Nicht einmal Liegen kann er in seinem Gefährt. Nur Sitzen und bei gutem Wetter auch mal Stehen. Dazu muss er dann eine transparente Kuppel über seinem Kopf öffnen. Doch das ficht ihn nicht an. Mittels gymnastischer Übungen, die sich im Sitzen durchführen lassen, will sich Bedwell während der rund 2.000 Seemeilen langen Fahrt fit halten. Für die veranschlagt er satte drei Monate.
Kein Wunder, schnell ist seine rote Miniatur-Kapsel nicht. Das kleine Segel kann er mit wenigen Handgriffen setzen und bergen, das Ruder bedient er per Seilzug von Innen. Und doch bleibt sein Boot vor allem: ein Spielball von Wind, Wellen und Strömungen. Überhaupt auf Kurs zu bleiben, dürfte die größte Herausforderung der Reise sein.
Es ist sein zweiter Versuch. 2023 wollte er bereits den Nordatlantik bezwingen. Doch das Vorhaben scheiterte damals unmittelbar nach dem Start dramatisch.
Kurz vor der Abfahrt in Großbritannien kürzte er einen speziellen Sicherungsbolzen mit abdichtenden O-Ringen. Dieses letzte Puzzleteil stellte sich beim Einbau unmittelbar vor dem Start in Kanada jedoch als zu kurz heraus, sodass hektisch nach einem Ersatz gesucht wurde.
Der aufgetriebene Ersatzbolzen hatte zwar auch eine Gummidichtung, aber ein durchgehendes Gewinde. Bereits nach wenigen Stunden auf See erwies sich das Provisorium als unbrauchbar und es kam zum Wassereinbruch.
Zwar bestand die erste Version seines Mini-Bootes aus insgesamt zwölf in sich geschlossenen Räumen, sodass nur ein kleiner Bereich geflutet werden konnte, aber betroffen war ausgerechnet das Fach mit der Hauptbatterie. Bedwell brach ab und ließ sich zurück in den Hafen schleppen, wobei das Boot noch mehr Wasser aufnahm.
Am nächsten Morgen kam es dann beim Auskranen zum nächsten Unglück : Die Seilstropps rissen und das Kleinstbötchen knallte mit voller Wucht auf den Betonboden. Die Schäden waren irreparabel und der Traum vom Weltrekord geplatzt.
Wie es zu diesem Unfall kommen konnte, ist bis heute ein Rätsel. Bilder gibt es davon nicht, dafür aber ein herzergreifendes Video-Statement des am Boden zerstörten Engländers.
Doch nur wenige Tage später kündigt Bedwell an, wieder angreifen zu wollen, und skizziert das Grunddesign seines neuen Mikrobootes noch im Hotelzimmer in Neufundland.
„Ich begann sofort, mit verschiedenen Experten zu sprechen, aber monatelang begriff niemand, was ich eigentlich wollte. Dann traf ich auf einen französischen Schiffbauingenieur, der die Essenz meiner Idee verstand: Der Kiel sollte gleich in die Rumpfstruktur integriert werden, um nicht nachträglich aufgeschweißt werden zu müssen.“ Ein weiterer Vorteil ist der Raumgewinn, da das Aluminium der Büchse nur drei bis fünf Millimeter dick ist – die Wände des Vorgängers aus GFK waren noch 10 bis 20 mm dick. Durch das vergrößerte Volumen des Innenraumes können nun alle Lebensmittel tiefer im Boot liegen, was die Stabilität erhöht.
Doch trotz des kleinen Raumwunders ist Schlafen weiterhin nur in zusammengekauerter Stellung möglich. Und auch die „Big C V2“ ist so konzipiert, dass sie bei rauer See rollt, weshalb das Geschirr zum Festschnallen essenziell bleibt.
Verschwunden sind dagegen die aufgesetzten Sidepots, die jetzt in der äußeren Form integriert sind. Ferner sind die Solarpaneele nun fest montiert und besser vor den Wellen geschützt.
Die Lüftungsschlitze und die Kuppel für den Rundumblick sind die gleichen. Das Rigg hat sich laut Bedwell bewährt, ist aber an der Basis etwas schmaler geworden, um das Segel dichter fahren zu können.
Eigentlich sollte bereits im letzten Jahr alles getestet und segelklar sein. Doch viele Details und Verzögerungen ließen einen Start schon 2025 nicht zu. Nun aber ist es so weit. “Big C II” liegt startklar in Neufundland. Bei einem passenden Wetterfenster will Andrew Bedwell in den kommenden Tagen die Leinen loswerfen. Verfolgen kann man sein Fahrt über den Nordatlantik dann hier: big-c-atlantic-challenge.app

Redakteur News & Panorama