ExtremtörnBußgeld für "Berserk"-Skipper

Pascal Schürmann

 · 07.11.2011

Extremtörn: Bußgeld für "Berserk"-SkipperFoto: WildVikings.com

Jarle Andhøy, dessen Schiff samt einem Teil der Crew Anfang 2011 in der Antarktis verschollen ist, muss 3.200 Euro Strafe zahlen

Er sei in antarktische Gewässer gesegelt, ohne das zuständige norwegische Polarinstitut von seinem Vorhaben in Kenntnis zu setzen. Er habe sich nicht ausreichend um Maßnahmen gekümmert, das sensible Ökosystem der südpolaren Region zu schützen. Und er sei nicht adäquat versichert gewesen, um den notwendig gewordenen Rettungseinsatz bezahlen zu können. Darum, so berichten verschiedene norwegische Medien, hat nun die Polizei der nordnorwegischen Provinz Troms gegen Jarle Andhøy ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Kronen verhängt. Das sind umgerechnet knapp über 3.200 Euro.

Im Februar war die "Berserk" in der Ross-See vermutlich in einen Sturm geraten und gesunken. An Bord hatten sich zwei norwegische und ein süfafrikanisches Cremitglied befunden. Der Skipper selbst hingegen, der norwegische Extremsegler Jarle Andhøy, sowie ein weiteres Crewmitglied waren zum Zeitpunkt der Havarie nicht an Bord, sondern über Land unterwegs zum Südpol, den sie zu Fuß erreichen wollten. Die YACHT hatte darüber berichtet (siehe unten).

  Die vermisste "Berserk II" auf Törn im EisFoto: Wildvikings.com
Die vermisste "Berserk II" auf Törn im Eis

Als der Funkkontakt zum Schiff abbrach, wurde eine Suchaktion ausgelöst, Schiff und Crew konnten aber nicht mehr gefunden werden. Andhøy und sein Mitstreiter gaben ihr Vorhaben auf, sie wurden zu einer nahen Forschungsstation gebracht, von wo aus sie später die Rückreise nach Europa antraten.

Andhøy habe die Strafe nur akzeptiert, um jedes weitere Aufsehen zu vermeiden, was die Hinterbliebenen der Opfer belasten könnte.

Die Ross Sea ist berüchtigt für häufige Stürme. Segelyachten, in der Antarktis ohnehin die Ausnahme, steuern dieses Seegebiet äußerst selten an.

In einem früheren Interview mit dem "ExplorersWeb" sagte Andhøy, dass seine Crew erfahren gewesen sei und er täglich in Kontakt mit dem Schiff gestanden hätte, als er an Land war. Die letzte SMS, die er von Bord erhalten habe, hätte wie gefolgt gelautet: "All good. Boat shipshape and we are now leaving Horseshoe Bay... contact us when you can."

Während der Untersuchung des Unglücks seitens der norwegischen Behörden hatte Andhøy jede Mitarbeit verweigert und auch keine Befragung akzeptiert. Dem norwegischen "Dagbladet" sagte er: "Ich glaube, es ist gut, dass der Fall jetzt aus der Welt ist. Ich habe die Strafe akzeptiert, um die Hinterbliebenen des Unglücks zu schonen."

Jarle Andhøy ist in seinem Land ein berühmter Segler und wird vor allem von Jugendlichen für seine unkonventionelle Art bewundert. Für Schlagzeilen sorgte er das erste Mal, als er mit einem kleinen Boot einhand nach Südamerika segelte und von dort aus einen Törn in die Antarktis unternahm. Später versuchte er, durch die Nordwestpassage zu segeln, wurde aber von kanadischen Behörden daran gehindert. Zudem wurde er bereits früher einmal zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er auf Spitzbergen unerlaubt in das Territorium von Eisbären eingedrungen war.

Die nachfolgenden Videos vermitteln einen Eindruck von der recht unorthodoxen Art des Norwegers:

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