Nord- und Ostsee bleiben zu warm. Noch im vergangenen Jahr hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) den Sommer 2025 mit durchschnittlich 15,7 Grad Celsius als wärmsten in der Nordsee seit Beginn der Messungen 1969 eingeordnet. Diesen Wert erreichte 2026 nicht. Dennoch lag einer neuen Meldung des BSH zufolge auch in diesem Sommer die Temperatur knapp ein Grad über dem langjährigen Mittel. Vor Helgoland wurde mit 66 Tagen mit marinen Hitzewellen ein neuer Rekord gemessen.
Die Wassertemperaturen von Nord- und Ostsee lagen von Juni bis August 2026 jeweils knapp ein Grad über dem Mittel der Jahre 1997 bis 2021. In der Nordsee erreichte die mittlere Oberflächentemperatur 15,6 Grad Celsius. Das war der fünftwärmste Sommer seit 1997. Die Ostsee kam auf 17,2 Grad Celsius und damit auf Rang sieben der seit 1997 erfassten Sommer.
Die Zahlen stammen aus der aktuellen Sommerbilanz des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie. Sie liegen leicht unter denen des letzten Jahres, in dem neue Temperaturrekorde an Nord- und Ostsee erreicht wurden.
Die Gewässer um Helgoland gehörten zu den besonders stark erwärmten Regionen der Nordsee. Am 1. Juli 2026 lag die Oberflächentemperatur dort an der Messstation sogar fast vier Grad über dem Mittelwert für diesen Tag seit Inbetriebnahme der Station im Jahr 2009.
Doch nicht nur dieser eine Spitzenwert ist bemerkenswert: An der Messstation vor Helgoland registrierte das BSH 66 Tage mit mariner Hitzewelle, also Phasen von mindestens fünf Tagen mit für Ort und Jahreszeit ungewöhnlich warmem Wasser. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2025 hatte die BSH-Messstation „Leuchtturm Kiel" in der Ostsee 55 Tage als bisherigen Rekord verzeichnet.
Prognosen zufolge werden marine Hitzewellen in allen Meeren vermehrt auftreten. Da wärmeres Wasser weniger Sauerstoff lösen kann, können sich die Lebensbedingungen für Meereslebewesen verschlechtern. Mit besonders gravierenden Folgen für die Ostsee: Am Meeresgrund des ohnehin kränkelnden Binnenmeeres können vermehrt auch sauerstoffarme "Todeszonen" entstehen.
Am stärksten aufgeheizt war die südliche Nordsee. Dort und im Ärmelkanal betrugen die Abweichungen zwei Grad und mehr, einzelne Gebiete stellten neue Höchstwerte seit 1997 auf. Für etwa ein Viertel der Nordsee zählten die Temperaturen zu den drei höchsten der letzten 30 Jahre.
Tim Kruschke, Leiter des Referats Marine Klimafragen beim BSH, betonte, dass die neuen Höchstwerte in der südlichen Nordsee und die 66 Tage mit marinen Hitzewellen vor Helgoland darauf hinweisen, dass extreme Wärmeereignisse auch in den heimischen Gewässern zunehmend spürbar werden. Zwar seien Nordsee und Ostsee nicht in gleichem Maße betroffen wie etwa das Mittelmeer oder der Nordostatlantik – doch die Temperaturen gehörten vielerorts zu den höchsten der vergangenen Jahrzehnte.
In der Ostsee war der Verlauf nicht gleichmäßig. Besonders der Juni fiel mit fast drei Grad über dem langjährigen Mittel auf und war laut BSH der drittwärmste Juni seit Messbeginn. Im Juli und August lagen die Temperaturen dagegen eher im durchschnittlichen Bereich.
Die stärksten positiven Abweichungen wurden vor der schwedischen Ostküste, entlang der deutschen und polnischen Küsten sowie im äußersten Norden der Ostsee gemessen. Im Spätsommer war dies auch mit bloßem Auge zu sehen: In der südlichen und westlichen Ostsee schwammen großflächige Blaualgenansammlungen, teils auch in Häfen rund um Bornholm.
Erwärmte Meere ziehen nicht zwingend schweres Wetter nach sich. Sie können jedoch dazu beitragen, dass “der Meeresspiegel steigt, weil sich warmes Wasser ausdehnt und Gletscher sowie Eisschilde schmelzen. Damit steigen auch die Wasserstände bei Sturmfluten."Aus einem warmen Sommer folgt also nicht automatisch ein stürmischer Herbst oder Winter. Für die Entstehung und Intensivierung von Tiefdruckgebieten spielen viele Faktoren zusammen, darunter Luftdruckverteilung, Wind in der Höhe und der Temperaturunterschied zwischen Luftmassen.
Die Erwärmung liefert außerdem zusätzliche Energie und Feuchtigkeit für die Atmosphäre. Der europäische Klimadienst Copernicus weist darauf hin, dass hohe Meeresoberflächentemperaturen Verdunstung und damit das Potenzial für Starkniederschläge erhöhen können. Wie stark sich das auf ein einzelnes Wetterereignis auswirkt, lässt sich daraus nicht ableiten. Entscheidend bleiben die aktuellen Vorhersagen, Radar- und Warninformationen vor dem Auslaufen.
Wärmere Meere sind mehr als ein meteorologischer Befund. Die Erwärmung der Meere kann weitreichendere Folgen haben. So verändert wärmeres Wasser Lebensräume und Nahrungsketten. Während einige Arten drastisch an Lebensraum verlieren, ziehen andere in kühlere Gewässer. Zudem breiten sich nicht heimische Arten aus, was zu einem Anstieg von schädlichen Algenblüten und Sauerstoffmangel führen kann.
Für die Ostsee ist das besonders kritisch: Sinken viele abgestorbene Algen auf den Grund, verbrauchen Mikroorganismen beim Abbau den Sauerstoff, bis kaum noch welcher im Tiefenwasser gelöst ist. Andere Stoffe wie Ammonium nehmen zu, und mit ihnen Mikroorganismen, die ihren Stoffwechsel ohne Sauerstoff betreiben können. Dabei produzieren sie Schwefelwasserstoff, der für viele Organismen giftig ist – es entstehen „Todeszonen", in denen höheres Leben am Meeresgrund nicht mehr möglich ist.
Die anhaltend hohen Temperaturen fördern auch die Zunahme von Blaualgen in Küstenregionen. Die Blaualgen können Giftstoffe bilden und sind für Mensch und Tier nicht gänzlich ungefährlich.: Beim Verschlucken oder bei Kontakt mit belastetem Wasser können sie Hautreizungen, Magen-Darm-Beschwerden und in schweren Fällen auch Leber- oder Nervenschäden hervorrufen. Seglern, die im Sommer auf der Ostsee unterwegs sind, empfiehlt sich ein Blick auf die aktuellen Algenberichte – Badeverbote können kurzfristig ausgesprochen werden.
Schwerwettersegeln erklärt, wie sich Segel- und Motoryachten, Einrumpf- und Mehrrumpfboote in schwerer See verhalten. Der Theorie- und Technikteil behandelt unter anderem Ausrüstung, Trysegel sowie See- und Treibanker. Im Praxisteil werden Berichte über Schwerwettersituationen ausgewertet und in konkrete Taktiken übersetzt. Das passt zum Artikel, weil verlässliche Vorbereitung und die richtige Reaktion auf die aktuelle Wetterlage wichtiger sind als eine pauschale Schlussfolgerung aus warmem Meerwasser.
Wetter auf See vermittelt die Grundlagen der Wetterkunde für Fahrten- und Regattasegler. Das Buch behandelt Tief- und Hochdruckgebiete, lokale und regionale Wetterereignisse, Seegang, Strömungen und meteorologische Törnplanung. Damit ergänzt es die Sommerbilanz um die praktische Frage, wie Skipper Wetterinformationen einordnen und für die eigene Routenentscheidung nutzen können.
Wie haben Sie die ungewöhnlich warmen Wassertemperaturen in Nordsee oder Ostsee in diesem Sommer erlebt?

Redakteurin Panorama und Reise
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