GPS-Störungen auf der Ostsee sind für viele Crews in den vergangenen Jahren zur Realität geworden. Dass die NATO jetzt Technik systematisch unter operativen Bedingungen erprobt, die Störsender erkennt, klassifiziert und lokalisiert, zeigt, wie ernst die Lage eingestuft wird.
Entwickelt wurde GANDALF 4 von Spezialisten des Joint Intelligence, Surveillance and Reconnaissance Centre der NATO Communications and Information Agency (NCIA). Laut NCIA soll der Prototypsensor absichtliche Versuche erkennen, klassifizieren und lokalisieren, GNSS-Signale zu stören oder zu manipulieren: sowohl Jamming als auch Spoofing.
Frühere Tests fanden in kontrollierten Umgebungen statt, darunter eine Messkampagne in einer abgeschirmten Testkammer der NATO Support and Procurement Agency (NSPA). Im Juli 2026 folgte der erste Einsatz auf echten Plattformen: NCIA-Experten installierten GANDALF 4 an Bord des Grenzschutzschiffs „Turva" und eines H215-Super-Puma-Helikopters der finnischen Streitkräfte und prüften das System unter realistischen maritimen und luftgestützten Bedingungen. Beteiligt waren neben der NCIA der finnische Grenzschutz und die finnischen Streitkräfte. Die Kampagne baut auf Flugtests aus dem Jahr 2025 auf, die gemeinsam mit den finnischen Streitkräften an Bord eines NH90-Helikopters durchgeführt wurden. Mit „Turva" und dem H215 Super Puma wurde die Testbasis auf weitere maritime und luftgestützte Träger ausgeweitet. Laut NCIA konnten die gesammelten Daten frühere Ergebnisse bestätigen, neue operative Daten erheben und die Systementwicklung unter repräsentativen Bedingungen fortsetzen.
Parallel testete die NCIA ihre CRPA-Technologie (Controlled Reception Pattern Antenna). Diese ist darauf ausgelegt, Navigationsempfänger auch unter Jammingbedingungen funktionsfähig zu halten. Laut NCIA ergänzen sich GANDALF und CRPA: Während GANDALF Störquellen lokalisiert, erhöht CRPA die Widerstandsfähigkeit der Navigationssysteme selbst.
Beim GNSS-Jamming überflutet ein Sender den Empfänger mit starken Signalen auf der Satellitenfrequenz. Der Empfänger verliert die Verbindung zu den Satelliten, die Positionsanzeige bricht ab. GPS-Spoofing ist technisch aufwendiger: Angreifer senden gefälschte Satellitensignale, die Empfänger nicht von echten unterscheiden können. Das Gerät berechnet eine falsche Position, ohne dass die Crew zunächst etwas bemerkt. Welche Backup-Methoden an Bord funktionieren, wenn der Kartenplotter die Position verliert, beschreibt unser Ratgeber zur Navigation bei GPS-Störungen.
Die finnische Behörde Traficom meldet anhaltende GNSS-Störungen. Nach Angaben der Behörde haben die Störungen im Frühjahr 2026 zugenommen. Für die Schifffahrt nennt Traficom besonders den östlichen Finnischen Meerbusen als betroffenes Gebiet. Auch Estland hat gewarnt. Die Behörden weisen darauf hin, dass Störungen nicht nur die Positionsanzeige betreffen, sondern auch andere Bordsysteme beeinflussen können, etwa Autopilotfunktionen oder AIS-Daten.
Wann GANDALF 4 einsatzbereit sein wird und in welchen Gebieten das System künftig operieren soll, hat die NATO bisher nicht mitgeteilt.
Astronavigation von Bobby Schenk erklärt, wie sich Position und Kurs ohne GPS und elektronische Hilfsmittel bestimmen lassen: mit Sextant, Chronometer und Gestirnsdaten. Das Buch vermittelt genau das Rüstzeug, das gefragt ist, wenn Jamming oder Spoofing die Satellitennavigation ausfallen lässt und die Crew auf klassische Methoden zurückgreifen muss.
Stressfrei Navigieren von Duncan Wells behandelt Positionsbestimmung mit Seekarte, Kompass und GPS sowie auf Sicht, dazu Törnplanung, Seezeichen und Sicherheit auf See. Im Unterschied zur Astronavigation liegt der Schwerpunkt auf der praktischen Bordnavigation, nicht auf der Sternnavigation. Ein kompakter Einstieg in die Backup-Kompetenz, die bei GPS-Störungen auf der Ostsee gefragt ist.
Blindes Vertrauen in den Plotter oder immer eine Backup-Methode dabei? Schreiben Sie Ihre Erfahrungen in die Kommentare.

Redakteur Test & Technik
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