Conger auf FoilsRegnoc: 1 – YACHT: 0. Selten so gern eine Wette verloren!

Jochen Rieker

 · 27.07.2021

Conger auf Foils: Regnoc: 1 – YACHT: 0. Selten so gern eine Wette verloren!Foto: YACHT

Segelmacher Frank Schönfeldt will einen Conger zum Fliegen bringen. Seine Fans glauben dran und haben uns bei einer Wette locker besiegt. Respekt, Gemeinde!

An diesem Projekt ist eigentlich alles irre. Von daher darf man sich über nichts wundern. Da ist zunächst mal die Ausgangsidee, die nicht nur ein bisschen an das nautische Pendant zu "Werner: Das Rennen" erinnert, mittlerweile Europas größtes Auto-Happening (echt jetzt!).

Frank Schönfeldt, ungefähr 127-facher Deutscher Meister in mindestens 18 Klassen, darunter auch einige Male im Conger, fand, dass man das Erbstück der hanseatischen Nachkriegsgeschichte, nicht eben bekannt für berauschendes Temperament, unbedingt zum Fliegen bringen müsste. Das hat ja schon bei Opti und Laser geklappt, und auch einigen Generationen von America's Cuppern foilen bekanntlich munter übers Wasser.

Der Ansatz war also zeitgemäß, zugleich ausreichend obskur und Franks Begeisterungsfähigkeit derart mitreißend, dass am Ende selbst Martin Fischer sich breitschlagen ließ mitzumachen. Er ist unter deutschen Konstrukteuren fraglos der ausgewiesenste Foil-Experte, zuletzt in Diensten von Prada Pirelli und bereits an anderer Stelle erneut unter Vertrag. Nein, nicht nur bei Regnoc, das ist ja Ehrenamt, sondern bei einem neuen Cup-Syndikat, das in Kürze von sich reden machen wird.

Und Martin ist Weitem nicht allein. Regnoc, dieser Spleen, der sich stracks zur fixen Idee verselbständigte, zählt inzwischen mehr als 1800 Unterstützer quer durch absolut alle Sparten des Segelsports – von Ausrüstern, Materialexperten, Vereinspräsidenten, ehemaligen Olympiateilnehmern bis hin zu Fahrtenseglern. Mehr Begeisterung und Sachverstand ist kaum sonstwo zu finden, ausgenommen vielleicht die boot Düsseldorf.

Zu was die Fans in der Lage sind, ist noch gar nicht abzusehen. Es gibt da eine Vision, die von einem Segelfest rund um die Hamburger Außenalster handelt, von einem foilenden Conger, reichlich Wind, ohne welchen dieser kaum auf seine Carbonstelzen kommen wird, aber auch jeder Menge lauter Musik, beseelenden Getränken, freundlichen Ordnungskräften mit "Foilizei"-Bappern auf der Uniform und anderem Tüdelüt. Genau das also, was die sonst eher etwas, nun ja, reservierte Hansestadt nach quälend langem Pandemie-Verzicht braucht.

Wir glauben daran! Wir wissen, was die Kraft einer Schnapsidee bewirken kann. Denn wir sind in den vergangenen Wochen Opfer des Regnoc-Clans geworden.

Fahrlässigerweise hat Kollege Fridtjof Gunkel eine Wette angenommen, von der eigentlich klar war, dass wir sie nur verlieren können. Die ging so: Als Frank Schönfeldt mitbekommen hat, dass YACHT-Autorin Tatjana "Tati" Pokorny, derzeit maskiert in Enoshima im Einsatz, in YACHT 14 über das Projekt Regnoc berichten würde, schlug er uns einen Deal vor. Wenn seine Unterstützer 500 Exemplare der nämlichen Ausgabe kaufen, berichten wir gleich nochmal. Wenn sie das nicht schaffen, nimmt er die gesamte Redaktionscrew zum Rundflug um die Alster mit. Da es um den Sport ging und um eine schräge, aber doch liebenswerte Sache, konnten wir natürlich nicht nein sagen. Die Wette galt also.

Das Ergebis war, na klar, absehbar.

Aus allen Teilen der Republik und etlichen internationalen Destinationen regnete es fortan Mails mit Beweisfotos vom Kauf der YACHT 14. Darunter allerlei lustige Variationen: Regnoc-Fan mit YACHT 14 beim Baden, Katze vom Regnoc-Fan mit YACHT 14 beim Spielen, Kinder und Enkel von Regnoc-Fans mit YACHT 14.

So viele Zuschriften gingen ein, dass unser Mailserver zweimal streikte und die IT-Kollegen im Delius Klasing Verlag in Bielefeld den Speicherplatz erweitern mussten. Unser Vertriebspartner wurde mit Online-Bestellungen regelrecht geflutet. Und als im Großraum Hamburg zwischenzeitlich der Heft-Nachschub stockte, firmierte ein Edeka-Marktleiter in Bahrenfeld durch Sonderbestellungen zum Grossisten um, von den Fans fortan als "Dealer des Vertrauens" tituliert.

Das amtliche Endergebnis, in der Regnoc-Gruppe auf Facebook feierlich von Peter Meyer verkündet, so einer Art Old Surehand des Yachtsports im Allgemeinen und Meister des Frohsinns im Besonderen, lautete: 658 Exemplare. Damit stand fest: Regnoc: 1 – YACHT: 0.

Und damit Sie wissen, wer die sind, die uns da in die Knie gezwungen haben: Hier das offizielle und aktualisierte Wimmelbild mit (hoffentlich!) allen Wettkönigen und Wettköniginnen.

Das gibt's samt einer Verbeugung vor so viel Begeisterungsfähigkeit gedruckt auch in der neuen YACHT 16, die von jetzt an in gut sortierten Kiosken wie dem von Boris in Hamburg-Bahrenfeld liegt. Und natürlich online (hier klicken!). Der Erlös aus der Aktion kommt natürlich dem Projekt zugute, über das wir auch weiterhin ausführlich berichten werden. Wir sind, bei aller gebotenen Neutralität und Distanz, ja längst selbst der Bewegung verfallen.

Wie singt Frank Schönfeldt in einem seiner jüngsten Songs so treffend: "Flieg, Regnoc, flieeeeg!"

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