Fabian Boerger
· 18.05.2026
”Wir sind ein Verein von Menschen, die über die ganze Welt verteilt unterwegs sind”, sagte Marcus Warnke, Vorsitzender von Trans-Ocean. “Deswegen ist Zusammenkommen für uns immer etwas ganz Besonderes.” Und das war es allemal. 51 Boote und über 130 Mitglieder kamen zum Sommertreffen in den Hafen von Orth.
An den Masten wehten die rot-blau-weißen Wimpel, Segler schlenderten von Cockpit zu Cockpit. Sie klönten, diskutierten, erzählten von ihren letzten Langfahrten. Die Stimmung: freundschaftlich, gelassen, einladend. Für den Verein, der weder eigenen Hafen noch Vereinsgelände besitzt, war es bereits das zehnte Treffen dieser Art. Über die Jahre etablierte es sich als fester Termin im Kalender der Fahrtensegler.
Die Bandbreite der Boote, die über das Himmelfahrtswochenende nach Fehmarn kamen, war beeindruckend. “Es ist schön, die große Vielfalt hier zu erleben, die Teil des Vereins ist”, sagte Warnke. Alte Holzboote lagen neben 40-Fuß-Aluyachte und GFK-Klassikern.
Besonders ins Auge fiel die große Anzahl hochseetauglicher Boote. Überall waren am Heck Windsteueranlagen zu sehen, dazu Biminis, Radaranlagen oder Windgeneratoren. Solche Ausstattungen begegnet man auf der ruhigen Ostsee eher selten, auf den Weltmeeren dagegen deutlich häufiger.
Einer, der genau dorthin will – auf die Weltmeere –, ist der Lübecker Florian Krause. Der gelernte Segelmacher lebte jahrelang in den Niederlanden, jetzt will er los: allein auf seiner Fortuna 35, der “Barfuff”. “Eigentlich war der Plan, dass ich das mit 40 mache, aber irgendwie hat es mich jetzt schon früher gepackt", sagte Krause.
Seine Route führt ihn über Schottland, Irland, Madeira und die Kanaren in die Karibik. Von dort will er die brasilianische Küste hinunter, durch die Magellanstraße oder über Ushuaia in den Pazifik segeln und weiter Richtung Madagaskar. Sein Ziel: dahin, wo der Pfeffer wächst.
Trans-Ocean begleitete ihn zuletzt auf dem Weg zu seinem Traum. Über Mikroseminare, Besuche auf der boot Düsseldorf und beim Losseglertreffen traf er viele Gleichgesinnte. Krause schätzt das Gemeinschaftsgefühl: “Egal welches Schiff du hast, egal wie groß es ist, es wird nicht gewertet. Das macht das sehr, sehr schön hier.”
Das bestätigt auch Jonas Bender. Er reiste einhand mit seiner “Balea” aus Boltenhagen an und ist erst seit kurzem TO-Mitglied. “Das Miteinander ist genial”, sagt er. Sofort hätten ihn die anderen aufgenommen. Mit anderen in Kontakt zu treten, sei überhaupt nicht schwer: Der Wimpel, überall sichtbar, wirke oft als Eisbrecher.
Neben den sogenannten Losseglern waren auch jene vor Ort, die die große Reise bereits hinter sich haben – manche mehr als andere. So wie Robert Baumann. Mit seiner Alubat Ovni 395 “Globi” kehrte er gerade erst von einer Atlantikrunde zurück. Im September 2025 segelte er los.
“Einen Winter segeln, war das Motto.”
Von der Ostsee führte ihn die Route über Schottland, Brest, die Biskaya, Madeira und die Kap Verden bis in die Karibik und zurück über die Azoren. Eine Auszeit vom Job nahm er sich nicht – die Arbeit als Einkäufer lief nebenbei weiter. Per Starlink blieb er verbunden.
Mit elf Crewmitgliedern – allesamt Freunde ohne Ozeanerfahrung – teilte er die Etappen auf. Trans-Ocean schätzt er vor allem als Inspirationsquelle und Gemeinschaft. In fünf Jahren will er die Runde wiederholen, dann mit mehr Zeit und ohne Arbeitsverpflichtungen.
Die Liste der Seglerinnen und Segler mit spannenden Geschichten von den Weltmeeren war an diesem Wochenende lang. Zusammen mit der Möglichkeit, beim Open-Boat andere Boote zu besichtigen, ergaben sich unzählige Gesprächsanlässe.
Der “Trans-Ocean” e.V. (TO) ist ein Netzwerk für Hochseesegler. Er versteht sich auch ohne Clubhaus als ihr “Heimathafen” und lebt vielmehr dort, wo sich seine Mitglieder treffen. Trans-Ocean wurde 1968 gegründet, um das sportliche Hochseesegeln zu fördern und Segler sowohl im Fahrt- als auch im Regattasegeln zu unterstützen. Initiiert wurde dies durch Claus Hehner, der für seine Teilnahme an internationalen Einhand-Hochseeregatten weder von traditionellen Vereinen noch von Sponsoren unterstützt wurde. In dieser Tradition setzt Trans-Ocean seine Unterstützung fort, unter anderem durch die jährliche Verleihung des Trans-Ocean-Preises.
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Allerdings stand neben dem Austausch noch ein anderes Thema auf der Tagesordnung: Rettungsinseln. Nach dem Singlehanded-Rescue-Training im Vorjahr – bei dem es um Rettungsmanöver für kleine Crews ging – fokussierte man sich diesmal auf den praktischen Umstieg vom eigenen Boot in die Rettungsinsel.
Dafür kam Mara Zapp, Leiterin der Well-Sailing Segelschule. Mithilfe gespendeter, abgelaufener Rettungsinseln demonstrierte sie, was zu beachten ist und warum es sinnvoll ist, den Überstieg schon vor einem Ernstfall zu proben. “Das, was man selber getan hat, geht einfach in ein anderes Gedächtnis als das, was man nur liest oder sieht.”
Ihr zentrales Credo: trocken in die Insel kommen, Ruhe bewahren, kreativ bleiben. Denn kein Ernstfall gleicht dem anderen. “Irgendwas ist immer anders – immer eine Kleinigkeit, die man neu und kreativ bearbeiten muss.” Wer eine Rettungsinsel an Bord hat, sollte wissen, wie sie funktioniert, und sich das am eigenen Boot durchdenken.
”Niemand zieht aus Spaß seine Rettungsinsel, um mal zu gucken, wie es funktioniert”, sagte Marcus Warnke. Genau darin liege das Problem. Denn im Ernstfall, bei schwerem Wetter und unter Stress, müsse jeder Handgriff sitzen: wo die Insel befestigt ist, wie man von Bord geht, wo man sich festhalten kann. Beim Sommertreffen auf Fehmarn übten die Teilnehmer genau das. Der Vereinsvorsitzende probierte den Ablauf gleich an Bord seines eigenen Bootes.
Es ist Teil des Risikos, wenn man sich aufs blaue Wasser begibt. Ich musste das noch nicht erleben, aber wir haben genug Menschen im Verein, die davon berichten können.”
Das praktische Üben ermögliche vor allem das mentale Durchspielen solcher Notfälle, so Warnke. “Wir werden das nicht bei acht Windstärken, gebrochenem Mast und einem halben Meter Wasser im Schiff machen können”, räumt Warnke ein. Aber: Wer solche Situationen mental durchgespielt habe, könne unter Stress deutlich besser damit umgehen.
Das Sommertreffen bot nicht nur Raum für den Austausch über Reisen, sondern auch einen sicherheitsrelevanten Mehrwert. Das nächste Treffen der Hochseesegler findet vom 30. Oktober bis 1. November 2026 in Cuxhaven statt.

Redakteur News & Panorama