SicherheitSicht weg! Wie man auch bei Nebel den Durchblick behält

Leon Schulz

 · 08.05.2026

Sicherheit: Sicht weg! Wie man auch bei Nebel den Durchblick behältFoto: Leon Schulz
Bei der Revierfahrt im Küstenbereich stellt Nebel eine besondere Herausforderung dar.
Nebel gehört zu den größten Herausforderungen bei der Navigation. Wie Sie als Skipper die Situation meistern und auch bei schlechter Sicht im Bild bleiben, lesen Sie hier.

Themen in diesem Artikel

Auf See kommt es auf den Durchblick an – im wahrsten Sinn. Reduzierte Sicht bedeutet aber noch lange keinen Nebel. Die Wetterkunde spricht davon erst, wenn die Sichtweite unter einem Kilometer liegt. Beträgt sie einen Kilometer bis zu zwei Seemeilen, ist nur von „schlechter Sicht“ die Rede. Von zwei bis fünf Seemeilen lautet der meteorologische Fachbegriff „moderate Sicht“, darüber schlicht „gute Sicht“.


​Auch interessant:


Wer morgens jenseits der Molenköpfe nur eine graue Suppe sieht, kann schwer abschätzen, wie groß die Sichtweite wirklich ist. Mithilfe der Reichweitenringe oder des VRMs auf dem Radar kann der Abstand zu einem gerade noch sichtbaren Ziel gemessen werden. Nicht selten wird mit Erstaunen festgestellt, dass die Sicht gar nicht so schlecht ist, sondern dass nur die gewohnten Referenzen fehlen.

Strahlungsnebel und Advektionsnebel

Wenn man nach einer klaren, kalten Nacht durch Schallsignale geweckt wird und aus dem Salon dicken Nebel sieht, handelt es sich wahrscheinlich um Strahlungs­nebel, der sich später auflösen dürfte. Da die Sicht bei Strahlungsnebel oft minimal ist, lohnt sich das Warten auf die wärmenden Sonnenstrahlen.

Herrscht hingegen Advektionsnebel, ist die Sicht selten ganz schlecht – und so können sich erfahrene Skipper mit Radar und entsprechenden Kenntnissen sehr wohl vorsichtig aus dem Hafen wagen. Nicht allzu starker Advektionsnebel kann eine gute Übung in Radarnavigation sein. Bei wirklichem Nebel (mit einer Sicht unter 1.000 Metern) sollte man die Navigation den absoluten Profis mit sehr guten Radaranlagen überlassen. Besser, man bleibt im Hafen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Bei Nebel: die Fahrweise anpassen

Doch was tun, wenn unterwegs Nebel auftritt? Bei Advektionsnebel kann die Crew schon durch eine geringe Änderung der Windrichtung von moderater oder schlechter Sicht überrascht werden, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben sind. Oft wird dies bei den Wettervorhersagen als „Nebelrisiko“ angekündigt.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Verschlechtert sich die Sicht plötzlich, muss die Fahrweise angepasst werden. Die Geschwindigkeit wird den Umständen entsprechend verringert, damit einer vor dem Bug auftauchenden Gefahr noch rechtzeitig ausgewichen werden kann. Wer keinen fest installierten Radarreflektor hat, muss ihn spätestens jetzt klar machen – richtig herum. Und mit Radarreflektor sind nicht die dünnen Röhren gemeint, die keine BSH-Zulassung haben und lediglich ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln.

Sicherheitsmaßnahmen bei Nebel

Navigationslichter sind anzuschalten, und besonders in Hafennähe sollte der Schiffsverkehr auf dem Arbeitskanal des Hafens über UKW abgehört werden sowie Kanal 16 mittels Dual Watch. Das Radar wenn möglich noch vor Auftreten des Nebels einschalten, auch wenn die Wand noch weit entfernt scheint. Erstens brauchen Radarantennen mit Magnetron eine Aufwärmzeit, und zweitens kann man nie genau wissen, was sich im Nebel verbirgt – selbst wenn das eigene Schiff noch im Sonnenschein liegt.

Zur Sicherheit wird zudem die gesamte Crew mit Rettungswesten versorgt und an Deck gerufen, damit niemand unten von einer Kollision überrascht werden kann. Eine Rettungsinsel mit automatischem hydro­statischen Auslöser käme bei einem Zusammenstoß schnell zum Einsatz. Aber so weit wird es nicht kommen, wenn entsprechende Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden.

Schallsignale abgeben

Die gesamte Crew wird nun eingespannt: Ein Ausguck muss permanent nach allen Richtungen Ausschau halten und auch nach Schiffsgeräuschen oder Schallsignalen horchen. Wenn es den Umständen entspricht und Sinn macht, könnte der Ausguck auch am Bug stehen, wo die eigenen Motorgeräusche am geringsten sind. Der Navigator mit der größten Erfahrung überwacht permanent die Verkehrs­situation, sollte aber möglichst nach 30 bis 45 Minuten am Bildschirm abgelöst werden.

Wer kein automatisches Nebelhorn installiert hat, muss das Si­gnal alle zwei Minuten von Hand abgeben: ein langer Ton von vier bis sechs Sekunden Dauer. Einige UKW-Geräte, die an ein Nebelhorn angeschlossen sind, können die Si­gnale selbstständig als Ton weitergeben. Noch besser sind jedoch die BSH-zugelassenen Nebelhörner mit einer Automatik, da sie um ein Vielfaches lauter sind. Es ist übrigens äußerst schwer, im Nebel die Herkunftsrichtung eines Geräusches einzuschätzen.

Die große Bedeutung von Radar

Radar ist hier die absolut wichtigste Ausrüstung. Aber noch wichtiger ist es, ein Radarbild interpretieren zu können. Dafür werden entsprechende Ausbildungskurse angeboten, etwa bei Regina Sailing.

Bei auftretendem Nebel sollten sofort Standort, Uhrzeit und Logdaten in die Seekarte eingetragen werden. Elektronik kann ausfallen – und bei Nebel wäre das der schlechteste Zeitpunkt! Wenn mit Plotter und GPS weiternavigiert wird, sollte bedacht werden, dass andere Skipper die gleichen Waypoints wählen könnten, besonders an markanten Stellen. Ein bisschen Abweichung macht hier also Sinn. Dass die Positionen von Tonnen dafür nicht geeignet sind, liegt aufgrund der Kollisionsgefahr auf der Hand.

Der Großschifffahrt aus dem Weg gehen

Das Wichtigste ist, der Großschifffahrt aus dem Weg zu gehen. Hier bietet sich der Raum gleich außerhalb des Tonnenstrichs oder Fahrwassers an, tief genug für eine Yacht, aber bereits zu flach für Frachter und Tanker.

Bei der Passage von Inseln sollte man wissen, dass auf der Leeseite oft bedeutend bessere Sicht zu finden ist als in Luv, wo sich der Nebel staut. Zusammen mit Radar und Plotter ist der Einsatz des Echolots ebenfalls sehr nützlich, denn die Tiefen­linien geben eine gute Navigationshilfe, auch um den Plotter mit einem weiteren System zu überprüfen.

Sicher in den Hafen finden

Wer eine Hafeneinfahrt oder den Eingang einer kleinen Bucht sucht, kann zunächst deutlich auf die eine oder andere Seite neben der Einfahrt zuhalten, bis eine gewisse Wassertiefe erreicht ist. Dann wird an dieser Tiefenlinie entlanggefahren, im Idealfall so, dass das Land gerade in Sichtweite ist, aber immer noch mit ausreichendem Sicherheitsabstand. Wenn sich die Öffnung oder Hafeneinfahrt zeigt, sind die ein- und auslaufenden Schiffe im seitlichen Profil besser zu sehen als mit der schmalen Silhouette von vorn oder achtern.

Wird stattdessen GPS-unterstützt über das Fahrwasser direkt auf die Hafeneinfahrt zugehalten, ist man sicherlich nicht der Einzige, der der direkten Route folgt. Das Risiko, ohne Sicht in verstärkten Verkehr zu gelangen, ist deutlich größer.

Wer sich bei schlechter Sicht nicht in eine Bucht oder in einen Hafen wagt, kann auch in untiefem Wasser außerhalb des Tonnenstrichs ankern und abwarten. Vor Anker bietet es sich an, den vorbeiziehenden Verkehr mit dem Radar zu beobachten. Die wenigsten ankernden Sportbootfahrer werden jede Minute fünf Sekunden lang läuten lassen, wie es die Kollisionsverhütungs­regeln (KVR) vorsehen.

Wenn sich ein anderes Fahrzeug jedoch annähert, kann der Ankerlieger das Schallsignal kurz–lang–kurz ertönen lassen oder natürlich zum Funkgerät greifen und auf Kanal 16 eine Warnung mit der eigenen Position durchgeben. Das AIS sollte bei Nebel auch vor Anker unbedingt eingeschaltet bleiben.


Auch interessant:

Leon Schulz

Leon Schulz

Freier Mitarbeiter

Leon Schulz ist Buchautor und RYA Yachtmaster Ocean Instructor und bildet auf seiner Hallberg-Rassy 46 „Regina Laska“ aus. Sechs Monate im Jahr finden seine Ausbildungstörns im atlantischen Europa statt, während im Winter Theoriekurse auf Malta angeboten werden. Schulz ist insbesondere Experte für die Themenbereichen Navigation und Seemannschaft. Darüber hinaus veröffentlicht er regelmäßig Törnreportagen.

Meistgelesen in der Rubrik Wissen