Carlo Borlenghi NachrufBilder für die Ewigkeit

Martin Hager

 · 04.08.2026

Eindrucksvolle Arcus-Wolke (Rollwolke) beim Rolex Sydney Hobart Race.
Foto: Carlo Borlenghi, Rolex
​Carlo Borlenghi hat nicht einfach Fotos gemacht – er hat den Segelsport für die Welt sichtbar gemacht, ihm ein Gesicht, eine Seele und eine unverwechselbare Bildsprache gegeben. Mit seinem Tod verliert der Segelsport nicht nur einen seiner bedeutendsten Chronisten, sondern einen echten Poeten des Lichts und der Meere.

​Jeder Segler auf der Welt kennt seine Bilder! Die gischtgesprenkelten Bugwellen eines America's-Cup-Racers, der in der Abendsonne aufleuchtet. Die einsame Silhouette eines Einhandskippers irgendwo zwischen Himmel und Ozean. Das erschöpfte Lächeln einer Crew nach Wochen auf hoher See.

Der Mann hinter der Linse

Carlo Borlenghi wurde 1956 in Bellano am Comer See geboren und wuchs mit einer tiefen Leidenschaft für das Wasser auf. Was als jugendliche Faszination für Segelboote begann, verwandelte sich schon früh in eine doppelte Obsession: die Schönheit des Segelns einzufangen und sie mit der Welt zu teilen. Mit seiner Kamera in der Hand und dem Wind im Rücken begann er in den frühen 1980er-Jahren, bei regionalen Regatten und lokalen Segelclubs erste Erfahrungen zu sammeln. Schnell wurde klar, dass Borlenghi ein außergewöhnliches Auge besaß – für das Licht, das sich in einem Segel bricht, für den entscheidenden Moment, in dem ein Boot abhob und zu fliegen schien, für die menschlichen Dramen, die sich an Bord abspielten.

Über seine Agentur Sea&See und später sein weltbekanntes Studio Borlenghi entwickelte er sich zu einem der gefragtesten Segelfotografen der Welt. Seine Bilder erschienen in nahezu jeder bedeutenden Segelzeitschrift des Planeten – von „Sail" über „Yachting World" und natürlich YACHT bis hin zu nationalen und internationalen Tageszeitungen. Verlagshäuser, Segelverbände, Bootswerften und Ausrüsterhersteller auf der ganzen Welt buchten Carlo Borlenghi, weil sie wussten: Wenn Borlenghi hinter der Kamera steht, entsteht keine Dokumentation – es entsteht Kunst.

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Vier Jahrzehnte auf dem Meer

Über mehr als vier Jahrzehnte war Carlo Borlenghi bei den größten Segelregatten der Welt zugegen. Er fotografierte unzählige Ausgaben des America's Cup – von den klassischen Duellen auf dem Wasser bis hin zur modernen Ära der fliegenden Katamarane. Er begleitete das Volvo Ocean Race, ehemals bekannt als Whitbread Round the World Race und eine der härtesten Regatten der Erde. Er war dabei, wenn Vendée-Globe-Helden nach monatelanger Einsamkeit auf See und unendlichen sportlichen Strapazen nach Les Sables zurückkehrten. Er hielt Jules-Verne-Rekordversuche in Bildern fest, die einem den Atem verschlagen.

Dabei scheute Borlenghi keine Mühe und keine Gefahr. Er hing aus Hubschraubern, um den perfekten Winkel zu finden. Er saß auf kleinen Ribs und wurde von Wellen durchgeschüttelt, während er seine Kamera trocken hielt. Er wartete stundenlang auf das richtige Licht, das er mit der Intuition eines echten Künstlers zu lesen verstand. Für ihn war ein Foto nie einfach ein Schnappschuss – es war das Ergebnis von Vorbereitung, Geduld, Erfahrung und einer tiefen Liebe zu dem, was er fotografierte.

Was er dem Segelsport gegeben hat

Carlo Borlenghis Bedeutung für den Segelsport lässt sich kaum in Worte und in Zahlen fassen. Doch sein Beitrag ist enorm. Er hat eine Sportart, die außerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft lange Zeit als elitär und schwer zugänglich galt, für ein weltweites Publikum geöffnet. Seine Bilder erzählten Geschichten – von Mut und Erschöpfung, von der Kraft der Natur und der Zerbrechlichkeit des Menschen auf dem Meer. Sie zeigten die Schönheit des Segelns so überzeugend, dass unzählige Menschen durch seine Aufnahmen überhaupt erst den Weg zum Segeln fanden.

Er war es, der dokumentierte, wie sich der Segelsport technologisch revolutionierte. Von den klassischen Einrumpf-Duellen beim America’s Cup der 1980er-Jahre bis zu den foilenden Hightech-Maschinen des modernen Rennsegelsports. Borlenghi war immer dabei und hielt den Wandel mit einem bewundernswerten Blick für das Wesentliche fest. Er arbeitete mit den größten Seglern seiner Zeit zusammen, mit den Teams der mächtigsten Syndikate, mit den einsamen Soloskippern und er schenkte jedem dieser Menschen und Momente die Würde, die sie verdienten.

Ein Erbe, das bleibt

Carlo Borlenghi hinterlässt ein fotografisches Erbe von unschätzbarem Wert – ein Archiv, das die Geschichte des modernen Segelsports wie kaum ein anderes dokumentiert. Seine Bilder werden in Büchern, Ausstellungen und auf den Wänden von Segelclubs rund um den Globus weiter sprechen, lange nachdem der Mann, der sie gemacht hat, nicht mehr unter uns ist. Bleiben werden die Erinnerung an sein einzigartiges Lächeln, an den auffallend freundlichen und großzügigen Fairplayer, an den überzeugten Talentförderer und natürlich sein Werk.

Der Segelsport verliert mit Carlo Borlenghi eine unersetzliche Stimme. Das Meer verliert einen seiner treuesten Beobachter. Und wir alle verlieren denjenigen, der uns immer wieder gezeigt hat, warum wir das Segeln so sehr lieben.

Danke, Carlo – für jedes einzelne Bild.

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Martin Hager

Martin Hager

Chefredakteur YACHT und BOOTE Exclusiv

Martin Hager ist Chefredakteur der Magazine YACHT und BOOTE EXCLUSIV. Er segelt seit seiner Kindheit, Surfen, Kitesurfen und Wingfoilen ergänzen seit vielen Jahren seinen sportlichen Horizont. Die Liebe zum Wassersport führte ihn zum Schiffbaustudium und von dort im Jahr 2004 in die Hamburger Redaktion des Delius Klasing Verlages. Seine Leidenschaft für den Bootsbau, die Yachtbranche und die spannenden Charaktere, die das Yachting prägen, gibt er mit Freude weiter – sei es in seinen Artikeln, als auch im Gespräch mit Lesern und der Branche.

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