Für Crews, die eine Karibik-Saison planen, können die aktuellen Wetterprognosen gute Nachrichten sein. Mit etwa 13 benannten Stürmen, 6 Hurrikanen und 2 schweren Hurrikanen wird für 2026 eine unterdurchschnittliche Aktivität im Atlantik erwartet. Verantwortlich dafür ist ein sich entwickelnder El Niño, der die Hurrikanbildung im tropischen Nordatlantik hemmt. Derselbe Klimafaktor befeuert allerdings die Taifunaktivität im Nordwestpazifik – einem Gebiet um Japan, die Philippinen und Taiwan. Die klassischen Pazifik-Segelrouten entlang der Barfußroute sind aber ebenso wenig betroffen wie Nord- und Ostsee.
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im Pazifik, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt und weltweite Auswirkungen auf Wetter und Meeresströmungen hat. Normalerweise wehen Passatwinde das warme Oberflächenwasser von der südamerikanischen Küste westwärts nach Asien, während vor Peru kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser aufsteigt. Bei einem El Niño schwächen sich diese Winde ab oder kehren sich sogar um. Das warme Wasser fließt zurück nach Osten, die Meeresoberfläche im zentralen und östlichen Pazifik wird ungewöhnlich warm.
Diese Temperaturänderung beeinflusst die Luftzirkulation weltweit. Im Atlantik führt El Niño zu kühleren Gewässern und mehr Windscherung – ungünstige Bedingungen für Hurrikane. Im Nordwestpazifik dagegen begünstigt derselbe Effekt die Bildung von Taifunen. Der Name "El Niño" (spanisch für "das Christkind") stammt von peruanischen Fischern, die das Phänomen oft um Weihnachten beobachteten, wenn ihre Fischgründe plötzlich verschwanden.
El Niño-Phasen verschieben die Bedingungen im Atlantikbecken, mit kühleren Gewässern und mehr vertikaler Windscherung – keine ideale Umgebung für tropische Systeme. Ohnehin nutzen die meisten Segler für die Atlantiküberquerung die Zeit vor bzw. nach der Hurrikansaison. So startet auch die bei Fahrtenseglern beliebte ARC 2026 am 22. November von Las Palmas, bewusst kurz vor dem offiziellen Ende der Hurrikansaison am 30. November. Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Passatwinde bereits etabliert und das Sturmrisiko ist minimal.
Wer hingegen die Sommersaison in der Karibik verbringt, kann dies 2026 immerhin mit statistisch geringerem Risiko tun. Doch Obacht: Auch einzelne Stürme können erhebliche Schäden verursachen. Deshalb sollten trotz der abgeschwächten Prognosen Hurrikan-Liegeplätze südlich des Sturmgürtels aufgesucht werden: Aruba, Bonaire, Curaçao, Barbados sowie Trinidad und Tobago liegen außerhalb des Hurrikan-Gürtels. Sogenannte Hurricane Holes wie Le Marin auf Martinique oder Rodney Bay Marina auf Saint Lucia bieten relative Sicherheit. In der Hurrikan-Klausel vieler Versicherungen ist festgehalten, welche Maßnahmen bei angekündigten Wirbelstürmen zu ergreifen sind.
Im Nordwestpazifik werden 18 Taifune erwartet, davon 11 intensive – 25 Prozent über dem historischen Durchschnitt. Die Taifunbahnen unter El Niño-Bedingungen verlaufen tendenziell weiter nordöstlich als gewohnt. So betrifft diese erhöhte Aktivität vor allem die Gewässer um Japan, die Philippinen und Taiwan.
Auf der klassischen Barfußroute ist indes nicht mit einer erhöhten Zyklon-Aktivität zu rechnen. Schon die Südpazifik-Zyklonsaison 2025-26 war die am wenigsten aktive seit Beginn der Aufzeichnungen mit nur zwei tropischen Zyklonen. Spezifische Prognosen für die nächste Saison (November 2026 bis April 2027) liegen noch nicht vor, aber die aktuellen Bedingungen deuten nicht auf außergewöhnliche Aktivität hin. Segler sollten wie gewohnt die Zyklonsaison von November bis April meiden und entweder im sicheren Hafen bleiben oder bereits in Neuseeland sein.
Die Hurrikansaison 2025 brachte drei Kategorie-5-Hurrikane – die zweithöchste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen. Unter ihnen war Melissa mit 185 mph (295 km/h) anhaltenden Winden einer der intensivsten Atlantik-Hurrikane überhaupt. Der Sturm verwüstete Westjamaika, wobei laut Weltbank Schäden von 8,8 Milliarden Dollar entstanden. Größere Häfen und Marinas erlitten totale oder nahezu totale strukturelle Schäden. Die Verfügbarkeit von Liegeplätzen wird auf absehbare Zeit als unzuverlässig eingestuft.
Das Jahr 2024 war mit 18 benannten Stürmen, 11 Hurrikanen und 5 schweren Hurrikanen ebenfalls extrem aktiv. Die wirtschaftlichen Verluste wurden auf über 140 Milliarden Dollar geschätzt, begleitet von 378 Todesopfern. Beryl wurde zum frühesten jemals aufgezeichneten Kategorie-5-Sturm, Helene forderte 248 Todesopfer und verursachte 78,7 Milliarden Dollar Schaden, Milton entwickelte sich in weniger als 24 Stunden vom tropischen Sturm zum Kategorie-5-Hurrikan.
Alle drei Stürme waren so zerstörerisch, dass die Weltorganisation für Meteorologie ihre Namen aus der rotierenden Liste der zu vergebenden Namen für Stürme strich. Das geschieht nur bei besonders verheerenden Stürmen, um Verwechslungen in Forschung und Versicherungsdokumentation zu vermeiden und aus Respekt vor den Opfern. Diese Namen werden nie wieder für neue Stürme verwendet und bleiben damit Teil der Wettergeschichte.
Die Prognose von nur 2 schweren Hurrikanen für 2026 gegenüber 4 in 2025 und 5 in 2024 ist somit für die Region eine willkommene Nachricht.
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Neben der eigenen Sicherheit ist die Versicherungsfrage ein entscheidender Faktor. Die meisten Yachtversicherungen schließen Schäden durch Named Tropical Storms (benannte Wirbelstürme, NTA) in bestimmten geografischen Gebieten während der Hurrikansaison explizit aus. Versicherer decken Yachten generell nicht ab, wenn sie sich zwischen 10°N und 30°N während der Zeit vom 1. Juni bis 30. November befinden – also genau im Hurrikan-Gürtel während der Saison.
Einige Versicherungen bieten spezielle Hurrikan-Klauseln an, setzen aber strikte Bedingungen voraus: Das Boot muss entweder auf einem Stahllagerbock an Land gelagert sein, sicher mit Erdankern verbunden, und Mast sowie Baum müssen gesondert gelagert werden. Alternativ muss sich die Yacht in einem vorab genehmigten "safe port" befinden.
Nach den verheerenden Hurrikanen Irma und Maria 2017 haben viele Versicherungen ihre Policen drastisch verschärft. Einige Anbieter versichern Yachten in der Karibik während der Hurrikansaison überhaupt nicht mehr, andere nur noch zu 80 Prozent des Wertes und ausschließlich, wenn das Boot aus dem Wasser geholt wird. Selbst Grenada, das lange als sicher galt, wird von vielen Gesellschaften nicht mehr vollständig gedeckt.
Die Versicherungssituation im Pazifik ist ähnlich restriktiv. Versicherer decken Yachten generell nicht zwischen 10°S und 30°S vom 1. November bis 1. Mai ab – also während der Südpazifik-Zyklonsaison. Die vergleichsweise ruhige Prognose für 2026 ändert an den Versicherungsbedingungen nichts. Wer in den betroffenen Gebieten segeln will, muss entweder einen detaillierten Hurrikan-Plan mit der Versicherung vereinbaren, die Yacht während der Saison aus dem Risikogebiet bringen oder das finanzielle Risiko selbst tragen.
Die Effekte von El Niño fallen in Europa deutlich geringer aus als in den Tropen. Laut Deutscher Wetterdienst können El-Niño-Ereignisse beispielsweise zu stärkeren Kälteeinbrüchen in Zentraleuropa führen. Die Segelsaison von Mai bis September dürfte davon weitgehend unberührt bleiben. Studien zeigen, dass die stärksten Auswirkungen auf Europa zeitlich verzögert eintreten. Für heimische Segler ändert sich wenig: Die bewährte Törnplanung mit Wetterbeobachtung bleibt das A und O.

Redakteurin Panorama und Reise