AtlantikabenteuerBelgier will als Erster kitesurfend über den Ozean

Lars Bolle

 · 16.03.2026

Koen Darras beim Kite-Training.
Foto: youtube/Koen Darras
Noch nie hat ein Mensch den Atlantik auf einem Kitesurfboard überquert. Koen Darras will das ändern. Der 37-jährige Belgier plant für November 2026 eine der spektakulärsten Extremsportaktionen der Welt: 2.700 Seemeilen von den Kanarischen Inseln bis in die Karibik, solo, ohne Motor, angetrieben allein vom Wind.

Ein Mann, ein Kite, ein Ozean

Koen Darras, Unternehmer und Abenteurer aus dem belgischen Torhout, will sich mit nichts weiter als einem Kiteboard und einem Kite auf eine der gefährlichsten Reisen wagen, die der Ozean zu bieten hat. Rund 2.700 Seemeilen offenes Wasser liegen zwischen den Kanarischen Inseln und der Karibik, und genau diese Strecke will Darras als erster Mensch allein kitend bezwingen.

Die Route: Mit dem Passat in die Karibik

Die Expedition soll auf den Kanarischen Inseln vor der Westküste Afrikas beginnen. Von dort will Darras zunächst nach Kap Verde kiten, bevor er sich in den offenen Atlantik vorwagen will, dem Passatwind folgend, der ihn Richtung Karibik tragen soll.

Die beständigen Winde zwischen 15 und 25 Knoten, die Segler seit Jahrhunderten für ihre Atlantiküberquerungen nutzen, sollen auch für den Kite die zuverlässigste Energiequelle auf dem Ozean sein.

Rund 92 Seemeilen am Tag – zehn Stunden auf dem Wasser

Die Zahlen hinter dem Vorhaben sind beeindruckend. Täglich will Darras rund 92 Seemeilen zurücklegen und dafür bis zu zehn Stunden auf dem Board stehen. Bei günstigen Wind- und Wetterverhältnissen soll die gesamte Überfahrt in 30 bis 40 Tagen abgeschlossen sein.

Nachts soll Darras auf einem begleitenden Segelboot Schlaf und Erholung finden. Die Fortbewegung selbst soll jedoch zu jeder Zeit ausschließlich durch Kite und Board erfolgen, ganz ohne Motorhilfe.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Das Begleitschiff: Sicherheitsnetz auf dem Atlantik

Eine 52-Fuß-Stahlketch, die Expeditionsyacht „Windfall“, soll Darras auf der gesamten Route begleiten. An Bord soll ein Team aus Meeresmeteorologen und Navigationsexperten ihn rund um die Uhr überwachen und bei technischen Problemen unterstützen.

Das Boot soll jedoch ausdrücklich nicht als Antriebsmittel dienen. Die Regeln des Projekts sind klar: Jede zurückgelegte Seemeile muss allein durch Windkraft und das Können des Kiters erreicht werden.

Mehr als ein Rekord: Wissenschaft auf dem Atlantik

Darras versteht sein Projekt nicht nur als sportliche Grenzerfahrung. Während der Überfahrt sollen kontinuierlich wissenschaftliche Daten erhoben werden, in Kooperation mit Forschern aus mehreren Disziplinen.

Gemessen werden sollen unter anderem:

  • Wassertemperatur und Salzgehalt des Atlantiks
  • Vorkommen und Verteilung von Mikroplastik
  • Wetter- und Strömungsmuster entlang der Route

Die gesammelten Daten sollen nach der Expedition der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden und sollen Einblicke in den Zustand des Atlantischen Ozeans liefern.

Kein Anfänger im Extremsport

Koen Darras ist kein Unbekannter in der Welt der Extremabenteurer. Der 37-Jährige hat bereits den Mount Denali in Alaska, den Mont Blanc, das Matterhorn und den Eiger in den Alpen bezwungen.

Mit dem Atlantikprojekt, das er auf seiner Website atlanticcrossing.world dokumentiert, will er nun die Grenze zwischen Berg und Meer hinter sich lassen und ein Kapitel schreiben, das vor ihm noch niemand aufgeschlagen hat.

Start im November 2026

Geplant ist der Aufbruch für November 2026, wenn die Passatwinde verlässlich wehen und die Atlantiksaison für solche Expeditionen am günstigsten ist. Bis dahin läuft die Vorbereitung auf Hochtouren, körperlich, logistisch und wissenschaftlich.

Lars Bolle

Lars Bolle

Chefredakteur Digital

Lars Bolle ist Chefredakteur Digital und Gründer von YACHT-Online. Viele Jahre war der Diplom-Sportwissenschaftler als Redakteur der YACHT in den Bereichen Sport und Seemannschaft tätig und hat die größten Segelsport-Veranstaltungen der Welt begleitet, vom America's Cup bis zu Olympischen Spielen. Seine persönliche Segel-Vita reicht vom Leistungssport in der Jolle (Deutscher Meister 1992 im Finn Dinghi) über historische und moderne Jollenkreuzer bis hin zu europaweiten Charter-Törns.

Meistgelesen in der Rubrik Special