Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, soll sich Sturmtief „Austen“ über dem Atlantik rasch verstärken und am Freitag in Richtung Nordsee ziehen. Das britische Met Office erwartet einen Druckabfall von mindestens 24 Hektopascal innerhalb von 24 Stunden und damit eine explosive Tiefdruckentwicklung, auch Bombogenese genannt.
An der niederländischen und deutschen Küste drohen Sturmböen, wobei Zugbahn und Stärke laut Einschätzung des niederländischen Wetterdienstes Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut (KNMI) noch unsicher sind.
Auch die Ostsee gerät zeitversetzt in den Einfluss der Tiefdruckserie. Dort dürfte der Wind zunächst vor allem in der westlichen Ostsee und später auch weiter östlich zunehmen.
Am Wochenende folgt voraussichtlich ein weiteres kräftiges Tief. Der Deutsche Wetterdienst erwartet für Samstag erneut Sturmböen an Teilen der Nordseeküste, Windböen auf Fehmarn und Sturmböen am Kap Arkona. Damit können besonders in der westlichen Ostsee, rund um Fehmarn und in den dänischen Meerengen kurze, steile Wellen entstehen.
Das Wochenendtief trifft auf eine bereits aufgebaute See; zwischen den beiden Systemen zeichnet sich bislang keine längere Beruhigung ab. Das gilt nicht nur für die Nordsee: Auch auf der Ostsee müssen Crews auf Überführungsfahrten mit zunehmend schwierigen Bedingungen rechnen. Ob dort zusätzlich ungewöhnlich hohe oder niedrige Wasserstände auftreten, hängt von der tatsächlichen Zugbahn und der daraus resultierenden Windrichtung ab.
Ein schwerer Nordseesturm ist Ende Oktober nicht außergewöhnlich früh. Der Nordatlantik befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der herbstlichen Sturmsaison. Zunehmende Temperaturunterschiede zwischen den nördlichen und südlichen Luftmassen sowie ein kräftiger Jetstream begünstigen die Entstehung und schnelle Verstärkung von Tiefdruckgebieten. Fast auf den Tag genau läutete auch im vergangenen Jahr ein Sturmtief den Herbst an den Küsten ein.
Ungewöhnlich ist jedoch die mögliche Kombination aus schneller Vertiefung und mehreren Tiefs in kurzer Folge. Für Segler fällt die Wetterlage in eine besonders ungünstige Übergangszeit: Einige Yachten befinden sich noch auf Überführungsfahrt, andere müssen zu einem bereits vereinbarten Auskrantermin. Gleichzeitig stehen viele Boote schon im Außenlager.
Wer noch sicher im Hafen liegt, sollte eine geplante Überführung über Nord- oder Ostsee verschieben. Ein fester Krantermin ist kein Grund, in ein unsicheres Wetterfenster auszulaufen. Kranbetriebe und Werften sollten möglichst frühzeitig informiert werden.
Entscheidend sind nicht allein die Verhältnisse beim Ablegen. Maßgeblich sind Wind, Welle und Tide am schwierigsten Abschnitt der Strecke sowie bei der späteren Hafeneinfahrt. Kaltes Wasser, kurze Tage, Regen, schlechte Sicht und eine bereits aufgebaute See verringern die Reserven von Schiff und Crew zusätzlich.
Die Seegatten zwischen den niederländischen, ostfriesischen und nordfriesischen Inseln sollten bei einer solchen Wetterlage nicht befahren werden. Bereits bei fünf bis sechs Beaufort können über den weit nach See hinausreichenden Barren gefährliche Grundseen entstehen – auch ohne Wind gegen Strom und dort, wo sich eine Crew noch im tiefen Wasser wähnt. Läuft der Tidenstrom gegen Wind und See, werden die Wellen zusätzlich kürzer, steiler und brechend.
Auch die Elbmündung kann bei starkem West- bis Nordwestwind, auslaufendem Ebbstrom und dichtem Berufsverkehr brandgefährlich werden. Wer sich bereits in der Deutschen Bucht befindet, kann abhängig von Position, Wind und Seegang Helgoland oder die Jade als Ausweichziele prüfen. Der Nordosthafen auf Helgoland kann ohne Voranmeldung angelaufen werden; Gastlieger melden sich nach dem Festmachen beim Hafenmeister. In der Jade kann der geschützte Vorhafen von Hooksiel eine Option sein. Die Entscheidung muss aber frühzeitig und noch draußen im tiefen Wasser fallen. Ein Seegatt ist bei aufgebauter See kein Fluchtweg. (wsc-helgoland.de)
In den Niederlanden kann die Staande Mastroute grundsätzlich eine Alternative zur Fahrt entlang der offenen Nordseeküste bieten. Sie ist 2026 allerdings nicht durchgehend befahrbar. Sowohl die westliche als auch die östliche Route durch Nord- und Südholland sind unterbrochen. Auch in Nordniederland bestehen Einschränkungen. Die niederländische Seglerwebsite „Varen doe je Samen“ zeigt die aktuellen Sperrungen auf einer Übersichtskarte. Crews sollten die gesamte Strecke samt Brückenöffnungen und Schleusenbetrieb prüfen, bevor sie auf die Binnengewässer ausweichen.
In Deutschland kann der Nord-Ostsee-Kanal eine geschützte Alternative sein. Der Elbe-Lübeck-Kanal kommt für die meisten Segelyachten wegen der begrenzten Brückendurchfahrtshöhen nur mit gelegtem Mast infrage. Binnenrouten schützen zwar vor schwerem Seegang, nicht aber vor Sturmböen, herabfallenden Ästen oder kurzfristigen Einschränkungen an Brücken und Schleusen.
Yachten, die noch im Hafen liegen oder dort überwintern, sollten rechtzeitig und bei Tageslicht sturmfest gemacht werden. Segel, besonders Rollsegel, bieten dem Wind eine große Angriffsfläche und sollten nach Möglichkeit abgeschlagen werden. Persenninge, Kuchenbuden und Biminis gehören ebenfalls vom Boot oder müssen zusätzlich gesichert werden.
Festmacher sollten auf Verschleiß und Scheuerstellen geprüft, bei Bedarf gedoppelt und möglichst lang geführt werden. Zusätzliche Springs und geeignete Ruckdämpfer helfen, Lastspitzen zu verringern. Gleichzeitig muss genügend Spielraum für mögliche Wasserstandsänderungen bleiben. Die Kräfte sollten auf mehrere ausreichend stabile Klampen verteilt werden. Wo möglich, werden die Leinen so belegt, dass Hafenmeister oder Helfer sie vom Steg aus nachstellen können.
Fender müssen an den tatsächlich gefährdeten Kontaktstellen hängen und dürfen bei Krängung oder verändertem Wasserstand nicht unter den Steg geraten. Lose Ausrüstung gehört unter Deck, Luken und Backskisten müssen geschlossen werden. Wer nicht selbst zum Boot kommen kann, sollte den Hafenmeister oder eine verlässliche Person um eine Kontrolle bitten.
Auch bereits ausgekrante Yachten sollten vor dem Sturm noch einmal überprüft werden. Der Lagerbock muss auf festem Untergrund stehen und das Boot an belastbaren Bereichen des Rumpfes abstützen. Nach längerem Regen kann sich weicher Boden setzen und eine Stütze absinken. Weit ausgezogene Stützen sollten gegeneinander gesichert werden; einige Winterlager verzurren Böcke zusätzlich an Bodenankern, um ein Umkippen und einen Dominoeffekt zu verhindern.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Yachten mit stehendem Mast. Segel müssen vollständig abgeschlagen sein, auch Rollgroß und Rollfock. Schlagende Fallen und starke Vibrationen im Rigg sind möglichst zu vermeiden. Das Rigg sollte jedoch nicht mit einem Fall starr zu einem Punkt am Boden verspannt werden, weil dadurch zusätzliche Belastungen entstehen können.
Große, lose Planen erhöhen die Windlast. Sie müssen straff sitzen und dürfen nicht an Pallhölzern oder Keilen befestigt sein, die durch die Bewegung der Plane herausgezogen werden könnten. Auch im professionell betriebenen Winterlager ist deshalb eine eigene Kontrolle sinnvoll.
Ob es an der Nordsee zu einer Sturmflut kommt und wie sich die Wasserstände auf der Ostsee entwickeln, hängt von Zugbahn, Windrichtung und Dauer des Wochenendtiefs ab. Besonders entscheidend ist, ob sich nach der Tiefpassage ein länger anhaltender West- bis Nordwestwind einstellt.
Die derzeitige BSH-Vorhersage für die Ostsee reicht noch nicht bis in den kritischen Zeitraum. Bis Donnerstag werden dort lediglich moderate Abweichungen erwartet. Für das Wochenende lässt sich daraus noch keine Entwarnung ableiten. Eigner sollten die aktualisierten Wasserstands- und Sturmflutvorhersagen deshalb täglich kontrollieren.
Sturm im Hafen: So sichern Sie Ihre Yacht erläutert die Vorbereitung von Festmachern, Fendern und Ausrüstung.
Winterlager im Freien: Das ist zu beachten behandelt die Lagerung an Land und die zusätzlichen Belastungen bei stehendem Mast.
Der NOK-Guide für Segler hilft bei der Vorbereitung einer Kanalpassage zwischen Nord- und Ostsee.
Haben Sie eine Überführung oder einen Auskrantermin wegen der Sturmprognose verschoben? Welche Vorkehrungen treffen Sie jetzt im Hafen oder im Außenlager? Teilen Sie Ihre Erfahrungen in den Kommentaren.

Redakteurin Panorama und Reise
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