NavigationPassage Planner – Wetterrouting-Plugin für Windy

Hauke Schmidt

 · 20.05.2026

Der Passage Planner von Windy berechnet auf Wunsch gleich Routen für unterschiedliche Wettermodelle.
Foto: Screenshot/Windy
Windy hat mit dem Passage Planner ein Community-Plugin für Wetterrouting veröffentlicht. Das Tool soll professionelles Wetterrouting in die beliebte Wetter-App bringen und nutzt Isochronen-Expansion kombiniert mit Polardaten. Wir haben das Plugin ausprobiert – mit gemischten Ergebnissen.

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Das Passage-Planner-Plugin erweitert die beliebte Wetter-App Windy um professionelle Routing-Funktionen für Segler, so zumindest die Beschreibung. Anders als die etablierte Konkurrenz von Navimetrix, PredictWind oder Squid Mobile ist das Windy-Wetterrouting direkt in die App-Oberfläche integriert und nutzt deren umfangreiches Angebot an globalen Wettermodellen. Das Plugin ist Teil des Windy-Premium-Abos, das 19 Euro pro Jahr kostet. Die Routing-Funktion ist erst nach Registrierung verfügbar und lässt sich über die Windy-App oder die Browser-Version installieren.

Installation und erste Schritte

Nach der Installation erscheint oben rechts in der Windy-Oberfläche ein neuer Button für den Passage Planner. Die Bedienung folgt dem üblichen Schema: In den Einstellungen wird ausgewählt, welches der von Windy angebotenen Wettermodelle genutzt wird. Dabei können auch mehrere Modelle gewählt werden; dann entsteht automatisch ein Multi-Routing. Zudem muss der Bootstyp festgelegt werden. Die Datenbank enthält derzeit nur 23 Polardiagramme, lässt sich aber einfach erweitern. Schließlich werden mindestens Start- und Endpunkt des Törns auf der Karte gesetzt und die Berechnung gestartet. Je nach Anzahl der gewählten Wettermodelle und Länge der Route kann die Berechnung allerdings länger bis sehr viel länger dauern: Bei mehreren Modellen werden diese nacheinander durchgerechnet, was die Wartezeit deutlich verlängert. Die berechneten Routen werden in verschiedenen Farben dargestellt.

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Praxistest auf der Ostsee: Unplausible Routenvorschläge

Wir haben das Windy-Wetterrouting auf der Ostsee getestet. Die Teststrecke von der Flensburger Förde ins schwedische Ystad – Luftlinie rund 141 Seemeilen – lieferte mittelmäßige Ergebnisse. Die vom Plugin berechneten Routenvorschläge zeigten teilweise sehr ungewöhnliche Kursverläufe: In mehreren Fällen schlug das System vor, ein Stück zurückzusegeln, obwohl sich dieser Umweg aus den zugrunde liegenden Wetterdaten nicht plausibel erklären ließ. Beim manuellen Abgleich der Windrichtungen und -stärken in den Windy-Karten erschien der vorgeschlagene Kurs nicht nachvollziehbar.

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Ein direkter Vergleich mit Navimetrix brachte deutliche Unterschiede ans Licht: Dieselbe Route mit identischen Einstellungen – gleichem Bootstyp, denselben Wettermodellen sowie denselben Start- und Zielkoordinaten – wurde von Navimetrix deutlich schneller berechnet und sah wesentlich realistischer aus. Die Navimetrix-Route folgte einem logischeren Kursverlauf ohne die seltsamen Rückwärtsbewegungen, die der Passage Planner vorschlug.

Multi-Planung mit guter Übersicht

Positiv überrascht hat die Multi-Planungsfunktion des Windy Wetterrouting: Sie prüft verschiedene Abfahrtszeiten in frei wählbaren Abständen – etwa alle sechs Stunden – und berechnet für jeden Startzeitpunkt die jeweilige Route. Die Ergebnisse werden klar und übersichtlich dargestellt: Routenlänge, Fahrtdauer und Durchschnittsgeschwindigkeit, jeweils nach Wettermodellen aufgeschlüsselt. Kompakte Balkendiagramme zeigen auf einen Blick Windgeschwindigkeiten, Windeinfallswinkel oder die Geschwindigkeit über Grund während der Route. So lässt sich schnell erkennen, ob ein bestimmtes Startfenster besonders günstig ist oder nicht.

Das Problem: Auch bei der Multi-Planung zeigen sich die seltsamen Routenverläufe mit Schleifen, Schlingen und Achten, die in der Praxis keinen Sinn ergeben. Die gute Aufbereitung der Daten hilft wenig, wenn die zugrunde liegenden Routen nicht plausibel sind. Das Interface und die Darstellung der Multi-Planung sind gelungen – aber sie können die Schwächen des Routing-Algorithmus nicht wettmachen.

Grenzen der Windy-Karte

Ein grundsätzliches Problem beim Windy-Wetterrouting: Die App arbeitet nicht mit Seekarten, sondern mit einer einfachen Landkarte. Tiefenlinien, Fahrwasser, Tonnen und andere nautisch relevante Informationen fehlen komplett. Das bedeutet, dass die berechneten Routen zwingend mit einer echten Seekarte abgeglichen werden müssen, um Untiefen, Sperrgebiete oder andere Hindernisse zu erkennen. Wie sinnvoll die Routenberechnung ist, wenn sie durch einen Windpark oder ein Verkehrstrennungsgebiet führt, ist fraglich. Für lange Hochseeetappen mag sie ausreichen.

FAZIT:

Das Windy Wetterrouting mit dem Passage Planner Plugin ist ein interessanter Versuch, professionelle Routing-Funktionen in eine bereits weit verbreitete Wetter-App zu integrieren. Die Integration in Windy, der niedrige Preis von 19 Euro pro Jahr (inklusive aller Premium-Funktionen) und die gut umgesetzte Multi-Planungsfunktion sind klare Vorteile. Auch die große Auswahl an Wettermodellen überzeugt.

In der Praxis zeigten die berechneten Routen jedoch unplausible Kursverläufe mit Schleifen und Achten, die sich nicht aus den Wetterdaten erklären lassen. Dieses grundlegende Problem zieht sich durch alle Funktionen – auch durch die sonst gelungene Multi-Planung. Im direkten Vergleich mit Navimetrix war die Konkurrenz deutlich schneller und lieferte nachvollziehbarere Routenvorschläge. Das fehlende Seekartenmaterial in Windy ist ein weiterer Nachteil: Die Routen müssen zwingend mit einer echten Seekarte abgeglichen werden.


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Hauke Schmidt

Redakteur Test & Technik

Hauke Schmidt zog bereits im Opti-Alter an die Küste und wuchs auf Jollen und Dickschiffen auf. Seit 2006 ist der Diplom Ozeanograf als Redakteur im Ressort Test & Technik tätig. Zu den Kernaufgaben gehören Ausrüstungs- und Bootstest, aber auch Praxisthemen rund um Elektronik, Seemannschaft und Refit. Als leidenschaftlicher Selbermacher verbringt er die Sommer am liebsten mit seiner Familie auf dem Wasser und die Winter mit Arbeiten am Boot.

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