An der deutschen Ostseeküste droht ab heute Abend (Samstag, 17. Oktober 2026) eine Sturmflut. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erwartet die höchsten Wasserstände in der Nacht zum Sonntag und am Sonntag tagsüber. Gleichzeitig kann der Wind auffrischen. Für Boote im Hafen bedeutet das eine doppelte Belastung: steigendes Wasser und zusätzliche Kräfte durch Wind und Bewegung.
Die Prognose ist allerdings noch mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Die Vorhersagen für einzelne Häfen können deshalb noch deutlich voneinander abweichen.
Für die Nacht von Samstag auf Sonntag nennt das BSH derzeit folgende Bereiche:
Die Angaben beziehen sich auf Normalhöhennull (NHN). An der deutschen Ostseeküste entspricht NHN dem Seekartennull – also der Bezugsebene für die Tiefenangaben in der Seekarte. Ein Wasserstand von einem Meter über NHN bedeutet dort rechnerisch einen Meter mehr Wasser über der kartierten Tiefe.
Die Vorhersagen beschreiben regionale Bereiche und Zeiträume, nicht zwingend den höchsten Wasserstand in jedem einzelnen Hafen. Für Eigner ist deshalb die Entwicklung am eigenen Liegeplatz entscheidend. Die Hochwasser- und Sturmflut-Information Schleswig-Holstein bündelt dazu laufend aktualisierte Warnungen und Pegeldaten.
In Flensburg lag der Wasserstand am Samstagmittag nach vorläufigen Daten bei rund 0,44 Meter über NHN. Dieser Messwert beschreibt die aktuelle Situation – nicht die erwarteten Wasserstände in der Nacht und am Sonntag. Ein niedriger Pegel am Vormittag ist deshalb keine Entwarnung.
In der Stadt wurden bereits Vorsorgemaßnahmen angekündigt. Nach Angaben des NDR sollen Anwohner in Hafennähe am Samstag zwischen 12 und 17 Uhr auf der Exe kostenlos Sandsäcke erhalten. Das ist eine Vorbereitung auf die erwartete Lage und kein Hinweis auf bereits eingetretene Überflutungen.
Für Flensburg liegen zudem unterschiedliche Modellrechnungen vor. Während das BSH für Sonntagmittag rund 1,08 Meter prognostiziert, kommen dänische Berechnungen für Sonntagmorgen auf etwa 1,64 Meter. Solche Werte stammen aus unterschiedlichen Vorhersagemodellen und sind nicht ohne Weiteres miteinander vergleichbar.
Nach dem Warnlagebericht des Deutschen Wetterdienstes nimmt der Wind an der Ostsee ab Samstagnachmittag zu. In der Nacht zum Sonntag und am Sonntagvormittag sind einzelne Sturmböen um 80 Kilometer pro Stunde – neun Beaufort – möglich. Der Wind dreht allmählich auf Nordost bis Ost und soll erst in der Nacht zum Montag wieder nachlassen.
Für die Sicherung im Hafen heißt das: Nicht nur der Wasserstand steigt, auch die Belastung von Leinen, Klampen und Steganlagen nimmt zu.
Die wichtigste Regel bei steigendem Wasserstand lautet: Festmacher nicht einfach möglichst straff durchsetzen. Zu kurze Leinen entwickeln bei Hochwasser hohe Kräfte nach unten und können die Yacht daran hindern, mit dem Wasser aufzuschwimmen.
Ganz lose dürfen die Leinen allerdings ebenfalls nicht sein. Dann kann das Boot gegen den Steg oder benachbarte Yachten schlagen. Entscheidend ist eine Leinenführung, die Bewegungsfreiheit nach oben lässt und gleichzeitig die Bewegung in Längsrichtung begrenzt.
Ruckdämpfer können Lastspitzen verringern, ersetzen aber nicht die notwendige Bewegungsfreiheit der Festmacher.
Arbeiten am Boot sollten nur vorgenommen werden, solange der Zugang zum Liegeplatz sicher ist. Überflutete Stege, gesperrte Hafenbereiche oder bereits gefährliche Wind- und Wellenbedingungen sind kein Ort für nachträgliche Sicherungsversuche. Die Anweisungen des Hafenmeisters und der Einsatzkräfte haben Vorrang.
Wer nicht vor Ort sein kann, sollte jetzt den Hafenmeister oder eine verlässliche Person am Liegeplatz kontaktieren. Ein Wechsel in einen geschützteren Liegeplatz kommt nur rechtzeitig, bei sicheren Bedingungen und in Abstimmung mit dem Hafen infrage. Bei bereits gefährlicher Wetterlage ist auch das Auslaufen keine pauschale Lösung.
Die aktuelle Warnung erreicht die Ostseeküste wenige Tage vor dem dritten Jahrestag der schweren Sturmflut vom 20. und 21. Oktober 2023. Damals sanken allein im Hafen von Schilksee 48 Yachten, zahlreiche Steganlagen wurden schwer beschädigt.
Die zeitliche Nähe bedeutet jedoch nicht, dass ein vergleichbares Ereignis bevorsteht. Die derzeitigen regionalen BSH-Prognosen lassen keinen direkten Vergleich mit der Sturmflutkatastrophe von 2023 zu. Die wichtigste Lehre bleibt dennoch aktuell: Warnungen frühzeitig verfolgen, den Liegeplatz rechtzeitig vorbereiten und nicht warten, bis die Stege bereits überflutet sind.
Welche Maßnahmen zur Sturmflutvorsorge wurden seit Oktober 2023 in deinem Heimathafen umgesetzt?

Redakteurin Panorama und Reise
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