schon seit meiner Zeit als Leiter des Schifffahrtsamtes Konstanz.

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Sie hatten für Ihren Ruhestand offenbar andere Pläne?

Ja, ich wollte über Rhein, Main, Donau ins Schwarze Meer und von dort nach einem längeren Törn weiter in mein Lieblingsrevier Griechenland segeln. Aber das ist leider Gottes für mich derzeit und wahrscheinlich auch auf absehbare Zeit nicht machbar. Da macht meine Frau nicht mit, und für mich selbst stellt es auch eine gewisse Gefahr dar.

Dabei hatten Sie das passende Schiff schon gekauft ...

Ja, eine Malö 50. Als ich in den Ruhestand gegangen bin, haben wir das Ding gekauft. Im letzten Sommer sind wir damit nach Göteborg gesegelt und haben die Schären da oben erkundet. Dann sind wir über den Trollhätten- und den Göta-Kanal weiter nach Stockholm gefahren und wieder zurück bis nach Kiel ins Winterlager gesegelt. Gerade rechtzeitig – zwei Wochen später kam die Ostseesturmflut.

Und, bleiben Sie nun damit auf der Ostsee?

Ja, in diesem Sommer auf jeden Fall. Zur Dänischen Südsee und dann an die deutsche Küste ostwärts bis nach Ückermünde. Das ist auch eine schöne Ecke. Die kenne ich vom Land her, und dort möchte ich mich noch einmal in Ruhe umschauen. Aber dann zieht es mich zurück ans Mittelmeer. Mir fehlen im Norden die warmen Wassertemperaturen und die morgendlichen Köpfer ins Wasser.

Sie sind schon seit mehr als einem halben Jahrhundert aktiver Fahrtensegler, weltweit unterwegs gewesen und bringen viel Lebenserfahrung mit ins Amt. Gibt es ein Anliegen, das Ihnen besonders wichtig ist?

Also, was mir in letzter Zeit einfach auffällt, ist das stark veränderte Miteinander in den Häfen und auf dem Wasser. Und das erschreckt mich. Das Segeln, so wie ich es kennengelernt habe, die Seemannschaft, das gegenseitige Helfen und so, das muss ich immer mehr vermissen, das wird immer weniger.

Sie haben den Vergleich – gibt es dabei Unterschiede zwischen den Revieren?

Ja, ganz extrem ist es im Mittelmeerraum. Da oben in der Ostsee hatte ich schon den Eindruck, die Leute waren bis auf wenige noch zuvorkommend und so, wie man sich das eigentlich vorstellt. Man hat auch mal im Päckle liegen können, wenn es völlig überlaufen war. Das ist im Mittelmeerraum nicht mehr unbedingt erwünscht. Also das ist das, was mich eigentlich in letzter Zeit ein bisschen bedrückt. Das wäre schon ein Thema, und ich denke viel darüber nach, wie man das vom Verband her anstoßen könnte.

Mit der DSV-Kreuzer-Abteilung gab es bisher ein Instrument, das solche Themen über die Identifikation der Mitglieder mit gemeinsamen Zielen transportieren sollte …

Ich bin mir sicher, dass das auch ohne die KA funktioniert. Mit den Kollegen vom DSV entwickeln wir gemeinsam Ziele, um die Leute wieder zu erreichen. Da habe ich schon Hoffnung. Ich war selbst langjähriges Mitglied der Kreuzerabteilung, und mir war auch nicht klar, warum die aufgelöst worden ist. Aber dadurch wird jetzt nichts schlechter. Vielleicht etwas anders, aber Veränderungen gehören nun mal zum Leben.

Inwiefern?

In der Fahrtensegelei hat sich in der jüngeren Vergangenheit ja sehr viel verändert. Früher hatte das Angebot der Kreuzer-Abteilung mit den gedruckten „Nautischen Nachrichten“ sicherlich einen höheren Wert als heute in der digitalen Welt. Wenn ich heute auf dem Wasser bin, greif ich für Informationen g’schwind zu meinem iPad. Und der DSV mit der Abteilung Fahrten- und Freizeitsegeln ist sehr daran interessiert, sich auf unsere schnelllebige Zeit einzustellen und Informationen kurzfristiger rüberbringen zu können.

Und das ging mit der Kreuzer-Abteilung nicht mehr?

Die KA war für mein Empfinden ein maritim-traditionelles Anhängsel am DSV. Ich selbst habe die KA mit Blazer und goldenen Knöpfen assoziiert. Solches Gedöns habe ich nie gemocht und ist für meine Begriffe nicht mehr unbedingt up to date. Und ich habe den Eindruck, dass da der DSV diesbezüglich mit mir geht.

Mit der KA fällt nicht nur eine verstaubte Hülle fort, sondern auch eine demokratische Struktur, über die es für die Mitglieder möglich war, sich ehrenamtlich einzubringen oder über die Belange der Fahrtensegler abzustimmen. Soll das kompensiert werden? Und wenn ja, wie?

Na ja, es gibt ja entsprechende Ausschüsse. Und es wird ja im Team gearbeitet. Meine Ideen, oder solche, die an mich herangetragen werden, werde ich ins Präsidium einbringen, und dann wird es dort auf den Weg gebracht. Im DSV arbeiten außerdem Hauptamtler in meinem Bereich, und die machen sich auch viele Gedanken.

Die KA war organisatorisch neben dem Eis-, Land- und Strandsegeln, dem RC-Segeln und dem Freizeitsegeln eine von vier Abteilungen Ihres Geschäftsbereichs. Wie wird diese Lücke jetzt gefüllt?

An die Stelle der KA tritt jetzt ein neuer Ausschuss, der Ausschuss Fahrtensegeln, der mit drei, vier Ehrenamtlern besetzt wird, die wir noch vorschlagen und die dann vom Präsidium bestätigt werden.

An wen richtet sich das Angebot künftig, und wie kann man es abrufen, naturgemäß sind ja nicht alle Segler in DSV-Vereinen an den speziellen Leistungen für Fahrtensegler interessiert.

Wer Mitglied in einem DSV-Verein ist, kann sich kostenlos registrieren lassen und erhält Zugriff auf das Angebot für Fahrtensegler, das dem der KA entspricht und sogar noch verbessert worden ist.

Haben sich die 14.000 früheren KA-Mitglieder schon registrieren lassen, und rechnen Sie damit, dass es künftig deutlich mehr werden, die das Angebot annehmen?

Aktuell sind es noch deutlich weniger, die sich angemeldet haben, vermutlich, weil es sich noch nicht herumgesprochen hat, aber wir werden die Werbetrommel rühren. Ich bin mir sicher, dass wir die Fahrtensegler erreichen. Im Gegensatz zur KA kostet es schließlich nichts.

Was dürfen die registrierten Fahrtensegler künftig vom DSV erwarten?

Wer sich registriert, erhält einen digitalen Mitglieder­ausweis und darüber die verschiedensten Rabatte, wie zur Zeit der KA. Durch unsere Geschäftsstelle gibt es weiterhin die individuelle Törnberatung sowie eine DSV-App mit Push-Nachrichten zu Themenbereichen, die man selbst auswählen kann. Darüber hinaus einen kostenlosen wöchent­lichen Seewetter-Podcast mit Sebastian Wache von der Wetterwelt.

Und was geschieht mit den Revierstützpunkten der Kreuzer-Abteilung?

Die wurden jetzt von 101 auf 13 an Nord- und Ostsee reduziert. Uns war wichtig, dass da nicht nur eine Flagge hängt, sondern dass da auch wirklich etwas geboten wird.

Und was wird aus dem traditionellen Fahrtenwettbewerb und der Preisverteilung?

Der ist modernisiert worden. Die Ausschreibung ist fertig und kommt jetzt raus. Und auch einen Fahrtenseglertag soll es wieder geben.

Haben Sie schon Ideen oder Vorstellungen, was da außer der Preisverleihung für den Fahrtenwettbewerb stattfinden soll? In seiner alten Form sollte er ja als Mitgliederversammlung der KA auch einen ideellen Zweck als Familientreffen der Fahrtensegler-Community erfüllen …

Das soll ja wieder so sein. Das ist mein ganzes Bestreben, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Fahrtensegler auch ohne KA unter dem Dach des DSV weiterbesteht.

Zur Person: DSV-Vize für Fahrten- und Freizeitsegeln Claus Funk

yacht/100047314_5c1b8dc3b7d86e2f8d60e6dd6a8008a0Foto: YACHT/Lasse Johannsen

Geboren in Rottweil am Neckar, kam Funk erstmals mit seinem Vater in Ruderbooten aufs Wasser. Zum 14. Geburtstag bekam er einen Segelkurs in Überlingen am Bodensee geschenkt und machte den A-Schein. Während des Bauingenieurstudiums Fachrichtung Wasserbau in Konstanz erweiterte er seine Segelkenntnisse im Mittelmeerraum. Neben dem Studium Jobs als Skipper und Segellehrer. In den siebziger Jahren zahlreiche Törns in Griechenland, Frankreich, Korsika, Sardinien bis hin zur Atlantiküberquerung 1980 inklusive ausgiebiger Erkundung der Karibik und später durch den Panamakanal bis zu den Galapagos-Inseln. Anschließend Beginn der beruflichen Karriere, die in der Leitung des Wasser- und Schifffahrtsamtes Konstanz mündet.

Mit den ersten Gehältern erfolgt 1983 der Erwerb seiner Dehler Optima 830, die er heute noch am Bodensee segelt – neben einer Malö 50 auf der Ostsee, die vor zwei Jahren für längere Törns im Ruhestand angeschafft wurde. In seiner Heimat am Bodensee gründete Funk 1989 mit Freunden die Wassersportgemeinschaft Hagnau, weil es dort noch keinen Segelverein gab.

Lasse Johannsen

Lasse Johannsen

Stellvertretender Chefredakteur YACHT

Geboren in Kiel, aufgewachsen am Wasser und an Bord, seglerisch ausgebildet im Verein und beim Segeln auf Nord- und Ostsee. Nach Schule, Marine und juristischer Ausbildung 2007-2009 Volontariat bei der YACHT im Ressort Panorama, welches er heute leitet. Daneben verantwortet er die Sonderausgabe YACHT classic, veröffentlichte mehrere Bücher im Verlag Delius-Klasing und ist stellvertretender Chefredakteur der YACHT. Johannsen ist begeisterter Fahrtensegler auf eigenem Kiel und aktiver Begleiter der deutschen Klassiker-Szene.

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