„Draken Harald Hårfagre”Warum in Nolans „Die Odyssee“ ein Wikingerschiff segelt

Fabian Boerger

 · 27.08.2026

Da werden die Größenverhältnisse klar: Eine Segelyacht passiert während der Odysee-Dreharbeiten eines der Wikingerschiffe, die die antike Flotte des Homer-Epos verkörpern. | Louisa Gouliamaki
Foto: picture alliance / REUTERS
​In Christopher Nolans „Die Odyssee“ spielen nicht nur Matt Damon und Anne Hathaway wichtige Rollen. Mehrere Wikingerschiffe verkörpern die antike Flotte des Homer-Epos. Im Mittelpunkt steht die 35 Meter lange norwegische „Draken Harald Hårfagre“.

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​Wikingerschiffe in „Die Odyssee“ wirken zunächst wie ein historischer Widerspruch. Schließlich spielt Homers Epos lange vor der Wikingerzeit. Dennoch wählte die Produktion mehrere skandinavische Schiffe für die Dreharbeiten rund um griechische und italienische Inseln aus. Aus maritimer Sicht übernahm die Hauptrolle auf dem Wasser die „Draken Harald Hårfagre“. Sie wurde für den Film zum Schiff des Odysseus umgestaltet und stand der Produktion etwa sechs Monate lang zur Verfügung. Auch Mitglieder ihrer Crew wirkten nach eigenen Angaben an den Dreharbeiten mit.

Bau orientiert sich an Wikingerschiffen

​Die „Draken Harald Hårfagre“ ist keine Nachbildung eines bestimmten historischen Fundes. Ihre Konstruktion beruht nach Angaben der Betreiber auf archäologischem Material, Sagaliteratur, bildlichen Quellen und traditionellen norwegischen Bootsbauverfahren. Der Bau orientiert sich an Schiffen der Wikingerzeit. ​Das offene, klinkergebaute Langschiff besitzt einen Rumpf aus Eiche. Es ist 35 Meter lang, 8 Meter breit und trägt einen 24 Meter hohen Mast aus Douglasie. Das 260 Quadratmeter große Rahsegel besteht aus Seide. Die Crew kann das Schiff segeln oder rudern.

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​Gebaut wurde das Schiff in Haugesund an der norwegischen Westküste. Nach wenigen Jahren Bau folgte der Stapellauf. 2014 segelte die „Draken Harald Hårfagre“ nach Großbritannien. 2016 überquerte sie den Nordatlantik. ​Das Projekt soll praktisch erproben, welche Leistungen mit einem Schiff dieser Bauart möglich sind. Welche Erkenntnisse solche Fahrten über Navigation und Seemannschaft liefern können, zeigt auch ein YACHT-Beitrag darüber, wie sich die Seefahrt der Wikinger heute erforschen lässt.

Mehr zum Schiff und dem Projekt, lesen Sie hier.

​Vom Wikingerschiff zum Boot des Odysseus

Der britisch-amerikanische Filmemacher Christopher Nolan setzt bei seinen Produktionen bevorzugt auf reale Kulissen, Fahrzeuge und Effekte. Die „Draken Harald Hårfagre“ erfüllte diesen Anspruch, würde für ihre Rolle als antikes griechisches Schiff jedoch verändert.

Für die Produktion entfernte man unter anderem den für Wikingerschiffe wie dieses charakteristischen Drachenkopf. Auch moderne Ausrüstung und Aufbauten wurden angepasst oder abgebaut. Äußerlich ließ sich das Langschiff damit an die gewünschte Darstellung der Flotte des Odysseus annähern.

​Historisch identisch sind die Schiffstypen nicht. Zwischen der erzählten Welt der „Odyssee“ und der Wikingerzeit liegen viele Jahrhunderte. Dennoch weisen die langen, offenen und mit Rahsegeln ausgestatteten Fahrzeuge äußerliche Gemeinsamkeiten auf, die der Produktion den Umbau ermöglichten.

​Nach Abschluss der Dreharbeiten kehrte die „Draken Harald Hårfagre“ nach Norwegen zurück. Im Juli 2026 segelte sie nach Oslo und nahm dort an den Feierlichkeiten zur norwegischen Filmpremiere von “Die Odysee” teil.

​Auch die „Glad av Gillberga“ gehörte zur Filmflotte

​Neben der „Draken Harald Hårfagre“ setzte die Produktion weitere historische Wikingerschiffe ein. Dazu gehörte die „Glad av Gillberga“. Der seit rund drei Jahrzehnten existierende Nachbau basiert auf einem um 1040 datierten Wrack, das im Roskildefjord in Dänemark gefunden wurde.

​Auch dieses Schiff war regelmäßig auf Nord- und Ostsee unterwegs und segelte bereits über den Atlantik bis nach Kanada. Betrieben wird es von „Föreningen Vikingaleden“, einer gemeinnützigen Vereinigung aus der schwedischen Region Värmland.

​Nach den Dreharbeiten erhielt der Verein das Wikingerschiff nach eigenen Angaben beschädigt zurück. Freiwillige reparierten einen Riss im Rumpf, ersetzten Teile der Takelage und strichen das Schiff neu. Für die Materialkosten stellte die Vereinigung der Produktion rund 6.000 US-Dollar in Rechnung. Die ehrenamtliche Arbeit der Mitglieder war darin nicht enthalten.

​Rechnungen für Reparaturen inzwischen bezahlt

​Zunächst beklagte der Verein, dass die Reparaturkosten nicht beglichen worden seien - und sorgte damit für international für Schlagzeilen. Medien wie die britische Zeitung “The Guardian” berichteten. Universal widersprach dieser Darstellung und erklärte, alle Rechnungen im Zusammenhang mit der „Glad av Gillberga“ seien bezahlt worden.

​Inzwischen ist der Streit beigelegt. Wie Sveriges Radio zum Abschluss des Zahlungsstreits berichtete, erhielt die Vereinigung die Erstattung. Nach dem aktuellen Stand sind damit alle Rechnungen bezahlt.

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Fabian Boerger

Fabian Boerger

Redakteur News & Panorama

Fabian Boerger ist an der Lübecker und Kieler Bucht zuhause – aufgewachsen in diversen Jollen und an Bord eines Folkeboots. Seit September 2024 arbeitet er als Redakteur im Panorama- und News-Ressort und verbindet dort seine Leidenschaften für das Segeln und den Journalismus. Vor seiner Zeit bei Delius Klasing studierte er Politikwissenschaften und Journalistik, arbeitete für den Norddeutschen Rundfunk und das ZDF. Sein Volontariat machte er bei der MADSACK Mediengruppe (LN, RND). Jetzt berichtet er über alle Themen, die die Segelwelt bewegen – mit dem Blick des Praktikers und der Präzision des Journalisten.

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