Seit Jahren gilt das Forbes-Ranking „30 Under 30" als einer der begehrtesten Titel für junge Talente weltweit. Die europäische Ausgabe umfasst zahlreiche Kategorien – von Technology über Arts & Culture bis hin zu Finance und Sports & Games. Nominiert und ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die in ihrem jeweiligen Bereich bereits außergewöhnliche Leistungen erbracht haben und als Vorbilder für eine ganze Generation gelten. Eine hochkarätige Jury aus Branchenexpertinnen und -experten, Investoren, Wissenschaftlern und Kulturschaffenden sichtet Tausende von Bewerbungen und wählt schließlich die Besten der Besten aus.
In der Kategorie Sports & Games 2026 finden sich Namen wie Tennisspielerin Jack Draper, Rugby-Superstar Antoine Dupont, Fußballprofi Eberechi Eze (Arsenal FC), Speed-Skaterin Jutta Leerdam oder Skilanglauf-Ikone Johannes Høsflot Klæbo. Eine illustre Gesellschaft – und mittendrin: zwei Seglerinnen.
Ein historischer Moment für den Segelsport
Dass in einer solchen Liste, die von Fußball, Tennis und anderen Massensporten dominiert wird, gleich zwei Seglerinnen gleichzeitig vertreten sind, ist mehr als bemerkenswert. Es ist ein Statement. Ein Zeichen dafür, dass der Segelsport längst auf der großen Weltbühne angekommen ist. Und es sind zwei sehr unterschiedliche Geschichten, die hier erzählt werden.
Violette Dorange – Allein um die Welt
Mit 24 Jahren hat die Französin Violette Dorange Geschichte geschrieben. Im Februar 2025 wurde sie zur jüngsten Person, die jemals das Vendée Globe beendet hat – das wohl härteste Einhandrennen der Welt. 90 Tage allein auf einem 60-Fuß-IMOCA, nonstop, ohne fremde Hilfe, einmal rund um den Globus. Ein Preisgeld von 935.000 Dollar wartet auf die Gewinner – doch für Dorange zählte weit mehr als Geld.
Ihre Geschichte beginnt früh: Aufgewachsen in der ultrakompetitiven französischen Dingiszene, überquerte sie als Teenager den Ärmelkanal und die Straße von Gibraltar – in einem gerade mal 2,40 Meter langen Opti. Chapeau! Danach folgte eine Soloüberquerung des Atlantiks, drei Starts bei der legendären Solitaire du Figaro. Schritt für Schritt, immer weiter, immer mutiger. Das Vendée Globe war der logische nächste – und bislang größte – Schritt.
Forbes ehrt Dorange nicht nur für ihre sportliche Leistung, sondern für die Verkörperung eines Lebensgefühls: Hinaus ins Unbekannte, allein gegen die Elemente, mit nichts als dem eigenen Können und einer unbändigen Entschlossenheit.
Marta Cardona Alcántara – Ausnahme-Athletin aus Spanien
Ganz anders, aber mindestens genauso eindrucksvoll ist die Geschichte der Spanierin Marta Cardona Alcántara. Mit gerade einmal 20 Jahren hat sie eine der rasantesten Karrieren in der jüngeren Geschichte des olympischen Segelns hingelegt.
Begonnen hat alles in der 420er-Klasse, wo sie mehrere Welt- und Europameistertitel holte. Ende 2024 der nächste große Sprung: Wechsel in die olympische Mixed-470-Klasse, an der Seite von Olympiamedaillengewinner Jordi Xammar. Was dann folgte, grenzt ans Unglaubliche: In ihrer allerersten gemeinsamen Saison holten die beiden sowohl den Weltmeistertitel als auch den Europameistertitel in der Mixed-470-Klasse. Ein nahezu beispielloser Debüt-Doppelschlag auf höchstem Niveau.
Die Auszeichnung zur Youth World Sailor of the Year 2025 durch World Sailing rundet das Bild ab. Cardona Alcántara ist heute ein zentraler Baustein in Spaniens Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles – und gilt als eine der größten Hoffnungsträgerinnen ihres Landes.
Segeln als Zukunftssport
Dass Forbes in seiner 2026-Ausgabe der “30 under 30” ausgerechnet zwei Seglerinnen in der Kategorie Sports & Games würdigt, ist kein Zufall. Beide Athletinnen stehen für eine neue Generation im Segelsport: jung, weiblich, ehrgeizig, mutig– und ein Vorbild für junge Sportlerinnen und Sportler.

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv