Jede Ankunft verläuft anders – und oft auch ganz anders als erwartet. Vor allem nach Weltreisen, wenn man lange fern der heimischen Gewässer war. Ein Beispiel dafür ist die Heimkehr des deutschen Segelpioniers Wilfried Erdmann. Nach 421 Tagen und insgesamt 29.380 Seemeilen im Kielwasser kehrte Erdmann 1969 als erster Deutscher zurück, der solo einmal um den gesamten Erdball gesegelt ist.
Je näher er der Insel Helgoland kam, desto größer wurde seine Vorfreude. In sein Logbuch notierte er am 127. Tag nach dem Aufbruch in Kapstadt: „Wird Zeit, dass ich an Land komme, merke mehr und mehr, dass ich am Ende bin. Gedanken kreisen manchmal stundenlang um schmackhaftes Essen. Fantasiere vom ersten Landgang: (…). Das werde ich genießen wie nie zuvor.“
Doch statt Ruhm und Ehre, wie sie etwa britischen Weltumseglern nach einer solchen Leistung zuteilwurden, waren die Tage nach seiner Ankunft alles andere als rühmlich: Keine Parade erwartete ihn, kein Empfang. Stattdessen sah er sich dem Vorwurf ausgesetzt, ein Betrüger zu sein. Reporter zweifelten zunächst seine Leistung an. Man unterstellte ihm, die Reise erfunden zu haben. „Lügenbaron zur See“ habe man ihn genannt, schreibt Erdmann in seinem Buch über die Reise, das wenige Jahre später zum Klassiker der Segelliteratur wurde.
Erst geraume Zeit später, als sich seine Leistung anhand der penibel geführten Logbücher zweifelsfrei belegen ließ, verstummten die Stimmen der Kritiker. An ihre Stelle traten jene der begeisterten Fans, die ihm nacheiferten, den Pionier für seine Leistung bewunderten – und ihn noch heute als legendären Segler in Ehren halten.
Nun ist dieses Beispiel aus der Geschichte des Segelsports sicherlich ein besonderer Fall, nicht zuletzt angesichts seiner Tragweite. Doch es zeigt eindrücklich, wie individuell, mitunter überraschend eine Heimkehr sein kann.
Dass sie sich von Fall zu Fall unterscheiden, sagt auch Marcus Warnke. Er ist der Vorsitzende von Trans-Ocean, Deutschlands größtem Netzwerk für Blauwasser- und Fahrtensegler. „Menschen, die losfahren, haben oft die gleichen Fragen: Welches Schiff, welche Route, was muss man beachten?“
Wer wiederum von einer Weltumseglung zurückkehrt, stehe vor ganz anderen Herausforderungen, sagt Warnke. Ihnen stellen sich neue Fragen: Führt der Weg zurück in alte Strukturen? Wie und wo will man leben? Und bei der wachsenden Zahl weltreisender Familien: Wie geht es für die Kinder weiter? Hinzu komme, dass das Leben auf See die Menschen verändert. Gerade bei längeren Reisen sei das der Fall, so Warnke. Die Erfahrungen, die sie sammeln, die Erlebnisse, die sie prägen, die Sicht auf die Welt in Gänze. All diese Eindrücke gebe der klassische Alltag nicht mehr her. „Das Leben ist danach ein anderes.“
Gleichzeitig bleibt das Leben in der Heimat nicht stehen. Stattdessen entstehen zwei parallele Leben: eines in der Heimat und eines auf See. Miteinander verknüpfen lassen sie sich kaum. Vielleicht ist das der Grund, warum einige unmittelbar nach der Ankunft wieder auf See zurückkehren.
Andere finden in der Ferne eine neue Heimat. Sie sind für Trans-Ocean besonders wichtig, sagt Warnke, weil sie Stützpunkte in aller Welt gründen und leiten.
Was alle Heimkehrer allerdings gemeinsam haben, sind die Erfahrungen und Geschichten, die sie von ihren Blauwasserreisen mit nach Hause bringen. Sie legen den Grundstein dafür, dass wieder andere aufbrechen. Kaum eine Reise steht mehr dafür als Wilfried Erdmanns erste Weltumsegelung. Niedergeschrieben in seinem Buch „Mein Schicksal heißt ‚Kathena‘“, wurden seine Erlebnisse zur Inspiration und zum Ansporn für zahlreiche deutsche Segler, die es ihm gleichtaten.
Drei bis fünf Jahre wollten Asha Reich und Helge Aßmann ursprünglich unterwegs sein. Daraus wurden zehn. Auf ihrer „Gegenwind“, einem GFK-Klassiker vom Typ Hanseat 70, umsegelten sie die Welt. Dabei legten sie insgesamt 30.000 Seemeilen zurück und erlebten zahlreiche Abenteuer: Mehrere Wochen am Stück überquerten sie Ozeane, überstanden Stürme, suchten Schutz vor Zyklonen und Hurrikans. Während der Coronapandemie wurde ihr Schiff zudem auf eine harte Probe gestellt: Vor der thailändischen Westküste liefen sie auf einem Riff auf. Der Kiel erlitt schwere Schäden; eine letzte GFK-Schicht verhinderte den Verlust des Bootes. Seit Ende September 2024 sind sie wieder zurück in Kiel, und die nächste große Herausforderung steht ihnen bevor – das Ankommen in der Heimat.
Helge: Definitiv Letzteres in Deutschland.
Asha: Im Einwohnermeldeamt fragte man uns, wo wir zuletzt gemeldet waren. Zuletzt waren wir vor zehn Jahren gemeldet. Ein Ankerplatz zählt ja nicht – das war durchaus ein Problem.
Helge: Nein, man will erst mal fliehen. Auch in Australien oder Thailand wartet Behördenkram. Doch jetzt stand etwas Langfristiges an: Wir mussten sämtliche Dokumente aktualisieren. Doch in Deutschland verlangt jeder eine Meldeadresse: die Bank, die Versicherung, der Arbeitgeber. Ohne festen Wohnsitz läuft nichts. Als wir 2014 aufbrachen, hatten wir uns von alledem getrennt.
Asha: Ja, und es wurde immer feuchter und kälter, trotz Heizung, die nach zehn Jahren Tropen noch lief. Als wir umziehen konnten, waren wir erleichtert: raus aus der Tropfsteinhöhle, rein ins Warme.
Helge: Der erste Sturm war ein Krankenhausaufenthalt – einen Monat nach der Ankunft. Wir waren gerade dabei, das Schiff auszuräumen und umzuziehen, als die Bauchschmerzen kamen. Diagnose: Blinddarmdurchbruch. Acht Tage lag ich im Krankenhaus.
Asha: Wir wollten uns von den Kanaren aus bewerben, doch wir hatten den Eindruck, dass ein „Wohnort“ im Ausland nicht gerne gesehen wird. Wieder war die Meldeadresse ein Problem.
Helge: Als wir die hatten, konnte es losgehen. Doch obwohl es heißt, die Jobs lägen auf der Straße, erfuhr ich Ressentiments – gegen das Alter, gegen einen Lebenslauf, der vom Normalen abweicht. Es dauerte länger, bis ich etwas fand.
Asha: Bei mir war es anders. Ich startete später mit der Suche – wir wollten flexibel bleiben, falls Helge umziehen müsste. Ich suchte im Umfeld meiner alten Arbeit, und das funktionierte.
Helge: Das ist bis heute so. Die Sprache ist dieselbe, die Menschen irgendwie auch. Doch wir haben uns weiterentwickelt – und die Welt ist eine andere. Der Austausch ist weniger geworden. Die Menschen sind vorsichtiger.
Helge: Nein, schlimm ist nichts, aber alles dauerte länger als gedacht. Wir wollten Anfang des Jahres mit unseren Vorträgen starten und mit unserem Buch weiter sein. Doch das musste bislang hintanstehen.
Asha: Was mir Sorgen machte, war die Kälte. Wir hatten durchgängig deutlich über 20 Grad. Wir hatten gelesen, dass es in deutschen Büros darunter sein kann.
Helge: Nein, noch gar nicht. Freunde von uns sind ein zweites Mal in die Karibik gesegelt – und waren enttäuscht. Die Boote seien größer, die Ankerplätze voller. Das würde uns ähnlich ergehen. Die Ostsee mit ihren Veränderungen zu erkunden, das wäre spannend, aber im Moment macht die Arbeit Spaß.
Helge: Es ist ein Teil unseres Lebens. Es war gut, alles loszulassen und aufzubrechen. Ich würde es jederzeit wieder machen.
Asha: Es war richtig, aber wir haben sicherlich einige Fehler gemacht.
Asha: „Gegenwind“ ist für eine so lange Zeit etwas zu klein. Man muss ständig umräumen, kann schlichtweg weniger Vorräte lagern.
Helge: Wer losfahren will, muss loslassen. Einige Dinge bleiben unvorbereitet. Damit muss man rechnen und es akzeptieren.
Asha: Vor unserer Abfahrt sagte man uns: Legt einen Termin fest und segelt los. Knapp ein Jahr im Voraus haben wir diesen festgelegt und auch gehalten.
Asha: Unsere Herausforderung ist das Ankommen. Manchmal fühlen wir uns wie Touristen. Wir müssen noch viel entdecken, bis das abgeschlossen ist.
Sieben Jahre auf See, 40 Länder und ein besonderes Antriebskonzept – Familie Lohmüller hat mit ihrer „Jajapami“, einer Saba 50 von Fountaine Pajot, eine außergewöhnliche Weltumseglung abgeschlossen. Das Besondere: Statt auf konventionelle Dieselmotoren setzten sie auf ein elektrisches Antriebs- und Versorgungssystem. Vor einem Jahr kehrten sie nach Europa zurück. Den nachhaltigen Lebensstil haben sie beibehalten, doch ihr Zuhause ist ein anderes. Und auch sonst hat sich vieles verändert.
Jana: Die Entscheidung stand bereits, als wir 2017 losfuhren. Wir waren damals drei Monate auf den Kanaren. Da haben wir gesagt: Finden wir keinen besseren Fleck auf der Welt, kehren wir zurück. Es war nie der Plan, zurück nach Deutschland zu gehen.
Jana: Das Klima ist herrlich – und es gehört zu Europa. Freunde und Familie können uns oft besuchen. Damals war uns auch die Deutsche Schule hier wichtig. Mittlerweile sehen wir das anders und die Jungs gehen auf eine spanische Schule. Uns war klar, dass wir noch eine Weile an Bord leben würden. In Las Palmas liegen wir im Zentrum der Stadt und es ist das ganze Jahr Segelsaison.
Jan-Dirk: Zweieinhalb Monate haben wir an diesem Plan gearbeitet, mit Steuerberatern und Spezialisten gesprochen. Aber alleine die Anmeldung im spanischen Schiffsregister würde 12 Prozent des Bootspreises kosten. Dazu käme eine Importsteuer von 15 Prozent, und mit unseren Segelscheinen dürften wir unser eigenes Schiff auch gar nicht mehr fahren. Darum haben wir entschieden, die „Jajapami“ jetzt zu verkaufen und an Land zu leben.
Jana: Ja. Wir haben Interessenten aus aller Welt, aber einen großen Langfahrtkatamaran zu verkaufen dauert seine Zeit. Wir trennen uns nicht gerne, auch weil wir viel investiert und optimiert haben. Aber es wird für uns Zeit für einen Neuanfang.
Jana: Die wichtigste Frage war: Wie geht es mit den Kindern weiter? Entgegen unseren alten Plänen gingen sie direkt auf eine spanische Schule. Das war eine super Entscheidung. Paul schreibt seine Aufsätze mittlerweile auf Spanisch, und die Kinder integrieren sich besser.
Jana: Nein, die Noten sind super. Die Jungs können sich schnell in neuen Situationen zurechtfinden. Kameraden zu haben, die nicht irgendwann weitersegeln, ist neu und toll.
Jana: Die ersten Schritte sind gemacht, aber es braucht Zeit.
Jan-Dirk: Bürokratie ist ein Thema. Wir würden uns am liebsten sofort in Spanien anmelden – doch das Boot steht uns im Weg, denn wir müssten es importieren. Wir suchen also erst nach dem richtigen Käufer und ziehen dann an Land.
Jana: Nicht oft. Den Blog haben viele gerne gelesen, aber niemand hört gerne alte Urlaubsgeschichten von anderen. Unter Seglern entstehen hingegen häufiger Gespräche. Unsere Erfahrungen verstauben also nicht – es braucht nur die richtigen Menschen, mit denen man sie teilt.
Jana: Unverändert positiv. Es ist die Technik der Zukunft, und wir sind dabei.
Jan-Dirk: Bis heute ist der E-Antrieb noch Exot, auch wenn sich einiges bewegt. Für uns sind es nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch geringe Unterhaltskosten, Langlebigkeit und Effizienz. Die Hydrogeneration unter Segeln ist ein Riesenvorteil.
Jana: Die Menschen tun sich schwer mit Nachhaltigkeit, dabei liegt es auf der Hand, dass sich mit mehr Effizienz viel Geld sparen lässt, auch wenn man anfangs investieren muss.
Jan-Dirk: Zunächst wollen wir hier etwas Eigenes auf die Beine stellen. Noch steht uns die „Jajapami“ im Weg. Sobald sie verkauft ist, können wir investieren und eigene Ideen umsetzen – darauf freuen wir uns.
Jana: Das allein ist momentan Abenteuer genug. Wenn alles steht und wieder Ruhe in unsere Leben eingekehrt ist, kannst du uns gerne erneut fragen.

Redakteur News & Panorama