InterviewBesonderer Reiz von Hochsee-Regatten in Polen

Nils Leiterholt

 · 11.06.2024

Interview: Besonderer Reiz von Hochsee-Regatten in PolenFoto: Adam Smelkowski/Pommerscher Greif
Seewettfahrt Pommerscher Greif: Die internationale Traditions-Regatta findet seit den 1950er Jahren regelmäßig Anfang Juni statt. Der rund 300 Seemeilen lange Kurs gilt selbst erfahrenen Seglern als anspruchsvoll
Der 62-jährige Kai Nitschmann, Entwicklungsingenieur aus Berlin, fing erst 2014 mit dem Segeln an, seit 2015 segelt er Regatten. Immer häufiger nimmt er an im benachbarten Polen professionell organisierten Wettfahrten teil

Herr Nitschmann, warum starten Sie gern in Polen?

Die Polen organisieren einfach ansprechende Regatten. Sie haben vor allem ein großes Organisationstalent – auf den hiesigen Breitensport-Regatten sucht das seinesgleichen. Ob es die Akquise von Sponsoren oder das Planen des Landprogramms ist, die polnischen Veranstalter sind immer engagiert dabei. Das möchte ich den Ausrichtern der deutschen Regatten auch nicht absprechen. Allerdings gelingt es den Polen beispielsweise durch die umfassenderen Sponsorings ein super Catering und Tombolas zu veranstalten, als das bei den deutschen Wettfahrten der Fall ist.

Welche Regatta hat Ihnen dort besonders gefallen?

Der Pokal um den Pommerschen Greif. Da ist es mir gleich bei meiner ersten Teilnahme im vergangenen Jahr gelungen zu gewinnen (lacht).

Waren es so gute Bedingungen?

Überhaupt nicht! Nach dem Start in Swinemünde sind wir bei wirklich viel Wind und kabbeliger See am Kap Arkona vorbeigesegelt. Als ich danach mitten in der Nacht gerade schlafen wollte, sagte mir mein Mitsegler, dass etwas nicht stimmte. Und er hatte recht: Das Terminal des Backbord-Backstags war gerade auf dem Deck gelandet. Also musste ich in tiefster Nacht den Mast hoch. Der hatte da von der Restsee aber immer noch eine Amplitude von ein paar Metern. Als ich nach circa einer Dreiviertelstunde wieder unten war, hatte ich die Nase gestrichen voll. In der nächsten Nacht war richtig dicker Nebel, die Sichtweite war auf unter 50 Meter beschränkt. Da steigt der Pulsschlag schon deutlich, insbesondere wenn man dann auch den Ausgang des Verkehrstrennungsgebiets kreuzt.

Das hat Sie sicher ganz schön aufgehalten?

Na ja, immerhin sind wir dennoch nach berechneter Zeit Erste geworden! Insgesamt waren wir rund 70 Stunden nonstop unterwegs. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, und wir hatten von Flaute bis Starkwind alles dabei. Ich finde, dass das eine schöne Strecke ist, die Teilnehmer erleben einiges, sehen viel und machen unglaubliche Erfahrungen mit den Elementen. Gleichzeitig sind fast drei Tage eine gut absolvierbare Zeit, nicht zu anstrengend und nicht zu langweilig – mir gefallen sowohl die Strecke als auch die Zeit, die wir Segler unterwegs sind, wirklich gut.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Wie sieht die Strecke denn genau aus, und welche Wegpunkte müssen passiert werden?

Es geht von Swinemünde nach Swinemünde. Das macht die Logistik schon mal leicht. Unterwegs passieren die Teilnehmer des Pommerschen Greif das Kap Arkona an der Nordspitze der Insel Rügen, dann geht es nordwärts zur Halbinsel Falsterbo, die an der südwestlichen Spitze von Schweden liegt. Danach weiter zur Erbseninsel Christiansø nordöstlich von Bornholm und schließlich östlich an Bornholm vorbei wieder zurück nach Swinemünde.

Mit was für einem Schiff sind Sie unterwegs, und wie häufig sind Sie auf Regatten anzutreffen?

Ich segel im Jahr ungefähr zehn bis zwölf Offshore-Regatten. Am liebsten einhand oder zu zweit. Und meistens auf meiner Avance 36 von 1979, die in Ueckermünde liegt. Mir gefallen die klassischen Linien der Peter-Norlin-Konstruktion sehr. Außerdem segel ich noch ungefähr zehn bis zwölf kleinere Donnerstagsregatten in Berlin.

Kai Nitschmann an Bord seiner Avance 36Foto: Adam Smelkowski/Pommerscher GreifKai Nitschmann an Bord seiner Avance 36

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