Rund 7.000 Seemeilen liegen zwischen der mexikanischen Westküste und Japan. Blauwassersegler wählen normalerweise eine Route südlich des Äquators – dort reiht sich ein Archipel an den nächsten, die Distanzen über offenes Wasser schrumpfen deutlich. Auf der Nordhalbkugel sieht es anders aus: Bis auf Hawaii bietet der Pazifik kaum Zwischenstopps. Wer hier segelt, ist den Launen des Ozeans ausgeliefert – hohen Wellen, heftigen Stürmen und zermürbenden Flauten.
Craig Wood stellte sich dieser Herausforderung – und meisterte sie erfolgreich. Nach 90 Tagen auf See und 7.506 Seemeilen im Kielwasser lief der Veteran im Juni 2025 in Hiroshima ein. Gestartet war er Ende März im mexikanischen Puerto Vallarta. Damit ist er der erste dreifach amputierte Mensch, der den Pazifik solo überquert hat.
Die Pazifik-Querung ist nur eine von vielen Herausforderungen, die der Brite bereits gemeistert hat. 2009 traf ihn ein Bombenanschlag in Afghanistan. Dabei wurde er lebensgefährlich verletzt, verlor beide Beine und seinen linken Arm. Mit eisernem Willen kämpfte er sich zurück ins Leben. Während der Rehabilitation entdeckte er das Segeln. Heute lebt er mit seiner Familie überwiegend auf einem Boot und hat bereits einen Großteil der Erde umsegelt.
Zum Auftakt der boot 2026 in Düsseldorf erhielt der Brite bei der Flagship-Night am Samstagabend den Seamaster Award. Die Auszeichnung ehrt jährlich herausragende Persönlichkeiten im Wassersport. Der Delius Klasing Verlag und die boot Düsseldorf verleihen die Auszeichnung gemeinsam. 2025 erhielt Cole Brauer den Preis, 2024 ging er an Kirsten Neuschäfer.
Die Auszeichnung würdigt Menschen, die den Wassersport auf besondere Weise geprägt haben – durch sportliche Erfolge oder beispielhaftes Engagement. Craig Wood ist der mittlerweile zwölfte Preisträger und reiht sich ein in eine Liste, auf der bereits Segler wie Boris Herrmann, François Gabart, Jimmy Spithill oder Loïck Peyron stehen.
„Craig, nicht nur du, sondern die gesamte Gesellschaft kann stolz auf diese einzigartige Leistung sein", sagt Jens Kroker. Der gebürtige Hamburger hielt am Samstagabend die Laudatio auf den Briten. Kennengelernt haben sich die beiden 2013 bei der Sonar-Weltmeisterschaft in Irland.
Kroker kam nur mit einer Hand zur Welt – wie Craig Wood gab ihm das Segeln Selbstvertrauen und half ihm, die Herausforderungen zu meistern. Seit über 40 Jahren segelt er, gewann drei Medaillen bei paralympischen Spielen und gehört zu den erfolgreichsten paralympischen Seglern überhaupt.
Wood sei eine Inspiration für Menschen, die ebenfalls vor Herausforderungen im Leben stehen oder die die Hoffnung in ihre eigenen Fähigkeiten verloren haben, sagt Kroker.
Du hast mit deinem Mut, deiner Ausdauer und deinem Innovationsgeist bewiesen, dass Behinderungen keine Barrieren sein müssen.”
Außerdem habe er gezeigt, dass das Segeln die Kraft hat, einem die Hoffnung und das Selbstvertrauen zurückzugeben. Kroker: ”Die Segelgemeinschaft ist stolz auf deine Leistung – sie zeigt, dass Segeln das perfekte Mittel ist, um Inklusion zu erreichen.”