David Ingelfinger
· 04.03.2026
Die internationale Organisation zur Förderung des Frauensegelns “Magenta Project” hat gemeinsam mit Partnern wie World Sailing und 11th Hour Racing mit dem 2x25 Review untersucht, ob ihre im Jahr 2019 ausgesprochenen Empfehlungen für eine bessere Gleichberechtigung im Segelsport tatsächlich gefruchtet haben.
Das Ergebnis: Die Studienergebnisse lassen auf nur wenig Veränderung schließen, der empfundene Fortschritt scheint eher oberflächlich zu sein. Spürbare positive Veränderungen, insbesondere beim professionellen Segeln, würden oft nur von der Eigeninitiative einzelner Personen getragen, statt fest im System verankert zu sein.
Große Regatten wie der SailGP oder die Vendée Globe liefern spektakuläre Bilder mit prominenten Seglerinnen und vermitteln den Eindruck eines stetigen Fortschritts. Diese mediale Präsenz führt dazu, dass 83 % der befragten Männer und Frauen eine deutlich gestiegene Sichtbarkeit von Frauen allgemein wahrnehmen. Jenseits der Kamerabilder zeigt die Realität jedoch ein anderes Bild, denn 75 % der Frauen stufen das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern weiterhin als Problem ein. Auch bei den befragten Männern teilen über die Hälfte diese Sichtweise. Woran liegt dieses Ungleichgewicht?
Laut den Ergebnissen der Studie blockieren eingespielte Netzwerke und starre Traditionen den Zugang für neue Talente und verhindern so eine echte Gleichstellung im System. Häufig geschehe dieser Ausschluss, weil anstelle offener Ausschreibungen informelle Absprachen unter Bekannten stattfinden. Das erschwere den Aufstieg für Frauen häufig massiv. Die Untersuchung belegt zudem eine mangelnde Umsetzung von Beförderungen in technische Leitungsrollen oder die Wettfahrtleitung.
Demnach berichten ganze 65 % der Befragten von persönlichen Diskriminierungserfahrungen. Sexismus ist dabei mit einer Quote von über 85 % die von Frauen am häufigsten genannte Form der Benachteiligung. So passen 40 % der Frauen ihr Verhalten, ihre Sprache oder ihre Kleidung an, um akzeptiert zu werden. Bei den Männern sind es lediglich 11 %.
Dementsprechend empfinden 60 % der Frauen Yachtclubs auch nicht als inklusive Orte und nur 40 % fühlen sich dort wirklich wertgeschätzt. Die Antworten zum Thema Sicherheit offenbaren zudem eine gefährliche Lücke. Ganze 42 % der Befragten wissen von Vorfällen körperlicher, sexualisierter oder psychischer Gewalt, doch 49 % kennen gar keine offiziellen Wege für eine sichere Meldung dieser Vorfälle.
Auch wirtschaftlich zeigt sich weiterhin eine deutliche Schere bei der Gleichstellung in der Wassersportbranche. Frauen verdienen im Mittel demnach weiterhin jährlich 29 % weniger als Männer (35.000 $gegenüber 49.000$). Ein wesentlicher Grund dafür liege in der Rollenverteilung, da 23 % der Männer in lukrativen technischen Berufen arbeiten, während es bei den Frauen nur 11 % sind. In einflussreichen Führungspositionen sei der Frauenanteil sogar bei unter 10 %. Seglerinnen würden zudem deutlich häufiger in kurzfristigen Projekten statt in stabilen Festanstellungen arbeiten, was die finanzielle Planbarkeit erschwere.
Ein Kernproblem liegt in der Aufrechterhaltung bestehender Machtstrukturen, welche wirkliche Gleichstellung verhindern. Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich der Wettfahrtleitungen: Gerade einmal 17 % der internationalen Vertreter sind weiblich. Um diesen Kurs zu korrigieren, empfiehlt die Studie einen harten Wechsel von bloßer Freiwilligkeit hin zu verbindlichen Mandaten und Quoten bis zum Erreichen einer echten Parität. Verbände sollten zudem finanzielle Fördergelder für Clubs strikt an den Nachweis inklusiver Praktiken koppeln.
Der Bericht nennt darüber hinaus weitere konkrete Lösungswege wie transparente Auswahlverfahren und klar definierte Aufstiegspfade für Seglerinnen. Verpflichtende Schulungen zum Thema Vielfalt für alle Führungskräfte sowie gezielte Mentoring-Programme sollen dabei helfen, die traditionellen Seilschaften dauerhaft aufzubrechen und den Zugang zu technischen Leitungsrollen zu erleichtern.
Die klaren Ergebnisse der Studie dürfen nicht über methodische Einschränkungen hinwegtäuschen, denen eine solche Untersuchung zwangsläufig unterliegt. Dass beispielsweise 91 % der Teilnehmer Weiße sind, lässt darauf schließen, dass die Studie vor allem die Realität der westlichen Segelwelt abbildet. Zudem basiert die detaillierte Analyse der Gehälter auf einer Basis von gerade einmal 335 Personen, die verwertbare Angaben machten. Die Ergebnisse sind dennoch unmissverständlich: Der Sport muss Erfolg in Zukunft nicht mehr nur daran messen, wer an die Startlinie geht, sondern wer sich wirklich zugehörig fühlt und dauerhaft an Bord bleibt.

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