Koen Darras, Unternehmer und Abenteurer aus dem belgischen Torhout, will sich mit nichts weiter als einem Kiteboard und einem Kite auf eine der gefährlichsten Reisen wagen, die der Ozean zu bieten hat. Rund 2.700 Seemeilen offenes Wasser liegen zwischen den Kanarischen Inseln und der Karibik, und genau diese Strecke will Darras als erster Mensch allein kitend bezwingen.
Die Expedition soll auf den Kanarischen Inseln vor der Westküste Afrikas beginnen. Von dort will Darras zunächst nach Kap Verde kiten, bevor er sich in den offenen Atlantik vorwagen will, dem Passatwind folgend, der ihn Richtung Karibik tragen soll.
Die beständigen Winde zwischen 15 und 25 Knoten, die Segler seit Jahrhunderten für ihre Atlantiküberquerungen nutzen, sollen auch für den Kite die zuverlässigste Energiequelle auf dem Ozean sein.
Die Zahlen hinter dem Vorhaben sind beeindruckend. Täglich will Darras rund 92 Seemeilen zurücklegen und dafür bis zu zehn Stunden auf dem Board stehen. Bei günstigen Wind- und Wetterverhältnissen soll die gesamte Überfahrt in 30 bis 40 Tagen abgeschlossen sein.
Nachts soll Darras auf einem begleitenden Segelboot Schlaf und Erholung finden. Die Fortbewegung selbst soll jedoch zu jeder Zeit ausschließlich durch Kite und Board erfolgen, ganz ohne Motorhilfe.
Eine 52-Fuß-Stahlketch, die Expeditionsyacht „Windfall“, soll Darras auf der gesamten Route begleiten. An Bord soll ein Team aus Meeresmeteorologen und Navigationsexperten ihn rund um die Uhr überwachen und bei technischen Problemen unterstützen.
Das Boot soll jedoch ausdrücklich nicht als Antriebsmittel dienen. Die Regeln des Projekts sind klar: Jede zurückgelegte Seemeile muss allein durch Windkraft und das Können des Kiters erreicht werden.
Darras versteht sein Projekt nicht nur als sportliche Grenzerfahrung. Während der Überfahrt sollen kontinuierlich wissenschaftliche Daten erhoben werden, in Kooperation mit Forschern aus mehreren Disziplinen.
Die gesammelten Daten sollen nach der Expedition der Forschungsgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden und sollen Einblicke in den Zustand des Atlantischen Ozeans liefern.
Koen Darras ist kein Unbekannter in der Welt der Extremabenteurer. Der 37-Jährige hat bereits den Mount Denali in Alaska, den Mont Blanc, das Matterhorn und den Eiger in den Alpen bezwungen.
Mit dem Atlantikprojekt, das er auf seiner Website atlanticcrossing.world dokumentiert, will er nun die Grenze zwischen Berg und Meer hinter sich lassen und ein Kapitel schreiben, das vor ihm noch niemand aufgeschlagen hat.
Geplant ist der Aufbruch für November 2026, wenn die Passatwinde verlässlich wehen und die Atlantiksaison für solche Expeditionen am günstigsten ist. Bis dahin läuft die Vorbereitung auf Hochtouren, körperlich, logistisch und wissenschaftlich.

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