Corona-KriseEndstation Karibik? Deutsche Segler planen Törn nach Hause

Kristina Müller

 · 25.03.2020

Corona-Krise: Endstation Karibik? Deutsche Segler planen Törn nach HauseFoto: Segeljungs

Die Hurrikan-Saison in der Karibik rückt näher, viele Langfahrtsegler müssten bald weiterreisen. Doch die Corona-Pandemie macht das derzeit nahezu unmöglich

Wie in Europa und überall auf der Welt hat sich auch das Leben für Segler auf großer Fahrt im Zuge der Corona-Pandemie im Handumdrehen geändert. In Zeiten von plötzlichen Grenzschließungen und touristischen Reiseverboten ist die Unsicherheit, nirgendwo mehr einreisen zu können und eventuell sogar ausgewiesen zu werden, groß. YACHT online hat bereits über die Lage einiger Crews berichtet.

Für all diejenigen, die derzeit mit ihrem Schiff in der Karibik sind, kommt allerdings erschwerend hinzu, dass dort im Frühsommer die Hurrikan-Saison beginnt und die Karawane der Langfahrtsegler normalerweise derzeit die Reise durch den Panamakanal in den Pazifik fortsetzt. Oder aber die Crew verholt ihr Boot an einen Platz außerhalb des Hurrikan-Gürtels.

Beides ist derzeit unmöglich, die Segler sorgen sich, wie es weitergehen wird.

Kein einfacher Weg zurück

Einen Ausweg sehen viele nun nur noch in dem großen Schlag zurück ins Heimatland. Für die deutschen Karibiksegler bedeutet das: gut 4000 Seemeilen zurück über den Nordatlantik, in Zeiten, in denen einen große Unsicherheit darüber herrscht, ob Etappenhäfen, etwa auf den Azoren oder in Westeuropa, Segler überhaupt hereinreinlassen. Und sei es nur zum Verproviantieren und Treibstoff-Bunkern.

Auch alle, die gar keine Weltumsegelung, sondern einfach eine anstehende Atlantiküberquerung gen Europa geplant hatten, stehen vor diesen Fragen. Die für so einen Törn benötigte Logistik wird zur immensen Herausforderung, Überführungscrews können beispielsweise nicht anreisen.

Unter den deutschen Karibik-Seglern formiert sich daher derzeit eine Initiative zum gemeinsamen Informationsaustausch und zur Kontaktaufnahme zu Behörden. In dem Netzwerk tauschen sich die Segler aus, welche Häfen noch angelaufen werden können und wie Ein- und Ausklarierungsregeln sowie die Versorgungslage vor Ort sind.

Krisenmanagement per WhatsApp-Gruppe

Zu diesem Zweck wurde am 24. März die WhatsApp-Gruppe "Sailing Home German" gegründet. Sie hat bereits über 100 Mitglieder – deutsche Blauwassersegler, die sich nun abstimmen und Informationen teilen, wie der große Sprung zurück trotz der Krise gelingen und wie von offizieller Seite Unterstützung eingeholt werden kann.

Mittels einer Online-Umfrage sammeln die Segler ihre geplanten Abreise-Termine. Zudem wurde eine Petition an das Auswärtige Amt gestartet, in der bisher knapp 500 Segler an die deutsche Regierung appellieren, dass es für die Zurück-Segler "sichere Häfen in allen Ländern gibt. (...) Bitte helfen Sie uns!"

Hoffnung auf Azoren-Pitstop

Die drei Azoren-Häfen Horta/Faial, Ponta Delgada/São Miguel und Angra do Heroísmo/Terceira sollen laut www.noonsite.com auch derzeit noch Yachten einlaufen lassen, wenn auch unter verschärften Bedingungen.

Trans-Ocean berichtete dazu auf Basis der Stützpunktmeldungen mit Stand vom 17. März:

"Portugal – Azoren – Alle Häfen sind bis zum 14.04. (Update 17.3.) geschlossen – von Horta heißt es: Segelboote können Horta anlaufen, müssen sich aber (möglichst 24 Stunden vorher) per VHF / Telefon anmelden und Erlaubnis erfragen. Dürfen dann im Hafenbecken ankern, bis ein Gesundheitsbeauftragter (delegado de saúde) an Bord kommt und die Erlaubnis erteilt, Wasser oder Diesel zu tanken. Die Crew darf nicht an Land gehen. Lebensmittel zu bunkern geht nur über eine Drittperson an Land (gilt vorerst bis zum 31.3.)."

ARC Europe erwägt Routenänderung

Auch der britische World Cruising Club (WCC), Veranstalter der jährlichen Atlantic Rally for Cruisers und weiterer Blauwasser-Flottillen, muss hinsichtlich der Anfang Mai anstehenden "ARC Europe" womöglich umplanen. Eigentlich führt die Route von Tortola, Bermuda oder Portsmouth/USA via die Azoren nach Lagos oder Plymouth in Europa.

Es werde nun möglicherweise andere Ausgangshäfen geben, heißt es beim WCC. Der Zwischenstopp auf den Azoren werde nur ein kurzer Versorgungsstopp sein.

"Es besteht kein Zweifel, dass die Rally eine abenteuerliche Überführung sein wird und nicht für diejenigen geeignet ist, die eine Entdeckungsreise über den Atlantik planen. Für die ist es besser, sie um ein Jahr zu verschieben", heißt es in einer Erklärung des WCC.

Man habe alle Teilnehmer des Jahres 2020 angeschrieben und angeboten, die Teilnahme auf das nächste Jahr zu verschieben. Allen, die dennoch in diesem Jahr über den Atlantik segeln wollen, sichere man größtmögliche Unterstützung zu.

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