HavarieOlympiasieger verliert sein Schiff

Uwe Janßen

 · 28.11.2016

Havarie: Olympiasieger verliert sein SchiffFoto: privat

Er wollte mit seiner Gület über den Atlantik. Doch auf dem Weg aus dem Mittelmeer strandete die "Carolin" von Jörg Diesch auf Sardinien

Bei Calasetta auf der Sardinien vorgelagerten Insel Antioco ist die deutsche Yacht „Carolin“ auf die Steine gegangen. Das Schiff gehört einer absoluten Größe im deutschen Segelsport, Jörg Diesch, Olympiasieger 1976 im Flying Dutchman mit seinem Bruder Eckart als Vorschoter. Der Kieler bekennt, er selbst habe in einem Manöver für einen Moment nicht aufgepasst.

  "Carolin"-Eigner Jörg DieschFoto: privat
"Carolin"-Eigner Jörg Diesch

Nach seinem Rückzug aus dem Berufsleben hatte sich der Arzt intensiv seinem Schiff gewidmet, der Gület "Carolin" mit Liegeplatz im türkischen Göcek. Der Mann, der ehedem schnellstmöglich über die Regattabahn fegte, begründet die Wahl des ungewöhnlichen Bootstyps so: ”Ich will gar nicht mehr irgendwo schnell ankommen. Ich wil die Langsamkeit genießen." Vor bald 20 Jahren hatte er in der YACHT ein Gület-Foto gesehen und gedacht: "Das wäre es." Behäbig zwar, aber groß, bequem und gemütlich. Die Zeiten, in denen Geschwindigkeitsoptimierung und Am-Wind-Eigenschaften eine Rolle spielten, waren lange vorbei. „Mit der Regattasegelei habe ich schon vor einer Ewigkeit abgeschlossen", sagt Diesch.

Über die Jahre machte das 26 Meter lange Schiff von 1997 durchaus Probleme. Diesch wollte damit auf große Fahrt, über den Atlantik, dann mal weitersehen. Aber er wollte nichts erzwingen, und als sich substanzielle Schwierigkeiten mit Rumpf und Kiel auftaten, vertagte er die Pläne ohne Groll und genoss weitere Saisons im Mittelmeer. "Ich bin glücklich", sagte er, „ich will gar nichts anderes machen."

  Olympiasieger 1976: Jörg und Eckart DieschFoto: YACHT / Archiv
Olympiasieger 1976: Jörg und Eckart Diesch

In diesem Herbst aber zog es ihn doch westwärts. Das Schiff war im September in Bozborun vorbereitet worden, Teile der Beplankung wurden erneuert, das Ruder verstärkt. Über Griechenland, den Kanal von Korinth, erreichte die "Carolin" schließlich Italien. Dort schließlich ging ein Ankerversuch bei Antioco auf fatale Weise schief.

Der 65 Jahre alte Eigner beschreibt den Ablauf der Havarie so: „Ich habe beim Segelbergen nicht richtig auf die Karte geschaut, und wir hatten Grundberührung. Es war zwar wenig Wind, aber die großen Wellen hatten uns innerhalb weniger Minuten, trotz Vollgas rückwärts, weit auf das felsige Ufer geschoben, sodass an ein Freischleppen nicht mehr zu denken war. Wir lagen mit 40 Grad Krängung hoch und trocken. Am nächsten Morgen brachte ich eine Leine zu den nächstgelegenen Felsen am Land aus, und wir retteten uns durch die hohe Brandung an Land."

Zwei Tage später, bei nachlassender Brandung, holte die Crew Ausrüstung von Bord, einiges von Wert war da allerdings schon verschwunden. Nach einem Internet-Aufruf brachten die Diebe zumindest zwei Taschen mit Elektronikteilen wieder zurück.

Das Schiff sei ein "Totalverlust", sagt Diesch, der sich derzeit mit der italienischen Bürokratie herumschlägt. Schon die Anzeige des Unfalls bei der Polizei habe unzählige Stunden verschlungen, „kaum zu glauben“. Und wie die Bergung vonstatten gehen soll, ist ebenfalls noch unklar. Eine Frist des Hafenamts jedenfalls verstrich, weil bis zu deren Ablauf noch gar nicht bekannt war, ob das Strandungsgebiet unter Naturschutz steht, was den Einsatz von schwerem Bergegerät verbieten könnte.

Trotz des schmerzlichen Verlusts und den einhergehenden "traurigen und trostlosen Gedanken" beschäftigt sich Diesch schon wieder mit "der Planung für ein neues Schiff". Er tröstet sich so: "Die Sarden hier sagen: Was das Meer dir nimmt, gibt es dir wieder."

Anm.: In einer früheren Version hieß es fälschlich, die Havarie habe sich in der Vorbereitung zu einem Ankermanöver ereignet.

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